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Leo Fischers satirische Sicht auf TTIP & Co.

Leo Fischer (Mitte) sorgte nicht nur in seinem Freundeskreis für Schmunzelei und Lacher.
Leo Fischer (Mitte) sorgte nicht nur in seinem Freundeskreis für Schmunzelei und Lacher. © Foto: Jahnke
Ute Jahnke / 12.04.2016, 08:30 Uhr
Falkensee (MOZ) Zum Abschluss der bisher kostenlosen Autorenlesungsreihe "Satire am Abend" der Partei DIE PARTEI gastierte Leo Fischer - unter anderem Philosoph, Publizist, ex-Chefredakteur des Satire-Magazins Titanic - im Falkenseer Restaurant "Kronprinz". Er präsentierte seine Sichtweise zu vielfältigen Themen, die es in sich haben.

Den Tugenden aus seiner Zeit in der Titanic-Redaktion sei er treu geblieben, sagte Fischer mit einem verschmitzten Lächeln. Diese seien "größtmögliche Anbiederung an den Leser und kompletter Verzicht auf journalistische Maßstäbe". Dies gelte auch für die satirische "taz'-Kolumne "Die Wahrheit': "Im Zuge der Debatte um das Freihandelsabkommen TTIP fand ich es Zeit vor etwas zu warnen. Es ging um gentechnisch verändertes Wasser - ein Naturerzeugnis, das ich mir selber ausgedacht habe." Es handle sich dabei übrigens um den meistgelesenen "taz'-Artikel im Jahr 2014, "was mich umso mehr freute, als praktisch alles darin frei erfunden war", erklärte er stolz. Mittlerweile gebe es ganze Esoterik-Fachforen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

In seiner taz-Kolumne amüsiert sich Leo Fischer gerne über Internet-Foren, in denen die kuriosesten Verschwörungstheorien von simplen Leuten ernsthaft recherchiert werden. So gab er auch kürzlich vermeintliche Internet-Einträge zu seiner frisch erfundenen These "Kann es sein, dass der israelische Geheimdienst Mossad der Drahtzieher hinter den Panama Papers ist?" wieder. "Schon der Name machte mich stutzig: Mossack Fonseca. Mossack, Mossad - bis auf zwei Buchstaben sind die beiden Namen fast vollständig identisch", heißt es da verschwörerisch. Ein anderer Kommentator meine, tatsächlich sei es "extrem unwahrscheinlich, von dem dubiosen Nachrichtendienst irgendwelche Verlautbarungen zu erwarten: Allein in der letzten Woche wurden dem Mossad unter anderem illegale Wetterkontrolle, Geisterbeschwörung, Pferdewetten, die Ermordung Guido Westerwelles und die weitläufige Kontrolle des militärisch-industriellen Komplexes vorgeworfen."

In der Zeitschrift "Jungle World' hingegen verfasst Fischer alle vermeintlichen "Gastbeiträge" ganz offen selbst. "Die "Jungle World' ist eine sehr kleine, sehr arme Zeitung, die sich teure Gastbeiträge von richtigen Prominenten nicht leisten kann. Deshalb hat sie einen Einzigen angestellt, der alle Gastbeiträge schreibt. Das bin ich." So schlüpfte er dann auch in die Rolle des Bundestagsabgeordneten Diether Dehm, der den ex-RAF-Terroristen Christian Klar als Website-Betreuer angestellt und für ihn einen Hausausweis für den Bundestag beantragt hat: "Seit der Christian für mich arbeitet, ist es in meinem Büro weder zu Entführungen noch zu antikapitalistischen Tötungsaktionen gekommen. Tötungen sind für mich kein Team-Building Tool und sollten für das reaktionäre und imperialistische Ausland aufgespart werden. Und dann nach Möglichkeit nur in der Freizeit und nicht mit Materialien aus dem Deutschen Bundestag." Er sehe es als größeres Verbrechen, "dass ich Gerhard Schröder zum Juso-Vorsitzenden gemacht habe", so der vermeintliche Gastbeitrag.

Auch die aktuell sinkenden Umfragewerte der SPD nahm er bereits im Namen von Sigmar Gabriel unter die Lupe: "Der Wählerwille ändert sich historisch. Im 19. Jahrhundert war er total pro SPD, im 20. Jahrhundert haben wir etwas an Fahrt verloren, und im 21. Jahrhundert müssen wir uns halt erst mal wieder sammeln. Ich persönlich denke bei der SPD schon jetzt ans 22. Jahrhundert. Wenn wir den Aufstieg der AfD analysieren, dann sehen wir, dass die auch als Kleinpartei gestartet ist, nicht als Volkspartei. Die SPD hat das verstanden und sich dementsprechend gesundgeschrumpft, um das Kleinstwählermilieu zurückzugewinnen."

Mehr Lustiges von und über Leo Fischer finden Interessierte im Internet unter www.LeoGFischer.com .

Übrigens: Die satirische Autorenlesungs-Reihe der Partei DIE PARTEI geht nun zunächst in eine ausgedehnte Sommerpause, ehe sich im Herbst wieder neue und alte Bekannte in Falkensee die Klinke in die Hand geben werden - dann allerdings nur noch vor zahlendem Publikum. Die Termine erfahren Sie zu gegebener Zeit im Internet: www.die-partei-bbg.de/termine

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