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Gemeinsame Arbeit am Schulgarten

Ein vielfaches Danke: Kinder und Lehrer an der kleinen Dorfschule freuen sich über die Unterstützung aus Deutschland. Neben den Aktivisten vom OSZ selbst haben sich auch die katholische Gemeinde Strausberg/Petershagen sowie Grundschüler aus Eggersdorf und
Ein vielfaches Danke: Kinder und Lehrer an der kleinen Dorfschule freuen sich über die Unterstützung aus Deutschland. Neben den Aktivisten vom OSZ selbst haben sich auch die katholische Gemeinde Strausberg/Petershagen sowie Grundschüler aus Eggersdorf und © Foto: Melanie Mechler
Thomas Berger / 09.05.2016, 06:00 Uhr - Aktualisiert 09.05.2016, 18:44
Strausberg (MOZ) Kürzlich ist eine Gruppe vom Senegal-Projekt des Oberstufenzentrums von einer dreiwöchigen Begegnungsreise aus dem westafrikanischen Staat heimgekehrt. Im Mittelpunkt des vielfältigen Programms stand diesmal das gemeinsame Anlegen eines Schulgartens.

"Es war irgendwie alles besonders, gab zunächst fast nichts, was nach unseren Maßstäben alltäglich war", sagt Lena Bäcker, mit 17 die Jüngste aus der Gruppe. Schon Dakar, die Hauptstadt und eine der namhaftesten Metropolen des afrikanischen Kontinents, erforderte in mancher Hinsicht eine Umstellung. Doch beeindruckt waren die Jugendlichen vor allem von der Haupt-Reisestation, dem Ort des Arbeitseinsatzes. Das Dorf Windouthiolaye mit der Grundschule Ecole Latir Diouf liegt mitten in der Savanne.

Eine Siedlung mit nur ein paar Dutzend Häusern, die über die weitläufige Landschaft verstreut sind, wie Vereinsvorsitzende Melanie Mechler erklärt, die gemeinsam mit Lehrer Emanuel Kaboré - der am OSZ unter anderem auch den Seminarkurs Afrika betreut - die Gruppe leitete. Ohne Stromanschluss, ohne weitere Infrastruktur wie zum Beispiel eine Gesundheitsstation. Und dann die mit deutscher Hilfe vor wenigen Jahren aufgebaute Schule, wo 85 Kinder von drei Lehrern unterrichtet werden. Dass es seit 2015 immerhin einen Brunnen gibt, war die Voraussetzung dafür, das aktuelle Projekt planen zu können. Denn ohne ständige Pflege - vor allem Gießen -, die die Schüler nun sicherstellen, würde in der wasserarmen Gegend alles schnell verdorren.

"Vieles war Improvisation, aber das war gar nicht schlimm", erzählt Lena über das Arbeiten. Die passenden Gerätschaften gab es nur zum Teil, also wurden Mauern auch schon mal per Hand oder unter Zuhilfenahme von Flip-Flops statt fehlender Maurerkellen verputzt. Auch Bretter mussten ohne solches Werkzeug, wie man es hierzulande kennt, zugeschnitten werden. Der Einsatzwillen aller Beteiligten kannte dafür keine Grenzen: "Auch die Kinder haben sich mit großem Eifer in die Arbeit gestürzt", berichtet Yvonne Bollig (21). Gut halb fertig bei Ankunft der deutschen Gruppe war bereits der Zaun, der den nunmehrigen Schulgarten abgrenzt. Ein sehr notwendiges Element, erläutert Melanie Mechler - schließlich leben die Menschen in der Region stark von der Viehzucht, würde sonst schnell mal eine 200-köpfige Rinderherde über das Areal hinwegziehen und die jungen Pflanzen abfressen. Dem Boden erst einmal Beete mit aufgelockertem Erdreich abzuringen, war - zumal bei tagsüber oft 35 Grad - schon ein gehöriges Stück Arbeit. Das Gemüse, das dort angebaut wird, soll die derzeit vor allem auf Hirse basierende Essensversorgung der Schulkinder aus hauseigener Quelle bereichern. Für Salate und Jungpflanzen wurden Hochbeete angelegt, gepflanzte Bäume sollen schon in wenigen Jahren Schatten spenden.

Untergebracht waren die jungen Brandenburger in einem nur sieben Kilometer entfernten Ort, der gefühlt aber bereits zu einer anderen Welt gehört, einem eher touristisch geprägten Landstrich. Zur Beförderung diente ein Bus, mit dem auch das Material transportiert wurde. Für die Ausflüge wiederum wurden noch so viele Kinder mitgenommen, wie ergänzend Platz hatten - für viele davon war es die erste Tour über die Grenzen des Heimatdorfes hinaus, der erste Besuch in der nächstgelegenen Stadt oder am Meer: "Anfangs hatten sie dort sogar etwas Angst, sind am Ende aber doch ganz begeistert in die Wellen gesprungen", kann sich Lena noch bestens erinnern.

Die Verständigung, merkt Yvonne an, erfolgte in einem Mix aus mehreren Sprachen. "Dass wir mehrere Deutsch-Studenten aus Dakar dabei hatten, war eine gute Hilfe", ergänzt Jenny Harajon (19). Denn nicht nur bei den deutschen Jugendlichen waren die Französischkenntnisse teils sehr begrenzt. Auch in der ländlichen Gegend sprechen nur wenige die sonst im Land - neben 30 lokalen - noch verbreitete Sprache der ehemaligen Kolonialherren. Mit dem Essen gab es trotz völlig andersartiger Gerichte aber keine Probleme, sind sich im Nachgang alle einig. Auf dem Dorf, wo ein paar Frauen für die Gruppe kochten, gab es richtig traditionelle senegalesische Küche. Hendrik Jacobs, vierter der OSZ-Neulinge, war sogar beim Schlachten einer Ziege dabei. Komplettiert wurde die Gruppe übrigens durch den mittlerweile in Dresden studierenden Enrico Pauli, der schon vom Projekt 2011 Erfahrungen hatte.

Nicht nur im Unterricht erstatten die Heimkehrer jetzt Bericht. Eine Aktion für ein breiteres Publikum steht demnächst in der Aula an. Zudem geht es mit Impressionen und Bildern an die katholische Gemeinde Strausberg/Petershagen, die sich ebenso mit Spenden einbrachte wie die Grundschulen in Eggersdorf und Rehfelde, listet Melanie Mechler die diversen Unterstützer auf.

Einweihung des gemeinsam erstellten Schulgartens war dann zu Ostern. Die senegalesischen Schüler und Familien gestalteten ein buntes Programm, die Deutschen hatten nebenbei extra für jedes der Kinder ein bemaltes Osterei vorbereitet.

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