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Von reichen und fleißigen Pagramern

rloock / 20.05.2008, 07:32 Uhr
(moz) In der Huttenbuchhandlung wurde am Montag das Buch "Das dorff pagarem. Die mittelalterliche Wüstung Pagram bei Frankfurt" vorgestellt. Die Studie ist die Bilanz der Ausgrabungen und Forschungen in den vergangenen 15 Jahren.

Es müssen reiche und fleißige Leute gewesen sein, die im Mittelalter in Pagram lebten. Unter den Einwohnern befanden sich auffallend viele Handwerker, die es offenbar zu einigem Reichtum gebracht hatten. Das Dorf Pagram, nur rund sechs Kilometer westlich von Frankfurt in der Nähe der heutigen Bundesautobahn gelegen, entstand im 13. Jahrhundert. Die Entwicklung von Pagram muss "im Zusammenhang mit dem nahen Marktort und der späteren Hansestadt Frankfurt gesehen werden", erläuterte Claudia Theune, Herausgeberin des Buches. Nach einem Fußmarsch von etwa einer Stunde konnten die Pagramer die Hansestadt erreichen und ihre Waren anbieten. Aufgrund der Funde ist für beide Orte ein "Siedlungsbeginn im frühen 13. Jahrhundert anzunehmen", erläuterte sie. Der Marktort entwickelte sich rasch zu einem wirtschaftlichen Zentrum der Region.

Erste Überreste der mittelalterlichen Siedlung waren bereits während des Baus der Autobahn zwischen Berlin und Frankfurt in den 1930er Jahren angeschnitten und dokumentiert worden. Die Autobahnerweiterung in den 1990er Jahren machte neuerliche archäologische Untersuchungen notwendig. Zwischen 2003 und 2006 gruben dort Studenten der Humboldt-Universität Berlin in Kooperation mit dem Archäologischen Landesamt.

Der Student Stefan Schreiber, der an der Ausgrabung teilgenommen und einen Beitrag für das Buch geschrieben hat, berichtete, dass er erwartet hatte, dass man in dem Dorf hauptsächlich der Landwirtschaft nachgegangen sei. Er sei überrascht über den starken Anteil der Handwerker. Besonders ein Gewerk fiel dabei auf: "Der Reichtum an Buntmetallfunden ist wohl in Zusammenhang mit der nahen Stadt Frankfurt zu sehen", schreibt Claudia Theune in dem jetzt vorgestellten Buch, die recht hohe Zahl an Funden sei auffällig. Die Pagramer Metallschmiede, die ihre Waren in Frankfurt verkauften, konnten sich im Gegenzug auch so manche Kostbarkeit gönnen. Zu den überraschenden Funden, so berichtet Claudia Theune, zählt edle Tafelkeramik aus dem Rheinland. So teures Geschirr hätte man in einem Dorf im Oderland nicht erwartet.

Die Siedlung Pagram, die urkundlich 1336 erstmals erwähnt wurde, verlor im 15./16. Jahrhundert an Kraft. Das Ende kam wohl nicht auf einen Schlag - beispielsweise durch die Pest. Aber ein Gehöft nach dem anderen wurde aufgegeben, "Mitte des 16. Jahrhunderts existierte das Dorf nicht mehr", bilanzierte Claudia Theune. Folglich gibt es keine Siedlungskontinuität zum heutigen Dorf Pagram.

Der Band erfasst alle diese Arbeiten und gibt einen aktuellen Überblick über die Ergebnisse nach 15 Jahren Forschung. Das Besondere dabei ist, dass zu großen Teilen die studentischen Ausgräber selbst die wissenschaftliche Auswertung vorgenommen haben.

Claudia Theune, "Das dorff pagarem". Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg Bd. 17, 2007, rund 180 Seiten, 8,10 Euro.

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