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Kämpfen mit Kochzangen

Spaßkampf: Anh (10, l.) und Victoria (11) machen beim Theaterprojekt "Lieblingsessen überall" im Kulturverein Exil mit. Zwölf Teilnehmerinnen aus verschiedenen Ländern erfahren übers gemeinsame Kochen und Improvisieren mehr voneinander.
Spaßkampf: Anh (10, l.) und Victoria (11) machen beim Theaterprojekt "Lieblingsessen überall" im Kulturverein Exil mit. Zwölf Teilnehmerinnen aus verschiedenen Ländern erfahren übers gemeinsame Kochen und Improvisieren mehr voneinander. © Foto: Anna Fastabend
Anna Fastabend / 14.05.2016, 06:40 Uhr
Eberswalde (MOZ) Beim Theaterprojekt "Lieblingsessen überall" erhalten zwölf Mädchen aus sechs Ländern über das Thema "Gerichte" Zugang zu den Kulturen ihrer Mitstreiterinnen. Unter der Leitung der Initiatoren Swantje Henke und Anna Siegenthaler wird gekocht, gekämpft und gelacht.

Wer keine Ahnung von diesen Dingen hat, würde jetzt behaupten: Ist doch klar, dass bei einem Theaterprojekt, das "Lieblingsessen überall" heißt, ausschließlich Mädchen mitmachen. Tatsächlich war das aber nicht so geplant, berichten die Projektleiterinnen Swantje Henke und Anna Siegenthaler. Bei dem Theaterworkshop, der an der Grundschule Finow startete und mittlerweile im Kulturverein Exil fortgeführt wird, hatte sich nur ein Junge angemeldet. Der kam nach dem ersten Treffen nicht mehr. Die Mädchen blieben unter sich. Das macht ihnen aber überhaupt nichts. Im Gegenteil.

"Ohne die Jungs macht es einfach mehr Spaß", erklären sie. Henke weiß aus Erfahrung, dass Mädchen und Jungs dieses Alters oft gern unter sich blieben. Ein Grund: Jungs interessierten sich erst später fürs Kochen. "Außerdem dominieren Mädchen häufig beim Theaterspielen. Sie können sich besser ausdrücken und darstellen."

Seit den Osterferien sind auch Flüchtlingskinder dabei. Die Theatergruppe besteht aus zwölf Mädels zwischen elf und 14 Jahren. Sie ist bunt gemischt. Die Mädchen kommen aus Deutschland, dem Kosovo, Russland, Syrien, Tschetschenien und Vietnam. Eine wilde Truppe, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzt. Stillsitzen fällt schwer, zuhören auch. Da trifft die pinkfarbene Haarsträhne auf abgewetzte Fußballschuhe. Diese Mädchen lassen sich mit Sicherheit nicht in die Schublade "mädchenhaft" stecken.

Mit ein wenig Fantasie werden Küchengeräte einfach zu Waffen umfunktioniert. Die Mädels hätten sich während einer Probe mal mit den Geräten gekabbelt, so Schauspielerin Henke. Sie und Theaterpädagogin Siegenthaler entwickelten daraus eine Improvisationsidee. Die Freundinnen Anh (10) und Victoria (11) suchen sich am Dienstagnachmittag Zangen aus. Andere entscheiden sich für Schneebesen, Holzlöffel und Sieb.

"Ihr denkt Euch jetzt eine Kampfszene aus, die ihr in Zeitlupe vorführt", erklärt Henke auf Deutsch, Englisch und mit Händen und Füßen. "Ihr dürft beim Spielen auch sprechen oder Geräusche machen. Aber alles ganz, ganz langsam."

Unter Jubelgeschrei stürmen die wilden Zwölf aus dem Probenraum ins Freie. Dort lassen sie im Schneckentempo ihre imaginären Schwerter gegeneinander schlagen. Anh und Victoria denken sich aus, sich zu Beginn mit den Zangen an den Haaren zu ziehen.

"Eins, zwei, drei - und bitte!" Immer zwei der Mädchen treten vor den Rest, der auf der Zuschauerbank sitzt. Haya (11) und Aya (12) kämpfen mit Sieb und Löffel gegeneinander. Während die eine den Löffel langsam Richtung Wange ihrer Kontrahentin bewegt, hält die andere das Sieb wie ein Schild vors Gesicht. "Das ist genial", lobt Theatermacherin Henke. Ein weiteres Duo streitet sich mit verzerrten Stimmen um den letzten Keks. Ein anderes Mal löst den Kampf ein hinterlistig auf den Rücken geklebtes Kaugummi aus.

Doch nicht nur Improvisationen stehen auf dem Programm. "Wir reden auch viel über unsere Lieblingsessen und was wir mit ihnen verbinden. Außerdem kochen wir regelmäßig zusammen", so Henke. Dann gebe es immer ein internationales und ein deutsches Gericht. Beim letzten Mal Pfannkuchen und das syrische "Fattet Hummus". Ein Gericht aus Fladenbrot, Kichererbsen und Joghurt. Zwar seien die Pfannkuchen beliebter gewesen. Die meisten hätten aber beides probiert. Das Projekt, das durch das Bundesprogramm "Tanz und Theater machen stark" gefördert wird, soll Mitte Juli als Performance aufgeführt werden.

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