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Insel der Pflanzen-Vielfalt

Tomaten der anderen Art: Ute Boekholt, Nico Kierstein, Carsten und Petra Schween sowie Antje Kierstein (v.l.) beim Tag der offenen Tür in der Alten Gärtnerei Alt Rosenthal. Der Verein widmet sich seit Jahren dem Erhalt alter Kulturpflanzen, findet mittler
Tomaten der anderen Art: Ute Boekholt, Nico Kierstein, Carsten und Petra Schween sowie Antje Kierstein (v.l.) beim Tag der offenen Tür in der Alten Gärtnerei Alt Rosenthal. Der Verein widmet sich seit Jahren dem Erhalt alter Kulturpflanzen, findet mittler © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 08.05.2016, 22:11 Uhr
Alt Rosenthal (MOZ) Seit zehn Jahren wirkt der Verein Alte Gärtnerei Alt Rosenthal für den Erhalt alter Kulturpflanzen. Die Akzeptanz der Gärtner wächst von Jahr zu Jahr. Das zeigte einmal mehr der traditionelle Tag der offenen Tür zum Start der neuen Gartensaison am Sonnabend.

Die Namen klingen zum Teil exotisch: Pernauer Flasche, Persimon, Kariolle, Blanc Prince. Die meisten Kleingärtner nennen beim Stichwort Tomaten "Harzfeuer". Ja, auch die gibt es bei Ute Boekholt in der Alten Gärtnerei. Aber auch diese gängige Pflanze ist bei ihr etwas anders gezüchtet als die in großen Märkten erhältliche. Petra und Carsten Schween aus Manschnow haben einige der Exoten in ihre Kiste gestellt, dazu auch ein paar Paprika-Pflanzen. "Wir haben in der Zeitung gelesen, dass die Alt Rosenthaler alte Sorten pflegen", erzählt Petra Schween. Sie wollen nun selbst einmal testen, wie die Früchte dieser alten Sorten schmecken. "Vor allem wünschen wir uns Tomaten, die nicht sofort von der Braunfäule befallen werden." Ein Aspekt, den Ute Bokholt an diesem Sonnabend immer wieder hört. "Die meisten gießen sich die Braunfäule selbst", weiß sie. "Tomaten mögen keine nassen Füße und sie sollten weit genug auseinander stehen." Die Alt Rosenthalerin pflanzt ihre im Freiland grundsätzlich schräg ein. Im unteren Stielbereich würden die Pflanzen viele Wurzeln bilden. "Wenn man sie am Anfang drei Mal gießt, brauchen sie durch das breite Wurzelwerk dann fast kein Wasser mehr", so ihr Tipp.

Am Ende der Saison würden allerdings fast alle Tomatenpflanzen irgendwann die Braunfäule bekommen, weiß die Öko-Gärtnerin. Man könne den Prozess aber deutlich verlangsamen. Mehr als 20 verschiedenen Pflanzensorten hat sie im Angebot, von Cocktail- über Busch- bis hin zu Orangen-Tomaten. Alle sind in Alt Rosenthal herangewachsen.

"Was hier aufgezogen wird, ist deutlich robuster als Ware aus dem Großmarkt. Zudem schmecken die Früchte besser und sind gesünder", versichert Nico Kierstein. Er ist viel auf Märkten unterwegs und hat in den letzten Jahren einen Wandel beobachtet. Immer mehr Kunden würden bewusster kaufen und auch nachfragen. "Zu Anfang waren gerade die Älteren skeptisch", erzählt er. Sie hätten auf ihre gewohnten Sorten vertraut. Viel Erklärungs- und Überzeugungsarbeit habe er leisten müssen, ehe sie mal die alten Sorten getestet haben. "Inzwischen gehören sie zu den größten Fans, warten auf die Pflanzen und später auf die Früchte", freut sich der Gärtner. Das gelte nicht nur für Tomaten, sondern auch für andere Gemüse- und Nutzpflanzen. Insgesamt knapp 80 verschiedenen Jungpflanzen sind an diesem Tag im Angebot. Hinzu kommen viele Sämereien. Antje Kierstein komplettiert das Angebot mit allerlei Kräutern und Wildpflanzen. Den Samen-Grundstock haben sich die Alt Rosenthaler über den Verein zur Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt beschafft. Sie sehen es als kleinen Beitrag, etwas für die Artenvielfalt zu tun. "Die Zahl der Blühpflanzen ist hierzulande um 70 Prozent zurück gegangen", erklärt Ute Boekholt.

So züchten die Gärtner mittlerweile auch Pflanzen, die es in der Natur kaum noch gibt, wie etwa Herzgespann (Verwendung in der Heilkunde - bei Herzproblemen) oder Kornraden (Heilpflanze). Einen Pflanzen-Name indes gibt es nur in Alt Rosenthal: Die Tomate "Kariolle" hatte beim Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt nur eine Nummer. Als Referenz an den Alt Rosenthaler Chor bekam die Tomate, deren Früchte sehr schmackhaft sein sollen, ihren ganz individuellen Namen.

Gärtnerei Alt Rosenthal, geöffnet Mi und Sa 10 bis 17 Uhr, Infos zu alten Sorten im Internet unter www.nutzpflanzenvielfalt.de, Tel. 015784496984

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