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Aufs Gefühl kommt es an

Dorothee Torebko / 14.04.2016, 22:30 Uhr
Münchehofe (MOZ) "Es muss klick machen", sagt Springreiter Ludger Beerbaum. Das Nebeneinander von Pferd und Mensch soll symbiotisch werden. Für alles andere gibt es Training. Beerbaum leitete talentierte Brandenburger auf dem Reithof in Münchehofe an - dass es bei ihnen "klick" macht.

"Du musst dich mit dem Pferd verständigen. Warum reagiert es nicht? Frag' dich das." Der Mann, dessen Stimme hier durch die Halle dröhnt, ist vierfacher Olympiasieger. In Sachen Springreiten eine Ikone in Deutschland. Er ist Meinungsmacher und Förderer des Pferdesports. Heute ist Ludger Beerbaum Trainer.

Der 52-Jährige steht jetzt in schwarzer Steppjacke und mit einem Headset, das seine Stimme vibrieren lässt, zwischen Hürden und ihn umkreisenden Pferden. Mal sind seine Worte mahnend, mal lobend. Die Reiter versuchen, seine Sätze in Taten zu gießen. Doch das klappt nicht immer.

Bei Anna Jurisch etwa. Die 14-Jährige ist zusammen mit 15 Nachwuchsathleten auf die Anlage des Reitreviers Münchehofe-Hoppegarten gekommen. Beim Jugendturnier "Ludger-Beerbaum-Preis" gehörten die Sportler zu den Finalisten und wurden daraufhin zum eintägigen Workshop eingeladen. Aufgeteilt in die Altersgruppen U 16, U 18 und U 21 zeigen die Jugendlichen, warum sie zu den talentiertesten Reitern Brandenburgs gehören.

Wobei sie nicht gerade zimperlich sein dürfen, was Kritik angeht. Anna, die zu den Erfahrenen gehört und beim Trainingstag viermal mitgaloppierte, muss im Schritt mit Caspar's Quick Star über vier knöchelhohe Stangen gehen. "Kann er das nicht?", fragt Beerbaum, als der Hengst wie eine staksende Giraffe über die Hürden stolpert, "da klappt die Koordination nicht. Noch mal."

Bei einer anderen Reiterin, Pia Janecke mit Chili, wird der viermalige Goldmedaillengewinner deutlicher: "Wenn du nicht die Grundlagen kannst, brauchst du nicht von großen Sprüngen träumen", moniert Beerbaum und dann, als sie sich in gemütlicher Geschwindigkeit den Hürden nähert: "Mach' mal Tempo. Kann ja nicht sein, dass ich hier fast einschlafe. Singst du dem Pferd schlaf, Kindlein, schlaf vor?"

Seinen Führungsstil beschreibt der Mann aus dem westfälischen Riesenbeck als bestimmt. Er müsse ja hart rangehen, die Reiter sollen schließlich was von dem Tag haben. "Mir machen die deutlichen Worte nichts aus. Wir wollen uns ja verbessern", bekräftigt Anna. Diejenigen mit dem meisten Potential werden zu einer Extra-Trainingswoche auf den Hof eingeladen.

Eine Ehre sei das, sagen die Athleten. Laura Strehmel, die nun zum Bundeskader Junge Reiter Springen zählt, gehörte einst auch zu den Auserwählten. Doch eine Garantie für Erfolg ist die Adelung durch Beerbaum nicht. "Talent und Ehrgeiz sind wichtig", meint der Olympiasieger. Aber das ist nicht alles. "Ich habe Talente scheitern sehen, die nicht das richtige Pferd hatten. Im schlimmsten Fall kann ein schlechter Reiter mit einem guten Pferd erfolgreicher sein als das größte Talent, das nicht mit dem Pferd harmoniert", sagt er. Kurz: Der Reiter muss das Glück haben, aufs richtige Pferd zu setzen.

Beerbaum ist mit sieben Jahren zum ersten Mal geritten. "Allerdings habe ich da nur Cowboy gespielt." So richtig los ging es mit neun. "Kinder sollten einige motorische Fähigkeiten erlangt haben, bevor sie sich aufs Pferd setzen." Mit drei Jahren sein erstes Pony haben - das sei zu früh.

Ein Patentrezept gibt es nicht. Gab es nie. Sicher ist sich Beerbaum dafür aber, dass es von den Talenten in Münchehofe ein, zwei in Deutschlands Spitze schaffen können. "Vorausgesetzt, Reiter und Pferd verstehen sich irgendwann blind." Denn: "Es kommt aufs Gefühl an. Je mehr davon umso besser."

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