Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

90 Feuerwehrleute proben auf Gewerbepark Engelmann für den Ernstfall / Defizite im Umgang mit dem Digitalfunk

Übung an brennender Halle in Wriezen

Realitätsnah: Was aussieht wie ein schlimmer Verkehrsunfall, entpuppt sich für die Einsatzkräfte der Wriezener Feuerwehr am Sonnabend als Übung.
Realitätsnah: Was aussieht wie ein schlimmer Verkehrsunfall, entpuppt sich für die Einsatzkräfte der Wriezener Feuerwehr am Sonnabend als Übung. © Foto: Heike Stachowiak
Heike Stachowiak / 17.04.2016, 19:47 Uhr
Wriezen (MOZ) Mit einem Großaufgebot von 90 Einsatzkräften und 15 Fahrzeugen sind die Feuerwehren der Stadt Wriezen und Bliesdorf/Kunersdorf am Sonnabendnachmittag ausgerückt. Eine Lagerhalle auf dem Gewerbepark Engelmann hatte Feuer gefangen. Der Einsatz entpuppte sich als Übung.

Es ist früher Sonnabendnachmittag. Um 14.20 Uhr alarmiert die Regionalleitstelle Oderland in Frankfurt (Oder) die Freiwilligen Feuerwehren Wriezen, Schulzendorf, Frankenfelde, Haselberg, Rathsdorf, Biesdorf, Lüdersdorf, Altwriezen, Eichwerder und später auch Bliesdorf/Kunersdorf. Das Einsatzstichwort, das die Feuerwehrmänner und -frauen auf ihrem Funkmelder lesen, lautet: "Sonderobjekt, Feuer in Lagerhalle, 2 Arbeiter vermisst -Anfahrt über Hafen". Zu diesem Zeitpunkt wissen die Blauröcke noch nicht, dass es sich um eine Übung handelt. Schnelligkeit ist gefragt.

Zur gleichen Zeit nimmt Simone Köppen von der Freiwilligen Feuerwehr Wriezen noch letzte Handgriffe vor. Sie hat Susan Köppen und Marcus Dannenberg realitätsnah geschminkt. Die 25-Jährige und der 33-Jährige mimen zwei in einem Pkw eingeklemmte Personen, die am Hafen gegen einen Baum gefahren sind. Gegenüber, auf dem Gelände des Gewerbeparks Engelmann, steigt schwarzer Rauch auf. Der Wind trägt Sirenengeräusche herüber.

Die ersten Blauröcke, die die Unfallstelle erreichen, sind die Wriezener. Ortswehrführer Robby Menzel übernimmt die Leitung. Die Stadtfeuerwehr führt Schere und Spreizer auf ihrem Fahrzeug mit. Beides wird benötigt, um die Verunglückten aus dem Auto herauszuschneiden. Die anderen Feuerwehren, die nach und nach ankommen, fahren weiter zum Haupteinsatzort im Gewerbepark Engelmann. Dort steht ein Pkw in Flammen. Aus einer Lagerhalle, in der sich Baumaterialien und Betriebsstoffe befinden, tritt dicker Qualm heraus. Statt zwei, werden drei Menschen vermisst.

Guido Konitza von der Freiwilligen Feuerwehr Haselberg übernimmt die Einsatzleitung. Die Rathsdorfer Blauröcke bauen die Wasserversorgung mit auf. Dazu speisen sie zunächst Wasser aus einem auf dem Gewerbepark befindlichen Hydranten und dann aus der Alten Oder. Währenddessen machen sich die ersten Atemschutzgeräteträger bereit, um in die Halle vorzudringen. Dazu gehören Philipp Lilienkamp und Andy Karau von der Feuerwehr Schulzendorf. Die Atemschutzüberwachung hat Steffen Knie aus Haselberg übernommen. Das Wasser fließt. Die Drehleiter der Feuerwehr Wriezen ist einsatzbereit. Schnell sind die ersten zwei Verletzten, zwei Mädchen, entdeckt. Sie werden von den Blauröcken versorgt. Doch ehe die dritte Person gefunden wird, vergeht einige Zeit. Erst nach langem Suchen, auch außerhalb der Halle, machen Einsatzkräfte die Person im hintersten Winkel der Halle ausfindig.

Hannes Möller, Übungsleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr Wriezen, hat die Übung gemeinsam mit Stadtbrandmeister Thomas Keil geplant. Er ist im Großen und Ganzen zufrieden mit dem Verlauf. Allerdings habe es, wie schon bei der Übung in Schulzendorf im Oktober, Probleme mit der Kommunikation gegeben. Und zwar im Umgang mit dem Digitalfunk. Obwohl dieser seit zwei Jahren eingeführt sei, beherrschen noch nicht alle diesen richtig. Das sei ein Schwerpunkt für die weitere Ausbildung, so Hannes Möller. Außerdem habe es von den Mimen die Rückmeldung gegeben, dass es bei der Erstversorgung und Betreuung der Verletzten beim Pkw-Unfall noch Defizite gegeben habe. Das erklärt sich Hannes Möller unter anderem mit der Situation, dass gerade viele junge Leute in die Feuerwehr Wriezen nachgerückt seien und vielleicht noch nicht über die Erfahrung der älteren Feuerwehrleute verfügen würden. Kritisch sieht er die Zahl der Atemschutzgeräteträger. Bei solch einer Gefahrenlage und an einem Sonnabendnachmittag seien 20 Atemschutzgeräteträger zu wenig, findet Hannes Möller.

Über den Verlauf der Einsatzübung werden sich die Verantwortlichen zur nächsten Stadtbrandmeistertagung Anfang Mai verständigen.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG