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Gedicht aus Holz und Lehm

Marco Marschall / 20.05.2016, 06:45 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Er will einen Buchladen aufmachen, wie er ihn sonst nirgends finden konnte. Doch statt um Literatur allein geht es Gisbert Amm mit seinem Lyrikhaus auch darum, einen ästhetischen und ökologisch sinnvollen Anziehungspunkt zu schaffen.

Ein Laden, der Gedichte zwischen zwei Buchdeckeln verkauft. Das klingt nicht unbedingt nach einer Geschäftsidee, die die Kasse klingeln lässt. Tatsächlich könnte sein Lyrikhaus aber diejenigen anziehen, die das Besondere suchen, meint Gisbert Amm. Eine perfekte Ergänzung für alle Ausflügler zum Biorama-Turm und der im vergangenen Jahr eröffneten Weißen Villa.

Dabei ist die Front des Hauses in der Glockenstraße noch unauffällig. Erst im Inneren eröffnet sich dem Besucher ein Wohlfühl-Ambiente aus Holz und Lehm. Absoluter Blickfang ist der große weiße Lehmofen. Bei Lesungen im Winter dürften sich die Gäste um einen Platz daran reißen. Aufgrund der ausgeklügelten Luftzirkulation im Gebäude und der zur Dämmung verwendeten Materialien werde es aber, so versichert Gisbert Amm, im gesamten Raum wohlig warm.

Die ökologische Bauweise ist es auch, die der Ladenbesitzer als Anziehungspunkt neben den regelmäßigen Lesungen und kleinen Veranstaltungen sieht. Ein Lehmbauspezialist und internationale Studenten des Fachs waren am Werk. Gisbert Amm hat die Arbeiten dokumentiert und gibt gern Auskunft.

Der 50-jährige ist voller Vorfreude, wenn er an die Eröffnung am Sonnabend denkt, zu der der Schriftsteller Richard Pietraß lesen wird. 60 Gäste werden bereits erwartet. Einige Bedenken, alle unterzubekommen, hat der Lyrik-Liebhaber noch. "Doch das wird sich finden. Es hat sich bisher alles gefunden", sagt er. Im Haus wohne ein guter Geist.

Eigentlich gehören ihm und seiner Frau, der Engländerin Ruth Butterfield, drei Immobilien in Joachimsthal. Die erste wurde zum Mietshaus. In der zweiten am Ortsrand wohnen sie. Nun wird die dritte ertüchtigt. Denn auch wenn Laden und Lesecafé nach Eröffnung immer von Freitag bis Sonntag zum Stöbern einladen, ist noch längst nicht alles fertig. So sollen im Obergeschoss und im Stallgebäude des schmalen Grundstücks mit langgezogenem Gartenhinterland Ferienwohnungen entstehen. Zwei Jahre könne das noch dauern.

Eigentlich unerheblich, bedenkt man die Zeit, die der Mann aus dem Thüringer Wald brauchte, bis er in Joachimsthal Fuß fasste. Den Ort kannte der studierte Theaterwissenschaftler, weil er zu DDR-Zeiten als Kind die als Ferienlager getarnte Kadettenschule am Werbellinsee besucht hatte. Seine Frau war seit ihrer Zeit als Englischlehrerin in Gransee mit dem Vorsitzenden des Heidekrugvereins Jens-Thilo Weise befreundet. Gisbert Amm und Ruth Butterfield aber lernten sich in Heidelberg kennen. Beide hatte es zuvor aus beruflichen und privaten Gründen nach Baden-Württemberg verschlagen, wo Amm, der selbst Gedichte schreibt und am Sonnabend daraus liest, längst zum Computerfachmann umgeschult hatte.

Als solcher arbeitet er noch heute in Berlin. Solange, bis die Verse im Laden und die Ferienwohnungen genug abwerfen. 2009 ging es nach Joachimsthal, wo das Paar den Heidekrug als Veranstaltungsort mit aufbaute. Nun wollen sie im Lyrikhaus kleineren Veranstaltungen eine Heimstätte geben. Leider ohne ihren unlängst verstorbenen Freund, den Künstler Holger Barthel, der viel beim Umbau des ehemaligen Schuhladens zum Lyrikhaus geholfen habe. Ihm zu Ehren wird es am 18. Juni auch einen Kulturabend geben.

Alle Veranstaltungen unter www.lyrikhaus.de. Teilnehmer an der Eröffnung am Sonnabend um 19 Uhr bittet Gisbert Amm um kurze Rückmeldung unter info@lyrikhaus.de

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