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Subunternehmer der SVF soll gegen Auflagen verstoßen haben / Geschäftsinhaber erklärt Probleme für abgestellt

Vorwürfe gegen Busreisen Homann

Zerschlissener Reifen: Zeitweilig eingesetzte Busse hatten offenbar Sicherheitsmängel.
Zerschlissener Reifen: Zeitweilig eingesetzte Busse hatten offenbar Sicherheitsmängel. © Foto: MOZ/Thomas Gutke
Thomas Gutke / 18.04.2016, 05:10 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Seit längerem bedient Busreisen Homann für die Stadtverkehrsgesellschaft einige Linien. Mehrere Fahrer berichten nun, dass der Subunternehmer dabei zuletzt gegen Standards und Auflagen der SVF verstoßen haben soll. Auch von Fahrgästen gab es Beschwerden. Zudem zogen Mitarbeiter vor das Arbeitsgericht.

Abgefahrene Reifen, verschmutzte Busse, überarbeitete Fahrer, fehlende Fahrscheinautomaten, unbezahlte Überstunden - die Liste mit Vorwürfen gegen Busreisen Homann ist lang. Erhoben werden sie von früheren und aktuellen Mitarbeitern. Ein Busfahrer, der seinen Namen nicht nennen möchte, sagt: "Es ist nur eine Frage der Zeit, dass durch Übermüdung oder technische Probleme etwas Ernsthaftes passiert."

Das Unternehmen mit Sitz in der Riebestraße bietet Fahrten mit Reisebussen an, betreibt im Auftrag der SVF aber auch einen Teil des Frankfurter Nahverkehrs. Zuletzt hatte sich Homann Ende 2014 in einer Ausschreibung gegen mehrere Mitbewerber durchgesetzt und bedient seitdem hauptsächlich die Linien 982, 984, 987 sowie die Nachtbusse N1 und N2. Der Öffentliche Dienstleistungsvertrag zwischen Stadt und Stadtverkehrsgesellschaft lässt ausdrücklich zu, dass die SVF Aufgaben auch an Dritte übertragen kann. Allerdings muss sie den Großteil des Frankfurter ÖPNV-Netzes selbst bedienen. Außerdem müssen die Standards des Subunternehmers denen entsprechen, denen auch die SVF unterliegt.

Doch daran gibt es Zweifel. Gegen einige Auflagen soll Homann verstoßen haben.

Dazu zählen Sicherheits- und Beförderungsstandards. Nach Aussage von Mitarbeitern waren voriges Jahr zeitweilig zwei angerostete MAN-Busse im Liniennetz unterwegs. Heizung und Türen hätten zum Teil nicht funktioniert, die Abgasnormen nicht dem Standard Euro 6 entsprochen und die Reifen kein Profil mehr gehabt. Fotos, die der MOZ vorliegen, bestätigen das. Als Fahrer Geschäftsinhaber Harald Homann auf die Probleme ansprachen, habe dieser angeordnet, dass mit den Bussen weitergefahren werden soll. "Die Probleme wurden von ihm zur Kenntnis genommen, aber die Wagen liefen weiter rund um die Uhr", berichtet ein Fahrer. Bei einem der Fahrzeuge soll es zudem Probleme mit der Lenkung gegeben haben - während dieses mit Schülern unterwegs war.

SVF-Geschäftsführer Wolfgang Worf bestätigte auf Nachfrage, dass auch von Fahrgästen in den vergangenen Monaten Beschwerden über das Subunternehmen an die Stadtverkehrsgesellschaft herangetragen wurden. "Einzelne Hinweise bezogen sich auf Fahrplanlage (d.h. Unpünktlichkeit/Anm. d. Red.), Sauberkeit und Fahrzeugausstattung." Die SVF habe entsprechend auf die Hinweise reagiert. Worf: "Nachgewiesene verschuldete Einzelvorfälle vertragswidrigen Verhaltens seitens der Firma Busreisen Homann wurden und werden zeitnah gerügt und mit dem Auftragnehmer besprochen. Sie sind von ihm innerhalb einer gestellten Frist abzustellen."

Die besagten Busse sind inzwischen nicht mehr unterwegs. Stattdessen setzt Homann unter anderem von der SVF angemietete Solo- und Gelenkkombibusse ein. Doch deren Nutzungszeit sei laut Wolfgang Worf "abhängig von der Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Nutzungszeit." Die SVF habe eine Leistung unter bestimmten Qualitätskriterien beauftragt. Die unternehmerische Entscheidung über Investitionen - sprich neue Busse - treffe der Auftragnehmer allein.

Doch fehlende eigene Fahrzeuge, die den Qualitätsanforderungen entsprechen, waren und sind nicht das einzige Problem für Busreisen Homann: Wochenlang sollen etwa keine Fahrscheine in den Bussen verkauft worden sein. Die nun eingesetzten Busse verfügen über Fahrscheinautomaten. Einige Mitarbeiter sollen zudem über kaum Deutschkenntnisse verfügen, was eine Verständigung mit Fahrgästen schwierig macht.

Ein weiteres Problem ist die pünktliche und tarifgemäße Bezahlung der rund 15 Mitarbeiter. Regelmäßig seien Gehälter nicht vollständig oder verspätet ausgezahlt worden. In einer SMS an die Mitarbeiter vom Dezember 2015 macht Harald Homann dafür "einen Fehler bei der Überweisung von der SVF zu unserem Konto" verantwortlich. Zu Streitigkeiten kam es auch bei der Abführung von Kranken- und Rentenversicherungsbeiträgen.

Aus unterschiedlichen Gründen zogen Mitarbeiter zudem in den vergangenen Wochen vor das Arbeitsgericht in Frankfurt. Dabei ging es um eine nicht eingehaltene Kündigungsfrist, ausstehende Lohnzahlungen sowie einbehaltene Beträge aus einer Schadensersatzforderung nach einem Unfall.

Laut brandenburgischem Vergabegesetz müssen auch Subunternehmer im ÖPNV ihrem Fahrpersonal den tariflichen Grundlohn zahlen. Im Tarifvertrag Nahverkehr Brandenburg ist der Stundensatz mit 11,25 Euro ausgewiesen. Homann-Mitarbeitern wurden jedoch nachträglich Arbeitsverträge als Kraftfahrer mit einem Bruttostundenlohn von 10,60 Euro vorgelegt. "Wer das nicht akzeptieren wollte, dem wurde mit der Kündigung gedroht", berichtet einer der Busfahrer. Demgegenüber stehe ein erheblicher Arbeitsdruck, weil es an Personal mangele. Doppelschichten seien keine Seltenheit.

Geschäftsinhaber Harald Homann erklärte nach mehrfacher MOZ-Anfrage bislang lediglich, dass man sich mit der Stadtverkehrsgesellschaft zusammengesetzt und Probleme abgestellt habe. Viele der im Raum stehenden Vorwürfe stimmten so nicht. Er werde in den nächsten Tagen ausführliche Stellung nehmen, kündigte Homann an.

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Rico Finke 18.04.2016 - 06:49:17

Busreisen homann

Es sind nicht nur die Busse stark verschmutzt . Man kann am frühen Morgen an der Haltestelle stehen wie letzten Sonntag morgen und der Bus fährt in der Haltestelle ein und fährt ohne anzuhalten weiter. Und teilweise fahren einige Fahrer überhöter Geschwindigkeit das man sich in kurven kaum festhalten kann.

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