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Taximangel in Falkensee

Die Taxiexperten Boto Töpfer, Jens Schmiljun und Karl-Heinz Kirle stellten ihre Sichtweisen im Ausschuss vor.
Die Taxiexperten Boto Töpfer, Jens Schmiljun und Karl-Heinz Kirle stellten ihre Sichtweisen im Ausschuss vor. © Foto: Schulz
Silke Schulz / 07.06.2016, 22:30 Uhr
Falkensee (MOZ) Schnell nach Hause, ist nicht: In Falkensee scheint es nahezu unmöglich zu sein, nachts ein Taxi zu bekommen. Das zumindest ist in sozialen Netzwerke ein großes Thema. Zu den möglichen Gründen für diesen Umstand stellte Boto Töpfer vom Taxiverband Berlin-Brandenburg am Montag im Stadtentwicklungsausschuss verschiedene Thesen auf.

"Das Problem könnte darin liegen, dass die Falkenseer Taxiunternehmer tagsüber so viel Geld verdienen, dass sie nachts nicht fahren", stellte Töpfer in den Raum. "Möglicherweise ist auch die Zahl der Konzessionen gedeckelt, es könnte aber auch sein, dass nachts der Mindestlohn nicht erreicht werden kann." Dass Taxifahrer nachts in Falkensee um ihre Sicherheit fürchten, hält Töpfer eher für unwahrscheinlich.

Karl-Heinz Kirle, Landesbeauftragter des Taxiverbands Berlin-Brandenburg, betrachtet den im Jahr 2015 eingeführten gesetzlichen Mindestlohn, der auch für das Taxigewerbe gilt, als das größte Problem. "Kein Unternehmer wird seinen Fahrer nachts rausschicken, wenn der in acht Stunden einen Umsatz von gerade einmal 40 Euro macht, der Unternehmer aber 8,50 Euro pro Stunde an den Fahrer zahlen muss", vermutet der Experte. "Einen konkreten Lösungsvorschlag habe ich zur Zeit nicht."

Den hat jedoch Jens Schmiljun, Vertriebsleiter der größten Taxizentrale in Berlin. "In Berlin haben wir pro Schicht zwischen 2500 und 3000 Fahrzeuge auf der Straße. Beim Fahren empfangen diese automatisch GPS-Signale und senden digitale Positionsmeldungen. Wenn im Umland kein Taxi mehr fährt, könnte ein Signal an die Berliner Flotte gehen. Wer sich im entsprechenden Sektor befindet, würde dann als Erweiterung die Fahrgäste für Falkensee bedienen. Das können wir anbieten." Dies setze natürlich Vereinbarungen mit ortsansässigen Unternehmen voraus - durch die Berliner Fahrzeuge würden jedoch keine Fahrten weggenommen, betonte Schmiljun.

Eine weitere Option wäre das Anruf-Sammel-Taxi, das auch per App bestellbar sein könnte. Entsprechende Möglichkeiten werden derzeit entwickelt.

Alexander Sylvester von der Taxi-Innung Falkensee beklagt dagegen, dass Kunden mit Unverständnis und Unfreundlichkeit reagieren, wenn nicht sofort ein Fahrzeug zur Verfügung steht. "Die Zeiten sind vorbei, in denen man anrufen konnte, und das Taxi kommt sofort. Heute muss ein Fahrzeug vorher bestellt werden." Auch er sieht das schwerwiegendste Problem darin, dass Nachtfahrten nicht wirtschaftlich angeboten werden können. Einen Fahrkostenzuschuss durch die Stadt könnte Sylvester sich zur Behebung des Mangels vorstellen. "Wir kriegen nichts, obwohl wir offiziell zum öffentlichen Nahverkehr gehören, Bus und Bahn werden gefördert", so Sylvester.

Einen konkreten gemeinsamen Lösungsvorschlag wollen die Akteure nun nach der Sommerpause den Ausschussmitgliedern präsentieren.

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