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Vermisste Heimat leuchtet in der Fremde

Eva-Martina Weyer / 12.04.2016, 06:20 Uhr
Schwedt (MOZ) Wie kann man in der Fremde Fuß fassen und die Sehnsucht nach der eigenen Kultur stillen? Im Flüchtlingsheim in der Flemsdorfer Straße haben Bewohner diese Frage mit dem Gründen einer syrischen Theatergruppe beantwortet. Die Gruppe nennt sich SWF - Syrer wollen Frieden.

Einige in dieser achtköpfigen Truppe haben schon in ihrer Heimat Theater gespielt. Dies auch in der Fremde zu tun, war ihr Herzenswunsch. Ihre Bühnenkunst den geflüchteten Landsleuten zu zeigen ebenfalls.

Auf der Suche nach einem Auftrittsort in Schwedt haben sie sich an Andreas Noack gewandt, den Geschäftsführer der Schutzhütte. Er hat den Kontakt zu den Uckermärkischen Bühnen Schwedt hergestellt. Das Theater hat schnell reagiert, den kleinen Saal zur Verfügung gestellt und Gewerke wie Kostüm, Ton und Beleuchtung um Unterstützung gebeten.

Die syrisch-deutsche Annäherung im Theater hat funktioniert und artete zum Schluss sogar in einen Freudentanz der Syrer auf der Bühne aus. Der kleine Theatersaal war gut gefüllt mit syrischen Familien. Sie zückten ihre Handys und filmten fast das ganze Bühnengeschehen. Unter den deutschen Zuschauern waren Schüler aus Schwedter Schulen. Auf Bitten der syrischen Frauen hat die Vorstellung am frühen Nachmittag stattgefunden. So konnten sie ihre Kleinkinder und sogar die Babys mitbringen. Dass die Kleinsten manchmal dazwischen brabbelten, hat niemanden gestört.

Theaterintendant Reinhard Simon hatte die Zuschauer auf englisch und deutsch begrüßt. Da die Gruppe SWF ihr Stück auf arabisch darbot, wurde vorher eine kurze Zusammenfassung in deutscher Sprache verlesen. Das Bühnengeschehen muss witzige Passagen enthalten haben, denn manchmal klatschten die Syrer lachend Beifall.

Syrische Jugendliche, die in Schwedt zur Schule gehen, übersetzten manche Handlungsstränge flüsternd simultan. Dass man als Deutscher von diesem Stück wenig verstanden hat, war für die meisten Einheimischen zweitrangig.

Mitten im Schlussapplaus entrollten die syrischen Darsteller ein Spruchband in den Farben schwarz, rot, gold und mit dem Schriftzug "Danke Deutschland". Der 17-jährige Darsteller Jaman aus Damaskus, der in der Talsandschule in die elfte Klasse geht, sprang von der Bühne und mischte sich ganz aufgedreht unters deutsche Publikum. Er rief "Danke" und "Tschüss".

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