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E-Bikes im alten Supermarkt

Das eine oder andere E-Bike wird sicher noch in Zukunft in der Biesenthaler Wehrmühle zu sehen sein, doch mit seiner Firma zieht Michael Hecken um.
Das eine oder andere E-Bike wird sicher noch in Zukunft in der Biesenthaler Wehrmühle zu sehen sein, doch mit seiner Firma zieht Michael Hecken um. © Foto: Inga Dreyer
Inga Dreyer / 02.06.2016, 07:50 Uhr
Biesenthal (id) Der Internethandel floriert. Doch manche Produkte gucken sich Käufer lieber persönlich an. Wie Michael Hecken erkannt hat, gehören Fahrräder dazu. Mitte Juni eröffnet der Biesenthaler Unternehmer einen neuen, größeren Laden in einem ehemaligen Discounter- mit viel Platz zum Angucken und Ausprobieren.

Der Ausbau des Fahrradwegenetzes läuft langsam, das E-Bike-Geschäft hingegen rasant. Die in der Biesenthaler Wehrmühle ansässige Firma HNF verkauft in ganz Deutschland, doch viele Kunden kommen aus der Umgebung, erzählt Geschäftsführer Michael Hecken. "Es gibt ein Rieseninteresse in der Region." Auch das Amt Barnim-Biesenthal und die Stadt stehen politisch hinter dem Thema Elektromobilität.

Vor zwei Jahren hat Michael Hecken gemeinsam mit dem Rahmenbauer Karlheinz Nicolai und Benjamin Börries die Firma HNF gegründet - "Hecken, Nicolai and Friends". Seit Anfang 2016 verkaufen sie ihre Produktlinie "Heisenberg" auf dem Markt: schlichte, moderne und hochwertige E-Bikes in Schwarz und Silber. Die Räder verkaufen sie über sie über die Mediamarkt- und Saturn-Gruppe, übers Internet und über ihre Läden in München und in der Biesenthaler Wehrmühle.

In den vergangenen drei Monaten hat HNF mehr als 100 Räder verkauft - alleine in Biesenthal. Erstaunlicherweise nehmen dabei sehr viele Kunden den Weg zur Wehrmühle auf sich, erzählt Michael Hecken. "Ich bin überrascht, wie viele hierher pilgern - zum Beispiel mit dem Wohnmobil aus Stuttgart." Biesenthal sei dabei gar kein schlechter Standort, weil viele Menschen ab und zu in Berlin zu tun hätten und dann auf einen Abstecher vorbeikämen.

Die Wehrmühle ist dabei ein sehr attraktiver, am Radweg Berlin - Usedom gelegene Firmensitz, aber dabei gleichzeitig immer noch Privatwohnung und vom Platz her beschränkt. Es sei deswegen absehbar gewesen, dass HNF irgendwann umziehen müsse, sagt Michael Hecken. "Es war klar, dass wir hier rauswachsen." Immerhin beschäftigt er schon fast zehn Mitarbeiter in Biesenthal - hauptsächlich in den Bereichen Entwicklung, Design, Marketing und Vertrieb. Die Montage selbst geschieht größtenteils in einer litauischen Fabrik - nach Heckens Angaben einer der rar gesäten Orte, an denen solche hochwertigen Fahrräder gefertigt werden können.

Es habe sich herausgestellt, dass die Probefahrt bei E-Bikes eine wichtige Rolle spiele, erzählt der Unternehmer. Mit der neuen Verkaufsfläche in einem ehemaligen Discounterfläche in der Biesenthaler Bahnhofstraße trägt die Firma dem Rechnung. Auf mehr als 500 Quadratmetern Verkaufs- und Lagerfläche plus Parkplatz ist genügend Platz zum Gucken und Fahren.

Die Fahrräder der Linie "Heisenberg" kosten ab 3000 Euro aufwärts. Im Herbst soll zudem die "Basline" auf den Markt kommen, die etwas einfacher und günstiger ist. Vom Anspruch der Langlebigkeit und Hochwertigkeit will Hecken jedoch nicht abrücken. "Qualität fängt bei 2000 Euro an", sagt er überzeugt. Gekauft würden die Räder vor allem von Kunden, die sie sehr intensiv nutzen. "Manche fahren in drei Wochen 1000 Kilometer", berichtet Hecken. Außerdem seien seine Kunden Menschen, denen gutes Design wichtig sei. Die Räder sind sehr reduziert, nüchtern und edel gestaltet. "Das ist auch in drei Jahren noch ein sehr modernes E-Bike", sagt Hecken und deutet auf ein schwarz-silbernes Rad aus der Heisenberg-Linie.

Schon bei seiner letzten Firma, der Grace GmbH, war dieser Anspruch Programm. Die Nachfrage explodierte so, dass er mit der Produktion nicht hinterherkam und die kleine Firma an das Traditionsunternehmen Mifa verkaufte, bei der er selbst dann im Bereich Marketing und Strategie für E-Bikes arbeitete. Als Mifa Insolvenz anmelden musste, war es erstmal vorbei mit Grace und Hecken und man stand vor der Frage, wie es weitergehen sollte. Mit HNF entschied er sich für einen kompletten Neuanfang in derselben Branche. Doch auch, wenn HNF mit den Heisenberg-Rädern einen guten Marktstart hingelegt hat: Ein Selbstläufer seien auch E-Bikes nicht, unterstreicht Michael Hecken. "Es ist nicht so, dass wir hier rumsitzen und uns die Bikes aus der Hand gerissen werden."

Vier Wochen liegen zwischen der Schlüsselübergabe zu der ehemaligen Discounterfläche und der Eröffnung. Doch Hecken bereitet das kein Kopfzerbrechen. "Für unsere Branche ist ein Monat viel Zeit", erklärt er und verspricht: "Architektonisch kriege ich das schon hin, dass es nicht mehr wie ein Discounter aussieht, sondern wie ein cooler E-Bike-Laden."

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