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La Paloma am Canale Grande

Die jungen Teams beim Flößerstechen haben die Gunst der Zuschauer auf ihrer Seite. Am Ende muss einer ins kalte Wasser. Auf diesem Foto hat Pirat Sören (l.) gut lachen.
Die jungen Teams beim Flößerstechen haben die Gunst der Zuschauer auf ihrer Seite. Am Ende muss einer ins kalte Wasser. Auf diesem Foto hat Pirat Sören (l.) gut lachen. © Foto: Matthias Wagner
Matthias Wagner / 02.05.2016, 07:50 Uhr
Eberswalde (maw) Maritime Fanfare, Solarboote, Flößerstechen, Shantys, Blues und die Eröffnung der Schleusensaison - das sind die Höhepunkte des Hafenfestes an der Stadtpromenade gewesen. Die zweite Auflage der Veranstaltung hat am Sonnabend viele Besucher an den Finowkanal gelockt.

Denkt man an den alten Seemannstango "La Paloma", fällt vielen sicher Hans Albers ein, der "Blonde Hans". Am Sonnabend jedoch hat Steffen "Schortie" Scheumann das Lied auf der Trompete zum Erklingen gebracht. Der Schauspieler gab damit gleichsam den Startschuss zum zweiten Eberswalder Hafenfest am Finowkanal.

Im Anschluss gab es eine kleine Vorführung neuer Bootsmodelle durch den Solarbootverein Berlin-Brandenburg, bevor die diesjährige Schleusensaison feierlich eröffnet wurde. Mit dabei: Eberswaldes Bürgermeister und Vorsitzender der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Region Finowkanal, Friedhelm Boginski, der Leiter des Wasserstraßenamtes Eberswalde, Peter Münch, und Hartmut Ginnow-Merkert, Vorsitzender des Vereins "Unser Finowkanal". "Wir alle stehen für den Finowkanal und so was Schönes darf auch was kosten", hob Boginski hervor.

Auf Einladung war ebenfalls eine Delegation aus dem befreundeten Bydgoszcz/Bromberg in Polen gekommen. Grzegorz Boron, Leiter der dortigen Abteilung für Integrierte Entwicklung, zeigte sich sehr interessiert am Fall Eberswalde. Man habe in Bydgoszcz einen vergleichbaren Kanal und könne so viele Anregungen austauschen, erklärte der Verwaltungsmitarbeiter.

Am frühen Nachmittag stellte sich der Finowfurter Flößerverein farbenprächtig vor. Bei einem stimmungsgeladenen "Flößerstechen" wurde im Anschluss der Flößer mit der größten Standfestigkeit ermittelt.

Das Flößer- und Fischerstechen gibt es in vielen Gemeinden Deutschlands. Die Wettkampfflöße sind jeweils mit zwei Personen besetzt. Die vordere Person trägt eine vier Meter lange Stange, die vorn mit einem gepolsterten Boxhandschuh versehen ist. Die hintere Person stakt oder paddelt und steuert das Floß auf den Gegner zu. Sieger ist, wer den Gegner aus dem Gleichgewicht bringt und ihm zu einem Bad im Finowkanal verhilft. Mit den Stangen darf nicht geschlagen oder gestoßen und nur auf den Brustkorb gezielt werden.

Vier Zweiermannschaften mit so klangvollen Namen wie "Entern statt Kentern", "Slow Motion", "The Crew" und "Nie gib auf" begaben sich auf die schwankenden Stämme bei circa zehn Grad Wassertemperatur. Am Ende gab es drei erste und einen zweiten Platz. Die zum Stechen benötigten Flöße waren im Vorfeld der Veranstaltung in Finowfurt gebaut und vom Schlepper "Aurora" nach Eberswalde gezogen worden. Das historische Schiff stand am Sonnabend auch für Rundfahrten zur Verfügung.

Beim maritimen Programm mit Finowfurter Fritz Derkow durfte natürlich die Finowkanalhymne "Canale Grande" nicht fehlen. Der frühere Musiklehrer griff beseelt in die Tasten seines Akkordeons und brachte die Gäste zum Schunkeln. Ein Shanty-Chor ließ eine musikalische Meeresbrise über die Uferpromenade wehen und am späten Nachmittag heizten die Schwärzefüße den Besuchern an der Wasserstraße zusätzlich ein.

"Angesichts der Geschichte haben wir die Verpflichtung, der nächsten Generation einen intakten Finowkanal zu übergeben", meinte Hartmut Ginnow-Merkert vom Verein "Unser Finowkanal". Der setzt sich für den Erhalt der ältesten künstlichen Wasserstraße Nordeuropas ein, insbesondere für den Betrieb der Schleusen und die daraus folgende Schiffbarkeit, den Werterhalt der historischen Baudenkmale aus der Pionierzeit der Industrialisierung und die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure. Vor diesem Hintergrund soll das Hafenfest gleichsam eine erlebnisreiche Werbung für die alte Wasserader sein. Die Organisatoren zeigten sich mit dem gelungenen Tag jedenfalls sehr zufrieden.

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