Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

620 Hohen Neuendorfer votieren für Vorschläge beim Bürgerhaushalt / Kampfsportschule Ving Tsun erhält 806 Klebepunkte

Je gelber, desto besser

In der Gunst der Einwohner: Mit gelben Klebepunkten konnten Hohen Neuendorfer mitbestimmen, welche Vorschläge zum aktuellen Bürgeretat umgesetzt werden sollen. Am Ende entscheidet jedoch die Stadtverordnetenversammlung.
In der Gunst der Einwohner: Mit gelben Klebepunkten konnten Hohen Neuendorfer mitbestimmen, welche Vorschläge zum aktuellen Bürgeretat umgesetzt werden sollen. Am Ende entscheidet jedoch die Stadtverordnetenversammlung. © Foto: MZV
Heike Weißapfel / 15.04.2016, 11:23 Uhr
Hohen Neuendorf (OGA) Wenn Hunderte suchen, lesen und Punkte verteilen, dann steht fest: Es ist wieder Bürgerhaushalt in Hohen Neuendorf.

Das abgeteilte Kästchen auf dem angepinnten Papier reicht bei weitem nicht aus. Zwei Zettel müssen "angebaut" werden, die schnell ebenso mit gelben Klebepunkten übersät sind. Die Sportfans kommen wieder zahlreich: In diesem Jahr erfährt der Verein Ving Tsun eine so breite Unterstützung, dass die Hohen Neuendorfer vor diesem Vorschlag Schlange stehen müssen, um ihr Votum hinzukleben. Bessere sanitäre Anlagen, deren Einbau etwa 15 000 Euro kosten würde, wünscht sich die Kampfkunstschule, die neben dem Bauhof in der Karl-Marx-Straße in einem kargen Umfeld ihr Domizil hat.

Das Gewusel täuscht. Die meisten kommen gezielt, lesen sich die Anregungen aufmerksam durch, führen andere am Ärmel vor die ausgesuchte Stellwand. Während immer weitere Besucher in die Stadthalle strömen, heißt Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) alle willkommen und referiert die Erfolgsgeschichte des Bürgerhaushalts. Hatten bei seiner ersten Auflage 2014 noch 92 Hohen Neuendorfer 148 Vorschläge eingereicht, so sind es in diesem Jahr 122 Einreicher und 208 Ideen.

Aufgelistet nach Umwelt, Sport, Kultur und anderen Bereichen finden die Besucher der Stadthalle am Mittwochabend ihre eigenen Vorschläge oder die von Bekannten wieder - versehen mit kurzen Einschätzungen und Erklärungen der Verwaltung zur Umsetzbarkeit. Als Hohen Neuendorfer Bürger setzen auch viele Stadtverordnete ihre gelben Zeichen.

Dorothea Heuer-Kretzmann, in der Stadtverwaltung für den Bürgeretat zuständig, fragt einen Jungen direkt, was er sich wünscht. "Eine Halfpipe zum Skaten", sagt der neunjährige Paul, "und einen Sandkasten", aber auch einen Zebrastreifen für den Schulweg zur Bergfelder Ahorn-Grundschule, der vielleicht eher ein Wunsch der Eltern ist.

Die Heimatfreunde Hohen Neuendorf möchten die Rotpfuhle renaturiert wissen. "Wir würden das Projekt dann auch unterstützen", sagt Matthias Salchow vom Verein. Wie, das weiß er bisher auch noch nicht - kommt eben darauf an, was getan werden kann, damit die Pfuhle wieder mehr Wasser führen. Der kleine Rotpfuhl habe da wohl noch die größten Chancen. Pläne dafür habe es vor ein paar Jahren doch schon mal gegeben, weiß er.

Die Fünftklässlerin Lisa-Marie Wu weiß ebenfalls schon genau, welche Projekte sie umgesetzt sehen möchte. Zur Unterstützung hat sie ihre Mutter Lihong Ye und ihre jüngeren Geschwister mitgebracht - das ergibt zu viert immerhin 20 Punkte zum Verkleben. Ein zweites Tor für den Spielplatz der Borgsdorfer Grundschule und neue Spielgeräte wären toll, findet sie. Aber auch die Hohen Neuendorfer Kampfsportler bekommen einige "Klebchen"von Lisa-Marie.

Ein Open-Air-Kino für den Sommer zählt zu den Wünschen anderer Einwohner, ein Starterset mit Deutschbuch, Stadtplan und Schreibsachen für die zu erwartenden Flüchtlinge. Mit LED-Bändern könnte die Sicherheit für Schulkinder erhöht werden, so ein Vorschlag von Mandy Wanko. Über einen Zugang zur Havel und dort eine Bank würden sich Pinnower wie Klaus Sokol freuen. Nach zwei Stunden ist abends Klebeschluss.

Wie es am Ende ausging? Das haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung ausgezählt und sortiert. 620 Hohen Neuendorfer haben mitgemacht und mehr als 3 100 Punkte verklebt, teilt Stadtsprecherin Ariane Fäscher mit.

Die Mitglieder jubelten schon am Abend. Wie unschwer zu erkennen ist, führt der Verein Ving Tsun mit 806 Punkten deutlich die Liste an, die im Stadtentwicklungsausschuss beraten und im Juni von den Stadtverordneten beschlossen werden soll. Das Borgsdorfer Tor bringt es auf 283 Stimmen und die elektronische Anzeigentafel für den Rudolf-Harbig-Sportplatz auf 188.

Die Renaturierung der Rotpfuhle ist stark nachgefragt. "Das ist ein wichtiges Signal", sagt Stadtsprecherin Ariane Fäscher. "Aber es ist kein Projekt für den Bürgerhaushalt." Abgesehen davon, dass eine Renaturierung den Bürgerhaushalt finanziell sprengen würde, müssten auch ein Konzept und eine öffentliche Trägerbeteiligung gemacht werden. Auch der Radweg von Borgsdorf nach Velten ist weiterhin gewünscht, könne aber nicht von der Stadt realisiert werden, so Ariane Fäscher. Zum gewünschten neuen Bolzplatz mit Toren ließe sich aber vielleicht ein Kompromiss auf dem Waldspielplatz finden.

110 Punkte hat der "Kulturbeutel", die Starthilfe für Asylsuchende in der Stadt, erhalten - ein gutes Zeichen für die Idee des Kulturkreises ist auf jeden Fall auch das.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG