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Keine handfesten Aussagen

Die Veranstaltung in der Stadthalle war nur mäßig besucht.
Die Veranstaltung in der Stadthalle war nur mäßig besucht. © Foto: Silke Schulz
Silke Schulz / 29.11.2017, 22:23 Uhr
Falkensee (MOZ) Nicht so recht in Schwung kommen wollte am Dienstag der Informationsabend zum Entwurf des Falkenseer Verkehrsentwicklungsplans. Im Foyer der Stadthalle war ein Großteil der Plätze frei geblieben, wobei rund ein Drittel der Anwesenden Akteure aus Politik, Verwaltung und Initiativen gewesen sein dürften. Gleichwohl zeigte sich Verkehrsingenieur Michael Schreiber vom Büro "LK Argus" beeindruckt und erfreut von dem bürgerlichen Engagement in der Gartenstadt.

"Spannende und kontroverse Diskussionen" hatte Bürgermeister Heiko Müller (SPD) während seiner Eröffnungsrede in Aussicht gestellt - diese blieben indes aus. Unzufriedenheit war den Teilnehmern der Veranstaltung hingegen schon bald anzumerken. Diese betraf nicht nur die allgemeine Verkehrssituation in der Stadt, sondern auch die Struktur der Veranstaltung.

Während sich Projektleiter Michael Schreiber in seinem Referat weitgehend auf grundlegende Informationen über Strukturdaten, Zuständigkeiten und Herangehensweisen beschränkte, wollten die anwesenden Bürger handfeste Aussagen über die Lösung bestehender Probleme hören. "Ich will nicht wissen, wie das Vorgehen bei der Erstellung des Entwurfs war! Der Verkehr in der Stadt fließt nicht, weder in der Bahnhofstraße noch in der Spandauer Straße - was können Sie zur Nordumfahrung sagen?"

Und: "Man kriegt das Problem ja gar nicht mehr in den Griff. Alle Maßnahmen sind im Grunde nutzlos, weil die Stadt viel zu schnell wächst und darauf nur schleppend reagiert. Falkensee erstickt im Verkehr, daran hat auch der Ausbau der Spandauer Straße nicht viel geändert." Diese Sorge teilt Schreiber nicht: "Je mehr ich ausbaue, desto mehr Verkehr entsteht natürlich auch. Ich sehe das aber nicht so pessimistisch. Natürlich hat Falkensee Verkehrsprobleme, aber wir stehen nicht kurz vor dem Infarkt. Das ist durchaus händelbar."

Konkret wurde der Verkehrsingenieur indes eher nicht. "Wir haben vier Zielfelder identifiziert. Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen und Verkehrsarten sollte gewährleistet sein, wichtig ist die Stärkung des Umweltverbundes - also ÖPNV, Fußgänger, Radfahrer. Das Straßennetz muss leistungsfähig, der Kfz-Verkehr stadt- und umweltverträglich gemacht werden. Das Maßnahmenkonzept enthält fünf Themenkomplexe mit langfristigen Strategien wie der Förderung von Alternativen zum Kfz-Verkehr. Es muss ein qualitativ gutes Fuß- und Radwegenetz sowie attraktiven Öffentlichen Personennahverkehr geben. Außerdem wird eine verkehrssparsame Stadtentwicklung bei Neuplanungen empfohlen. Wohnen und Einkaufen sollen nahe beieinanderliegen."

Unter den Empfehlungen findet sich etwa der Vorschlag, die Straßennetzklassifizierung von drei auf vier Kategorien zu erweitern. Künftig würde es dann Hauptverkehrsstraßen mit regionaler Bedeutung und Hauptsammelstraßen mit hoher innerörtlicher Erschließungsfunktion geben, außerdem Sammelstraßen, die die reinen Wohnstraßen an das übergeordnete Straßennetz anbinden.

Prüfaufträge für die Verkehrsorganisation wurden anhand von Betrachtungen verschiedener Knotenpunkte entwickelt, Empfehlungen reichen von einer Anpassung der Beschilderung über Optimierung der Ampelschaltung bis zur baulichen Umgestaltung, etwa in Kreisverkehrsplätze. Ein Beispiel mit hohem Handlungsbedarf stellt hier die Kreuzung Karl-Marx-Straße/Hirschsprung dar.

Schmunzeln erntete Schreiber mit seiner Aussage, in der Bahnhofstraße herrsche wegen der vielen Geschäfte stets starker Fußgängerverkehr. Hinsichtlich des Fahrradverkehrs betrachtet der Entwurf verschiedene Führungsformen, mit hoher Priorisierung wird etwa die Anlage von Schutzstreifen an Nauener oder Leipziger Straße empfohlen. Ein Radwegekonzept sei nicht Umfang der Untersuchung gewesen, so Schreiber, schließe sich aber dieser an. "Der Radverkehr hat noch viel Untersuchungsbedarf."

Von Seiten der Stadtverwaltung waren bereits in der Vergangenheit Probleme mit der "LK Argus" im Verständnis der Arbeitsaufträge beklagt worden. Aus dem Publikum klang indes ein klares Plädoyer für eine Radwegeführung abseits der Hauptverkehrsstraßen durch.

"Der Verkehrsentwicklungsplan ist eine zusammenfassende Momentaufnahme und nicht statisch. Er gilt als Basis für das weitere Arbeiten, als Rahmen mit übergeordneten Empfehlungen. Es muss eine Prioritätensetzung erfolgen. Die Aufgabe der Stadtverordnetenversammlung wird sein, dies zu organisieren, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen und die vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzbar zu machen. Wir wollen einen Schlussstrich unter die zweite Novellierung des Verkehrsentwicklungsplans ziehen und durch den bevorstehenden Beschluss Schwerpunkte definieren, etwa zum Parkraumkonzept, Straßennetz oder zu Fußgänger-Überwegen", resümierte Bürgermeister Heiko Müller (SPD).

Spannend könnte indes die Frage sein, ob die Struktur dieses Informationsabends von Seiten der Verantwortlichen künftig als idealtypischer Weg zur Bürgerbeteiligung betrachtet wird, oder ob die problematische Zusammenarbeit und das unzureichende Ergebnis der "LK Argus" zu dieser etwas unbefriedigenden Veranstaltung geführt haben.

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