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Eberswalder Hobby-Astronomen feiern trotz missglückter Merkur-Beobachtung gut gelaunt ihr Zehnjähriges

Jubiläum ohne Spektakel

Anna Fastabend / 10.05.2016, 20:15 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Sternenfreunde aus Eberswalde haben bescheiden angefangen. Im Mai vor zehn Jahren guckten sie noch vom Boden aus in den Nachthimmel. Seit fünf Jahren thront ihre schmucke Sternwarte auf dem Dach einer Schule. Am Tag des Merkurs feiern sie beide Jubiläen.

Es ist verflixt. Pünktlich zum Beginn der Jubiläumsfeier hat sich eine dicke, fette Wolke vor die Sonne geschoben, obwohl der Merkur anlässlich dieses Feiertages eine kleine Extrarunde vor der Sonnenscheibe drehen möchte. Nein. Es ist natürlich andersherum. Die Sternenfreunde haben ihre kleine Feier bewusst auf diesen Montag gelegt. Denn ein solcher Merkurtransit ist ein seltenes Naturschauspiel, das nur alle drei bis elf Jahre vorkommt, das nächste Mal im November 2019. Dieses Himmelsspektakel bietet den perfekten Anlass für eine kleine Sektparty auf der Dachterrasse der Karl-Sellheim-Schule.

Den Sternen so nah befindet sich dort seit fünf Jahren die, wie Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) bei seiner kleinen Ansprache betont, einzige öffentlich zugängliche Einrichtung dieser Art im Landkreis. Auf ihre Sternwarte sind die Eberswalder so stolz, dass sie ihr den Namen eines bedeutsamen Sternenfahrers gegeben haben: Sigmund Jähn. Er war der erste deutsche Kosmonaut im Weltraum.

Bis sich das Wolkenungetüm verflüchtigt, erinnert Michael Fietz, stellvertretender Vorsitzender der Eberswalder Sternenfreunde, an die Anfänge des momentan zwölfköpfigen Vereins. "Heute vor zehn Jahren wurde noch vor der Schusterwerkstatt gehockt", beginnt er. Damals trafen sich die Hobby-Astronomen regelmäßig im Familiengarten und guckten mit ihren privaten Fernrohren in den Himmel. Doch die Voraussetzungen zur Gewinnung astronomischer Erkenntnisse waren suboptimal. Vor allem in den dunklen und kälteren Monaten, die sich gut zum Betrachten der Milchstraße eignen, kroch ihnen die Feuchtigkeit die Beine hinauf. Und statt des Mondes sahen sie durch ihre Objektive nur den hell erleuchteten Sparkassen-Werbe-Würfel vom Eberkran baumeln.

Doch die Sternengucker hielten durch. Bis sich fünf Jahre später eine einmalige Gelegenheit für sie ergab. Als ein Flügel der Karl-Sellheim-Schule umgebaut wurde, bekam der Verein auf dessen Dach die mehrere Tausend Euro teure Sternwarte gesponsert. Unter der aufklappbaren Kuppel befinden sich drei Spezial-Fernrohre, mit deren Hilfe man Sterne, Planeten und ferne Galaxien beobachten oder durch die Verbindung mit einer Spiegelreflexkamera fotografieren kann. Die Sparkasse Barnim und der Landkreis unterstützten das Vorhaben. Natürlich hatte auch Schulleiterin Petra Ziegenhagen ein Wörtchen mitzureden. Sie war von Anfang an begeistert. Schließlich gibt es nicht viele Schulen mit direkter Verbindung zum glitzernden Himmelszelt.

"In Jahrgang Zehn beschäftigen sich unsere Schüler mit Astronomie und steigen zur Sternwarte hinauf. Sie sind immer sehr fasziniert", berichtet die Direktorin. Und zur jüngsten partiellen Sonnenfinsternis hätten die Schüler Schlange gestanden, um zum Fernrohr zu gelangen - mit außerschulischen Besuchern waren es ganze 300 Besucher an dem Tag.

Der Verein will die Faszination für Astronomie wecken, berichtet Michael Fietz, der schon als kleines Kind mit selbst gebastelten Fernrohren den Sternen auf die Spur kommen wollte. Leider stehe diese uralte Wissenschaft eigentlich nicht mehr auf dem Lehrplan, bedauert er. "Dabei ist das Verständnis des Universums doch wichtig für das Verstehen unserer Existenz." Ihre Sternwarte sei schon von etlichen Schulklassen besucht worden. Zudem gebe es pro Jahr drei bis fünf Vorträge über aktuelle Erkenntnisse oder Weltraumexpeditionen.

An diesem Abend sind die Sterne den Hobby-Astronomen jedoch nicht wohlgesonnen. Die dicke, fette Wolke bleibt, wo sie ist, bis die Sonne hinter den Baumwipfeln verschwunden ist. Nun heißt es, warten, bis der Merkur sich erneut die Ehre gibt. Das macht aber nichts, denn warten sind Astronomen von Haus aus gewohnt, sagt Fietz.

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