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Willkommen in Oderberg

Vier Flüchtlinge spielen Tischkicker.
Vier Flüchtlinge spielen Tischkicker. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 06.05.2016, 07:50 Uhr
Oderberg (MOZ) Vor knapp einem Jahr war das Flüchtlingsheim eröffnet worden. Trotz aller Proteste und massiven Widerstandes der Oderberger. Heute gibt es eine Willkommensinitiative in der Kleinstadt sowie Patenschaften. Und das EJF, das die Einrichtung betreibt, ist stolz auf das Miteinander. MOZ sah sich an der Hermann-Seidel-Straße um.

Freitag, 11 Uhr, im Übergangswohnheim: Auf dem Hof ist es ruhig. Nur ein junger Mann steht vor der Tür, raucht. Auch auf den Fluren herrscht beinahe Stille. Und dennoch gibt es so etwas wie rege Betriebsamkeit. Aus den Waschmaschinenräumen dringt das Geräusch ratternder Geräte. In den Küchen sind die ersten Bewohner dabei, Mittagessen zuzubereiten. Auf dem Familienflur huschen spielende Kinder über den Korridor, sind per Roller oder Dreirad unterwegs.

Auffällig: Überall kleben große Signets - Rauch- und Trinkverbot im Haus. Zeiten für die Nutzung von Küche und Waschküche. Nachtruhe. Die Hausordnung hängt aus - in Deutsch und in Arabisch. Klare Regeln. Die müssen sein, erklärt Heimleiterin Nicole Hampel sogleich. Zum einen wegen der Familien mit kleinen Kindern. "Da können nicht Mitternacht noch Waschmaschinen laufen", so die Sozialarbeiterin. Zum anderen, um die Bewohner an deutsche Gepflogenheiten, an den hiesigen Alltag zu gewöhnen. Funktioniert dies? Zum großen Teil ja, sagt die Leiterin.

Der Träger, das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk EJF, setzt gewissermaßen auf Hilfe zur Selbsthilfe und auf Selbstverwaltung. "Die Einteilung zum Küchendienst zum Beispiel machen die Bewohner in Eigenregie", zeigt Hampel auf die Reinigungspläne. Freitags gebe es auf freiwilliger Basis eine Art Zimmerkontrolle. Seit Kurzem komme ein-, zweimal pro Woche eine Hygienemanagerin in die Einrichtung: Beatrix Weber. "Sie leitet die Bewohner an. Seither gibt es eigentlich keine Probleme mehr in puncto Ordnung und Sauberkeit." Überhaupt sei die Atmosphäre entspannt.

Schwierigkeiten bereite naturgemäß der deutsche Alltag, der Lebensrhythmus. "Aber einige Bewohner arbeiten beim Verein ,Kolibri' hier in Oderberg, haben dort einen Ein-Euro-Job oder helfen", berichtet Hampel. Die müssten freilich früh raus.

Aktuell leben 77 Asylbewerber und Flüchtlinge im Heim - bei 80 Plätzen. Darunter fünf Familien mit insgesamt 13 Kindern. Die Bewohner kommen vor allem aus Syrien, Eritrea, Pakistan, Albanien, Somalia und dem Tschad. Die Kinder besuchen - je nach Alter - die Grundschule Oderberg bzw. die weiterführenden Schulen in Eberswalde. Die medizinische Betreuung hat Dr. Amin Ballouz aus Schwedt übernommen. Für die Bewohner aus Syrien, Eritrea sowie dem Iran und dem Irak gebe es Deutschkurse. Für alle anderen Sprachangebote, die beispielsweise durch Ehrenamtler abgesichert werden.

Khaled Abou Rashed hingegen hat sich die deutsche Sprache selbst beigebracht. "Er lernt nachts am Küchentisch", erzählt Hampel voller Anerkennung. Wegen ungeklärter Nationalität war ihm ein Kurs verwehrt. Inzwischen wurden ihm und seiner Familie aber die "Flüchtlingseigenschaft" zuerkannt. Khaled wird in Kürze das Heim verlassen. "Wir gehen nach Hamburg", sagt er. Dort leben seine Mutter und Geschwister.

Auch Belal Sheik Die und Hussein Walid, die beiden Syrer teilen sich ein Zimmer, müssen sich demnächst auf Wohnungssuche machen. "Sie haben ebenfalls kürzlich den Bescheid erhalten", so Hampel. Ihr Status ist damit geklärt. "Sie dürfen drei Jahre bleiben und arbeiten." Die Heimleiterin verspricht zu helfen. Ihnen zumindest das Procedere zu erklären, die Angebote im Internet zu zeigen.

Apropos Netz: "Das ist eigentliche der größte Wunsch der Bewohner, WLAN", weiß Hampel. Und funktionstüchtige Fahrräder. Etliche Drahtesel wurden bereits gespendet und repariert. Aber der Bedarf sei einfach groß. Mit dem Jugendklub und den Sportvereinen gebe es eine sehr gute Zusammenarbeit. Mittwochs und freitags fahren Jungs etwa mit Kickers nach Lunow zum Fußballtraining. "Die Bewohner sind sehr dankbar."

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