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Giftige Doppelgänger

Mario Gohmert hat diesen stattlichen Schuppigen Porling in diesen Tagen gefunden. Bei dem Pilz handelt es sich um einen Parasiten, der in dieser Größe selten ist.
Mario Gohmert hat diesen stattlichen Schuppigen Porling in diesen Tagen gefunden. Bei dem Pilz handelt es sich um einen Parasiten, der in dieser Größe selten ist. © Foto: privat
Olav Schröder / 05.05.2016, 08:00 Uhr
Bernau (MOZ) Die Frühjahrspilzsaison hat begonnen. In den nächsten Tagen werden daher vermehrt Pilzsammler in den Barnimer Wäldern unterwegs sein. Seit 2015 hat Bernau wieder einen ehrenamtlichen Pilzsachverständigen, der darüber aufklärt, ob ein Fund eßbar, ungenießbar oder giftig ist.

"Die zurückliegenden feuchten Monate waren für das Pilzwachstum äußerst günstig", sagt der Pilzsachverständige Mario Gohmert. "Die Saison ist in vollem Gang. Und wenn der Sommer nicht zu trocken wird, bekommen wir insgesamt ein gutes Pilzjahr."

Zu den Frühjahrspilzen gehören insbesondere die Morcheln, ob nun als Spitz-, Käppchen- oder Speisemorcheln. "Was viele gar nicht bemerken: Die Spitzmorcheln wachsen oft auf dem Rindenmulch in ihrem Garten", sagt Gohmert. Dabei handele es sich bei ihnen um ausgesprochen delikate Pilze. Der eine oder andere ordne sie geschmacklich sogar in Trüffel-Nähe ein.

Allerdings lauern auch bei dieser Sorte schon Verwechslungsgefahren. Die Frühjahrslorchel heißt nicht nur ähnlich, sondern sieht auch fast wie eine Morchel aus. Und da das Gift dieses Doppelgängers tödlich sein kann, kursiert er auch als Giftlorchel.

Damit aber noch nicht genug. "Wie fast alle Speisepilze sind auch die Morcheln im rohen Zustand giftig", sagt Gohmert. Nicht immer droht gleich der Extremfall, aber massive Erkrankungen, die den Einsatz des Arztes unausweichlich machen, sind bei rohem Verzehr nie auszuschließen. "Dagegen hilft nur ordentliches Durchgaren". Fünf Minuten erhitzen sei zu wenig.

Erste Butterpilze hat Mario Gohmert schon entdeckt. Und auch Mairitterlinge lassen sich bereits sehen. Aber auch dieser Speisepilz hat seine gefährlichen Doppelgänger, den stark giftigen Ziegelroten Risspilz sowie den giftigen Riesen-Rötling.

Im Zweifelsfall rät Gohmert, lieber einen Pilz stehen zu lassen. "Es gibt immer noch zu viele Pilzvergiftungen", sagt er. Ist der unsichere Fund bereits im Korb, sollte auf jeden Fall die kostenlose, da ehrenamtliche Pilzberatung angerufen werden. Am besten sei es, den zu begutachtenden Kandidat unverändert zu belassen, um Erkennungsmerkmale nicht zu beseitigen.

Noch ein Tipp: Die Entscheidung, ob ein Exemplar giftig ist oder nicht, sollte nie nach Fotos getroffen werden. Dafür ist das Erscheinungsbild der Pilze in der Natur zu vielfältig. Bilder könnten nur Anhaltspunkte liefern.

Ehrenamtliche Pilzberatung Mario Gohmert : 0174 9454241; Notruf Berlin/Brandenburg bei Verdacht auf Pilz- und anderen Vergiftungen: 030 19240

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