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Singen für einen guten Zweck

Der somalische Geflüchtete Omar aus Eberswalde singt und tanzt auf der Bühne beim musikalischen Abend in der Alten Post Bernau.
Der somalische Geflüchtete Omar aus Eberswalde singt und tanzt auf der Bühne beim musikalischen Abend in der Alten Post Bernau. © Foto: Inga Dreyer
Inga Dreyer / 30.05.2016, 07:50 Uhr
Bernau/Biesenthal (id) Eine eigene Wohnung mit Küche und Bad: Ein Traum für viele Geflüchtete, die beengt in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Auf dem Projektehof Wukania entsteht derzeit eine solche Wohnung. Mit einem Konzert in Bernau hat der Verein weitere Spenden eingeworben.

Kaum steht Omar auf der Bühne, ist das Publikum auf den Beinen. Einige somalische Frauen und Kinder, die bisher im hinteren Eck des Raumes saßen, sind plötzlich hellwach, reißen die Arme in die Luft und tanzen. Zur Musik vom Band singt und tanzt Omar mit strahlendem Lachen. Zusammen mit dem Liedermacher Steven Kill und der Sängerin und Cellistin Merle bestreitet der somalische Geflüchtete aus Eberswalde den musikalischen Abend in der Alten Post Bernau. Ziel ist, Spendengelder für die Sanierung einer Wohnung zu sammeln, die der Projektehof Wukania in Biesenthal Geflüchteten zu Verfügung stellen will.

12 000 Euro Privatspenden hat die Initiative bisher bereits zusammenbekommen. "Es läuft noch besser als erhofft", sagt Philipp Grunwald, der das Konzert zusammen mit Beate Gollnast und anderen Wukania-Bewohnern organisiert hat. Die Wohnung auf dem Hof war zwar früher schon bewohnt, aber ziemlich marode. Bevor sie das Ganze Geflüchteten anbieten wollten, sollte der Wohnraum erst einmal grundlegend saniert werden, erzählt Grunwald.

In der vergangenen Woche waren mehrere Baukollektive aus Berlin und Umgebung auf dem Biesenthaler Hof zu Gast und haben in ehrenamtlicher Arbeit unter anderem die Elektroanlagen komplett erneuert. Auch in dem kommenden Tagen erwarten die Biesenthaler erneut Besuch: Einige reisende Gesellen haben sich angemeldet, um den Innenausbau voranzutreiben.

Allein schon die Baustelle ist also ein Gemeinschaftswerk - getragen von den Hofbewohnern, Handwerkern und Geflüchteten, die mithelfen. 25 Erwachsene und zehn Kinder leben auf dem Projektehof - "in selbstgewählter Gemeinschaft", wie es Beate Gollnast ausdrückt. Das bedeute aber nicht, dass sich die Geflüchteten, die in die Wohnung einziehen, diesem Lebensstil anpassen müssen. Zukünftige Bewohner seien eingeladen, bei den Gemeinschaftsprojekten mitzumachen, aber nicht dazu verpflichtet. "Sie sollen selbst entscheiden, in welcher Form sie dort wohnen wollen", betont Beate Gollnast. Das betrifft auch die Aufteilung der Wohnung: Ob es eine Familienwohnung wird, eine WG oder zwei Einzelwohnungen - das sei den künftigen Bewohnern überlassen.

Im Juli oder spätestens im August soll alles fertig sein. Wer einzieht, steht noch nicht fest. Im Moment kommen immer wieder interessierte Geflüchtete nach Biesenthal, um sich das Projekt anzugucken. Einige von ihnen wollen nicht so weit rausziehen, aber trotzdem gerne bei den Bauarbeiten mithelfen, erzählt Beate Gollnast.

Der Projektehof Wukania hat sich mit anderen kleinen Höfen in einer gemeinnützigen Stiftung organisiert. Dadurch sei festgelegt, dass der Wohnraum nicht wieder privatisiert werden kann, erklärten Philipp Grunwald und Beate Gollnast. So sei garantiert, dass die Spenden allein dem gemeinnützigen Zweck dienen und niemand sich daran bereichern kann. Die Wukania-Initiative arbeitet bei diesem Projekt mit privaten Spenden, um den Wohnraum möglichst schnell und unbürokratisch zur Verfügung stellen zu können. Das bedeutete jedoch nicht, dass der Staat aus der Pflicht entlassen werde. "Grundsätzlich vertreten wir den Ansatz, dass nicht alles auf das Ehrenamt abgeschoben werden soll", sagt Philipp Grunwald. Mit ihrer Initiative will die Wukania-Initiative die kommunalen Angebote ergänzen, aber nicht ersetzen.

Wichtig ist ihnen, mit dem Projekt auch andere zu ermutigen, Wohnraum zu Verfügung zu stellen. Bei Veranstaltungen wie dem Soli-Konzert sammeln sie nicht nur Spenden, sondern betreiben auch Öffentlichkeitsarbeit.

Praktisch, wenn eine Liedermacherin wie Merle auf dem Hof wohnt und ihre für den guten Zweck einsetzt. Auch Erlöse ihrer neuen CD fließen in den Ausbau der Geflüchteten-Wohnung. Der Verein freut sich über Einzel-, Dauer- und auch Materialspenden für die Sanierung der vier Zimmer.

Spendenkonto: Sinnflut, IBAN DE76 1709 2404 0006 0289 77, BIC GENODEF1FW1, Volksbank Fürstenwalde, Verwendungszweck: Geflüchtete; Spendenquittungen können ausgestellt werden; Liedermacherin Merle: http://merlecello.de/

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