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Kurzweil und Integration: Beschäftigungsangebote für Flüchtlinge

Beliebt bei Flüchtlingen sind auch die Sportangebote der Vereine.
Beliebt bei Flüchtlingen sind auch die Sportangebote der Vereine. © Foto: dpa
23.04.2016, 12:17 Uhr
Potsdam (DPA) Fußball, Spielenachmittage, gemeinnützige Arbeit - Flüchtlinge in Brandenburg können sich auf verschiedenste Art und Weise die Zeit vertreiben. Das Ganze hat einen wichtigen Nebeneffekt.

Flüchtlingen bietet sich in Brandenburg eine ganze Palette Beschäftigungsangebote. Organisiert werden sie vornehmlich von Vereinen und Privatleuten, mit Unterstützung von Landkreisen und Kommunen. So trifft sich beispielsweise die Stadtverwaltung von Wittstock/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) regelmäßig zum Austausch mit Sozialarbeitern, der Kirche sowie einem Aktionsbündnis gegen Fremdenfeindlichkeit in einer "AG Flüchtlinge", wie ein Stadtsprecher berichtet.

Besonders für Sport ließen sich die vornehmlich jungen Männer aus den Krisen- und Kriegsgebieten begeistern, sagt Thoralf Höntze vom Fußballverein SC Babelsberg 03. Er hatte vor zwei Jahren mit "Welcome United 03", ein Sportprojekt ins Leben gerufen, das es Flüchtlingen ermöglicht, unkompliziert Fußball zu spielen. "Wenn die Jungs vom Sprachkurs oder von der Arbeit kommen, finden sie bei uns einen sportlichen Ausgleich."

Bis zu 75 Flüchtlinge lassen so mehrmals in der Woche den Ball übers Spielfeld rollen, 35 von ihnen auch in einer eigenen Flüchtlingsmannschaft, die in dieser Saison in der 2. Kreisklasse C spielt. "Auch die werden von unseren Fans kräftig angefeuert", erzählt der Organisator. Selbst wenn auf dem Rasen wenig Zeit zum Deutschlernen bleibe, böten Feiern mit Fans und Vereinsmitgliedern genug Gelegenheiten, sich mehr in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Über Kontakte mit Sponsoren sei überdies schon so mancher Job vermittelt worden.

Mitfinanziert wurden dieses und weitere 60 Integrationsprojekte für Flüchtlinge in Brandenburg und den neuen Bundesländern von der Potsdamer F. C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz. "Rund eine Viertelmillion Euro haben wir im vergangenen Jahr in Projekte investiert", sagt Geschäftsführerin Susanne Krause-Hinrichs. Aktuell unterstütze man märkische Vereine beim Fußballprojekt "On the Move", das bald in vielen Kommunen umgesetzt werden solle. Im Kreis Potsdam-Mittelmark sei es so etwa dem Fußballverein Caputh dank Trainer- und Ausrüstungshilfe möglich, Flüchtlinge aus dem nahegelegenen Ferch zu trainieren.

Für den aus Syrien stammenden Trainer setzt sich die Stiftungs-Geschäftsführerin auch in ihrer Freizeit ein: "Der junge Mann hat in Syrien seine Ausbildung zum Sportlehrer nicht beenden können." Darum gehe sie nun mit ihm zu Studienberatungen in Potsdam, damit er seinen Abschluss in der Landeshauptstadt nachholen kann.

Neben der Teilnahme an Sport- oder Malkursen können sich Flüchtlinge bei den Einrichtungen der Evangelischen Kirche gezielt für das Gemeinwohl engagieren. "Das funktioniert häufig im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes in Kirchengemeinden", erklärt Kirchensprecher Christoph Heil. Interessierten bietet sich eine Mitarbeit als ehrenamtliche Dolmetscher, auf Friedhöfen, bei der Sicherstellung von Kirchenöffnungen und in sozialen Projekten der Gemeinden.

Für geflüchtete muslimische Glaubensbrüder engagiert sich besonders der Verein der Muslime in Potsdam. "Gemeindemitglieder sammeln in erster Linie Sach- und Geldspenden", sagt Vereinsvorstand Kamal Mohamad Abdallah. Abends oder an Wochenenden könnten die Flüchtlinge zudem an Sprachkursen teilnehmen.

Abdallah beklagt jedoch den zu knappen Raum in der Al Farouk Moschee. "Unsere Räumlichkeiten reichen nicht einmal für die Gemeindearbeit aus." Freitags müssten Gläubige schon auf der Straße oder unter freiem Himmel beten. Man versuche seit langem, größere Räume zu bekommen. Das scheitere jedoch am Geld, da der Verein keine staatliche Unterstützung erhalte, sondern sich durch Spenden finanziere.

"Vor kurzem war Oberbürgermeister Jann Jakobs hier zum Gebet", erinnert sich der Vereinschef. Man habe über das Problem gesprochen und Jakobs habe zugesichert, eine Lösung zu finden. "Das hat bisher noch nicht geklappt."

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Paul Müller 24.04.2016 - 09:43:35

Kann man denen keine Arbeitsangebote unterbreiten ?

Warum soll ich über ein halbes Jahr (2015 war es der 11 Juli) für andere Menschen arbeiten, während die über Jahre "Halli-Galli" machen ?!

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