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Das "verbuendungshaus fforst" beherbergt Menschen aus zwölf Nationen und feiert sein zehnjähriges Jubiläum.

Frankfurts internationalste Platte

Ein Hoch auf die Platte: Charlotte Ciesielski (l.) und Jennifer Geiser stoßen auf den zehnten Geburtstag des Wohnprojekts sowie auf die renovierte Terrasse des "fforst"-Hauses an. Zur Feier kamen etwa 300 Gäste
Ein Hoch auf die Platte: Charlotte Ciesielski (l.) und Jennifer Geiser stoßen auf den zehnten Geburtstag des Wohnprojekts sowie auf die renovierte Terrasse des "fforst"-Hauses an. Zur Feier kamen etwa 300 Gäste © Foto: MOZ
Josefine Jahn / 30.05.2016, 05:11 Uhr - Aktualisiert 30.05.2016, 17:48
Frankfurt (Oder) (MOZ) In einem Seminar der Europa-Universität Viadrina entstand einst die Idee eines studentischen, internationalen Wohnprojekts. Das "verbuendungshaus fforst" beherbergt derzeit 30 junge Menschen aus zwölf Nationen und feierte am Sonnabend sein zehnjähriges Jubiläum.

Wo fängt Europa an? "Hier", heißt es an der Fassade des Plattenbaus in der Forststraße 3 und 4. In deutscher, polnischer und englischer Sprache steht in blauer Schrift geschrieben, was der Anspruch des Wohnprojekts ist: Hier beginnt Europa, hier lebt man internationale Vielfalt. Mit verschiedenen Stationen, die in der Forststraße aufgebaut wurden, trugen die "fforst"-Bewohner diese Vielfalt nach draußen. Geburtstagsgäste konnten sich vorlesen lassen, Stoffbeutel dekorieren und sich an Musikinstrumenten versuchen, bevor am Abend die Band La Marche auftrat. Die Feier stand unter dem Motto "Wir sind unplattbar", das auf die Geschichte des Gebäudes anspielt.

Vor zehn Jahren wurde der Plattenbau nahe der Oder vor dem Abriss bewahrt. Janine Nuyken, Leiterin des Zentrums für Strategie und Entwicklung der Viadrina, gestaltete damals das Seminar, in dem die Idee des Projekts entstand. Sie erinnert sich, wie sie bei der Wohnungswirtschaft (Wowi) vorsprach: "Ich finde, Sie könnten mir ein Haus schenken. Und Gesine Schwan findet das auch." Schwan war damals Präsidentin der Europa-Universität Viadrina und unterstützte die Idee. Die Wowi ließ sich auf das Vorhaben ein und ist bis heute eine wichtige Projektpartnerin. "Das fforst-Haus ist ein Wohn- und Kulturprojekt, das die Stadt bereichert. Sie sind ein toller Verein", lobte Christa Moritz, Bereichsleiterin in der Wowi-Kundenbetreuung. Als Vertreter der Stadt gratulierte Markus Derling, Kultur-Beigeordneter, dem Verein. "Nachbarn rümpfen vielleicht manchmal die Nase wegen des Lärms", aber davon solle man sich nicht beeinflussen lassen, bestärkte er die Bewohner des "fforst"-Hauses.

Prämisse des "fforst" war und ist das internationale Zusammenleben. Das heißt auch, dass pro Wohneinheit niemals nur eine Nationalität vertreten sein darf. "Das gestaltete sich zu Beginn etwas schwierig, da die rund 20 Seminarteilnehmer, die hier einziehen wollten, vorrangig Deutsche waren ", erzählt Jean-Paul Olivier, ein "ffoerster" der ersten Generation. Schnell wurden zunächst polnische Mitbewohner gefunden, Studenten aus anderen Ländern folgten. Derzeit wohnen im "verbuendungshaus fforst" junge Menschen aus zwölf Nationen, die nicht nur in Europa verortet sind, aber den europäischen Gedanken des Miteinanders leben wollen.

"In diesem Haus steckt, genau wie hinter dem Projekt Europa, eine Menge Arbeit. Europa ist keine Frage der Geografie oder Tradition, sondern eine Frage des Herzens. Wichtig ist der Glaube daran, etwas gemeinsam zu schaffen", beschreibt Vorstandsmitglied Anna Malinowskaya das Leben im "fforst"-Haus.

Was in den letzten Jahren geschafft wurde, zeigt eine Fotoausstellung, die anlässlich des Jubiläums organisiert wurde. Die Bilder dokumentieren Renovierungsarbeiten und Veranstaltungen. "Die Idee war, einen Überblick der vergangenen zehn Jahre zu geben und die verschiedenen ,fforst'-Generationen zu zeigen", erklärt Silvia Cojocaru. "Einige Bilder hingen schon vorher und die haben wir durch neue ergänzt. Es ist also eine wachsende Ausstellung."

Die rund 300 Gäste stießen am Sonnabend nicht nur auf den Geburtstag an, sondern weihten auch die frisch renovierte Terrasse ein. In den letzten Wochen haben die "ffoerster" gemalert und dekoriert, auch um das Haus für Anwohner attraktiver zu machen. Die Bemühungen fruchten offenbar. Eine Nachbarin aus der Forststraße schickte Geburtstagsgrüße via Postkarte: "Schön wäre es, wenn es Ihnen in Frankfurt gefällt", wünscht sie.

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