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Leser absolvierten am Sonntag beim ADAC ein Fahrsicherheitstraining für ältere Verkehrsteilnehmer

Autofahren am Limit

Andreas Wendt und Heike Hahn / 29.05.2016, 21:15 Uhr - Aktualisiert 30.05.2016, 22:35
Linthe (MOZ) 24 Leser dieser Zeitung haben am Sonntag beim Fahrsicherheitstraining für Senioren auf dem ADAC-Schulungsgelände in Linthe (Potsdam-Mittelmark) Grenzerfahrungen gesammelt. Die Märkische Oderzeitung und der ADAC Berlin Brandenburg hatten Verkehrsteilnehmer über 65 Jahren zu dem achtstündigen Training eingeladen.

Die Sonne brennt unerbittlich, ab und zu verirren sich ein paar Wassertropfen, die eigentlich die Betonfläche nass halten sollen, und sorgen für kurzzeitige Erfrischung der älteren Verkehrsteilnehmer. Die haben sich am Fahrbahnrand versammelt, um sich von Patrick Weiß erklären zu lassen, was sich hinter der Station "Gleitzeit für alle" verbirgt und worauf sie sich einstellen müssen, wenn sie mit 50 km/h auf dem feuchten Asphalt eine Vollbremsung hinlegen sollen.

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MOZ-Leser beim Fahrsicherheitstraining

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Es ist die zweite Station an diesem Tag. Begonnen haben die Senioren mit harmlos aussehenden Slalomfahrten, eigentlich ein Kinderspiel. Doch Patrick Weiß ist Coach beim ADAC und hinterfragt bei seinen reifen Schülern, wie sie denn das Steuer in ihren Autos beim Parcours festgehalten haben und überprüft, ob der Sitz auch so eingestellt ist, dass die Arme nicht ausgestreckt werden müssen, um das Lenkrad unter Kontrolle zu haben. "Allein die falsche Einstellung der Kopfstütze kann bei einem Unfall zu schweren Halswirbelverletzungen führen", sagt er.

Seine Kursteilnehmer hören ihm aufmerksam zu, dabei sitzen sie alle seit Jahrzehnten am Steuer. Christel Neumann aus Eggersdorf (Märkisch-Oderland) fährt seit 1963 Auto - und das unfallfrei. Als sie zu DDR-Zeiten noch Mitglied im ADMV, dem Allgemeinen Deutschen Motorsport Verband, gewesen ist, hat sie sogar an Rallyes teilgenommen. Inzwischen ist sie 74 Jahre alt, immer noch begeisterte Autofahrerin und möchte wissen, ob sie den Herausforderungen des Straßenverkehrs noch gewachsen ist.

Diese Frage lässt sich in Linthe bei Potsdam gut beantworten. Knapp 15 000 Verkehrsteilnehmer werden hier Jahr für Jahr mit normalen und Extremsituationen konfrontiert. Und Trainer Weiß hat die Erfahrung gemacht, dass es nicht zwangsläufig vom biologischen Alter abhängt, ob man das Auto besser stehen lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen sollte. "Ich hatte im Intensivkurs auch schon mal einen 95-Jährigen, und er hat gut abgeschnitten", erzählt er. Dennoch sind Jüngere seinen Tipps gegenüber oft aufgeschlossener als ältere Autofahrer. "Wenn man so ein Training absolviert, muss man sich auf Verbesserungsvorschläge einlassen", betont Weiß.

Hunderte hatten sich bei der MOZ beworben, als sie vor Monaten gemeinsam mit dem ADAC zum Fahrsicherheitstraining für ältere Verkehrsteilnehmer eingeladen hatte. 24 von ihnen unterzogen sich am Sonntag der achtstündigen "Nachhilfe" und haben es nicht bereut. "Als ich meinen Namen in der Zeitung las, war ich wunschlos glücklich", sagt der fast 80-jährige Johannes Schäpe aus Rüdersdorf (Märkisch-Oderland). Klaus Müller wiederum hat sich beworben, um auch seine Kinder zu beruhigen. Sie behaupten, der 66-Jährige fahre manchmal etwas eckig.

Christel Neumann hat nach den ersten Stationen keine Defizite bei sich entdeckt, was auch Coach Patrick Weiß nicht entgangen ist. Auf der Gleitstrecke tritt sie in ihrem Opel wie über Funk vom Trainer vorgegeben mit ganzer Kraft auf die Bremse und Kupplung, bis das Auto zum Stehen kommt, ohne aus der Spur auszubrechen. "Super, Frau Neumann", lobt Weiß am Fahrbahnrand die ehemalige Serviermeisterin, deren Mann auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat. "Er fährt zwar auch mit seinem Polo, aber bei längeren Strecken sitze ich am Steuer. Ich bin beim Autofahren die Ruhe selbst und meine Konzentration ist gut ausgeprägt", sagt sie, während ihr Mann zustimmend nickt.

155 Euro kostet im Normalfall ein achtstündiger Intensivkurs auf dem ADAC-Gelände in Linthe. Eigens auf Senioren ausgelegte Trainingseinheiten gehen meist nur über vier Stunden und sind damit auch etwas preiswerter. Der Aufwand lohnt sich für ihre Sicherheit, und den Zeitungslesern wird sogar noch eine gehörige Portion Nervenkitzel geboten, wenn sie sich auf glitschiger Fahrbahn bei der Vollbremsung um die eigene Achse drehen. "Bremsen ist immer erlaubt - bis zum Stillstand", rät ihnen Patrick Weiß. "Der gefährlichste Ort auf unserem Areal ist eigentlich der Parkplatz."

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