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Kritik an neuer Gesellschaft für Asylberatung geht weiter

Burkhard Keeve / 03.05.2016, 21:24 Uhr - Aktualisiert 04.05.2016, 04:47
Oberhavel (bu/til) Die "Giso" ist mit der Fraktion Grüne/Piraten nicht zu machen. Schon vor der Kreistagssitzung an diesem Mittwoch macht die Fraktion deutlich, dass sie die geplante Tochtergesellschaft der Oberhavel-Kliniken, die künftig Flüchtlinge beraten soll, ablehnen wird. "Warum werden nicht erfahrene Akteure dafür gewonnen, die es im Kreis bereits gibt, wie die Kirche und andere freie Träger, die im Stoff stehen?", fragt Fraktionschef Thomas von Gizycki. "Warum muss das jetzt so schnell durch den Kreistag gepeitscht werden? Wir kennen das Konzept doch noch gar nicht."

Ähnlich sieht das auch die Initiative "Willkommen in Oberhavel". Sie wundert sich in einem Schreiben an die Kreistagsabgeordneten über das "Eiltempo", mit der die neuen Beratungs- und Betreuungsaufgaben an die "Giso" übertragen werden sollen. Die Willkommensinitiative verweist darauf, dass das Land, das brandenburgweit 54 Stellen im Bereich der Migrationsarbeit finanziert, noch keine qualitativen Anforderungen an die Arbeit der Berater gestellt hat. "Die dazugehörigen Verordnungen befinden sich noch im Abstimmungsprozess. Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass in Oberhavel bereits künftige Trägerstrukturen geschaffen werden sollen", so die Initiative. 4,5 der 54 Stellen werden dem Landkreis wahrscheinlich zur Verfügung stehen. In den Fachausschüssen des Kreistages waren auch Zweifel an der Neutralität der "Giso"-Berater geäußert worden. Kritiker befürchten, dass Mitarbeiter einer kreiseigenen Gesellschaft ausländerrechtliche Entscheidungen des Landkreises im Sinne der Flüchtlinge nicht in Frage stellen werden.

Hoffnung auf die vom Land finanzierten Stellen hatten sich auch freie Träger gemacht. Unter anderem bieten der evangelische Kirchenkreis, das Deutsche Rote Kreuz und die Hoffnungstaler Anstalten unabhängige Beratungen an. "Wir sind schon enttäuscht, dass der Kreis nun alle Stellen für seine eigene Gesellschaft beansprucht", sagt eine Flüchtlingsberaterin, die auch auf die langjährige Erfahrung der freien Träger verweist. Während sich der Kreis die Stellen vom Land bezahlen lasse, müssten die freien Träger mitunter einen Großteil der Kosten aus eigenen Mitteln bestreiten, so die Kritik.

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