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Bürgerbus für mehrere Orte

Inga Dreyer / 07.05.2016, 08:00 Uhr
Biesenthal (MOZ) Prognosen sagen: Im Jahr 2030 werden rund 50 Prozent mehr ältere Menschen im Amt Biesenthal-Barnim leben als heute. Grund genug, sich auf die Situation vorzubereiten. Eine Umfrage im Amt zeigt: Vor allem beim Verkehr und der medizinischen Versorgung sehen die Bürger schon jetzt Defizite.

Wenn Sorgen in der Luft liegen, ist das in der Verwaltung spürbar, aber schwer messbar. "Wir haben gemerkt, dass Probleme da waren. Aber wir konnten nie sagen: ,Was denkt die breite Masse?'", erklärt Amtsdirektor André Nedlin. Die Verwaltung rief deshalb Ende letzten Jahres zu einer Umfrage unter den Bewohnern des Amtes Biesenthal-Barnim auf. Im Mittelpunkt standen dabei die Bereiche Nahverkehr, Gesundsheitswesen und Nahversorgung sowie Lebensmittel. Inzwischen sind 56 Antworten bei der Verwaltung eingetrudelt - die meisten davon aus Biesenthal, einige auch aus Rüdnitz, Breydin, Melchow, Marienwerder und Sydower Fließ. Bei 12000 Einwohnern habe er auf mehr Rückmeldungen gehofft, gibt der Amtsdirektor zu. Aber die Ergebnisse geben zumindest Anhaltspunkte, an welchen Stellen es hakt.

Besonders der Bereich des öffentlichen Nahverkehrs steht demnach in der Kritik. Mehr als die Hälfte der Antwortenden findet, dass die Verkehrsanbindungen unzureichend sind. Fast 40 Prozent sehen die mangelnde ärztliche Versorgung als Problem an.

Interessant sei, dass der Bereich der Nahversorgung mit Lebensmitteln keine so große Rolle spiele, sagt André Nedlin. Kürzlich wurde in Rüdnitz heftig über die Schließung des Lebensmittelladens diskutiert, doch trotzdem: "Da haben wir im Moment nicht das größte Problem", sagt Nedlin. Denn Biesenthal sei mit Läden gut bestückt und viele Einwohner kleinerer Orte seien so mobil, dass sie in umliegenden Städten einkaufen können.

Was den Nahverkehr betrifft, sieht das Amt jedoch Handlungsbedarf. Viele Biesenthaler würden sich wünschen, dass die Regionalbahn häufiger und direkt bis zum Berliner Hauptbahnhof fährt. Im Moment würden viele Pendler mit dem Auto nach Bernau fahren, um die Umsteigezeit einzusparen. Darüber soll geredet werden. "Der Kontakt mit dem VBB ist da", versichert der Amtsdirektor.

Ein weiteres Problem ist der fast fünf Kilometer lange Weg vom Zentrum Biesenthals zum Bahnhof. Die Stadtverordnetenversammlung hat deshalb beschlossen, die Einführung eines Bürgerbusses zu prüfen. Als eine Art Rufbussystem könnte das Angebot durch Ehrenamtliche gestützt werden, erklärt André Nedlin. Ihm schwebt vor, dabei aber nicht nur die Stadt Biesenthal, sondern den gesamten Amtsbereich einzubeziehen, um das Angebot außerhalb des Schulbusverkehrs zu verbessern. Da gehe es beispielsweise um die Frage, wie ältere Menschen Einkaufsmöglichkeiten im nächstgelegenen Ort erreichen können. Die Verwaltung prüfe die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für ein solches Projekt. Dabei will das Amt auf benachbarte Nachbargemeinden wie Schorfheide zugehen, die ähnliche Ideen haben.

Ein Bereich, der heute schon vielen Menschen Sorgen bereitet, ist die ärztliche Versorgung. Da stehe das Amt oft außen vor, sagt André Nedlin. Schließlich ist die Ärzteversorgung nichts, worauf die Kommunalpolitik direkten Einfluss hat.

Nun aber sucht die Amtsverwaltung den Kontakt zur Kassenärztlichen Vereinigung und zu den Krankenkassen. Geprüft werden soll, wann mit welchen Praxisschließungen zu rechnen ist. Das heißt: Wann sich wo welcher Handlungsbedarf auftut.

Als Lösungsmöglichkeit sei beispielsweise ein Schwester-Agnes-Modell im Gespräch. Bei diesem traditionellen Modell unterstützen speziell ausgebildete Krankenpfleger und -pflegerinnen die Arbeit von Allgemeinärzten.

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