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Ahmad Bakat aus Syrien fastet seit Ramadanbeginn am Montag / Seine drei Kinder nicht

Kekse erst nach Sonnenuntergang

Herausforderung: Ahmad Bakat darf während des Ramadan den ganzen Tag über weder essen noch trinken. Der Verzicht auf Flüssigkeit fällt nicht leicht. Seine Kinder Huda (v. l., 6), Mohamad (1,5) und Fausia (7) sind noch zu klein zum Fasten.
Herausforderung: Ahmad Bakat darf während des Ramadan den ganzen Tag über weder essen noch trinken. Der Verzicht auf Flüssigkeit fällt nicht leicht. Seine Kinder Huda (v. l., 6), Mohamad (1,5) und Fausia (7) sind noch zu klein zum Fasten. © Foto: MOZ/Anna Fastabend
Anna Fastabend / 08.06.2016, 05:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Seit Montag zelebrieren gläubige Muslime überall auf der Welt den Fastenmonat Ramadan. In diesem Monat soll dem Propheten Mohammed der Koran offenbart worden sein. Wer mitmacht, darf bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken.

Es ist elf Uhr morgens. Das Thermometer zeigt jetzt schon 23 Grad. Bei derart hohen Temperaturen raten Ärzte einem eigentlich dazu, viel zu trinken. Doch Ahmad Bakat aus Syrien darf während des Fastenmonats Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang keinen einzigen Schluck Wasser zu sich nehmen. Und essen darf er auch nichts, nicht einmal einen winzigen Keks. Das erfordert viel Disziplin. Vor allem in einem so nördlichen Land wie Deutschland, in dem die Tage besonders lang und die Zeit der nächtlichen Nahrungsaufnahme damit sehr kurz ist.

"Mir fällt das Fasten aber nicht besonders schwer", berichtet der 37-Jährige. Er sei es gewohnt. Deshalb sei es für ihn absolut machbar, ohne Getränke über den Tag zu kommen. In Deutschland sei das sogar angenehmer. "Denn hier ist es nicht so heiß wie in Syrien." Allerdings fühle er sich schon ein bisschen müder als sonst. Vor allem die letzten drei Stunden vor dem Fastenbrechen seien hart. Und die Erleichterung um 21.30 Uhr groß. Vor allem die Flüssigkeitsaufnahme sei dann wichtig. "Wir trinken in der Zeit so viel Saft und Wasser, wie wir können."

Außerdem gibt es bei den Bakats - wie in anderen muslimischen Familien auch - ein großes Festmahl, das sich "Iftar" nennt. "Zunächst trinken wir etwas Wasser. Dann essen wir drei bis fünf Datteln", erzählt Ahmad Bakat. Anschließend gebe es ein warmes Gericht. Am Montag, dem ersten Tag des Ramadan, haben er und seine Familie mit Fleisch und Reis gefüllte Auberginen gegessen. Vor allem im Ramadan ist es von Vorteil, dass in der Notunterkunft Eisenbahnstraße 100 niemand auf ein Catering angewiesen ist, sondern selbst gekocht wird. Das zweite Gericht, "Suhoor" genannt, eine Art Frühstück, wird gegen 2.30 Uhr eingenommen. Dabei kommen Gebäck, Joghurt und süßer Tee auf den Tisch, beziehungsweise auf den Teppich ihres aktuellen Zuhauses.

Ahmad Bakat lebt momentan mit neun Verwandten in der Notunterkunft ehemalige Goetheschule. Die drei Familien teilen sich nur ein Zimmer, das sie provisorisch mit Schränken in einen Wohn- und Schlafbereich unterteilt haben. Ein paar ausrangierte Matratzen dienen als Sitzgelegenheit.

Seine Kinder, die siebenjährige Fausia, die sechsjährige Huda und der anderthalbjährige Mohamad dürfen auch tagsüber die von ihrer Großmutter gebackenen Plätzchen futtern. "Fasten tut man erst mit 14 oder 15 Jahren", erklärt Ahmad Bakat.

Der Ramadan endet mit dem dreitägigen Zuckerfest " Eid al-Fitr" am 4. Juli. Dies sei ein besonderes Ereignis, sagt der 37-Jährige. In seiner Heimatstadt Homs, die nun völlig verwüstet ist, hätten sie während dieser Zeit immer die gesamte Verwandtschaft besucht. "Dann gab es Unmengen gutes Essen und die Kinder kauften sich so viele Süßigkeiten, wie sie wollten." Der studierte Pharmazeut denkt mit Wehmut daran zurück. In Homs gehörte ihm eine Apotheke. "Die ist vom Krieg völlig zerstört worden."

In Eberswalde ist die Familie erst seit zehn Tagen, in Deutschland seit dreieinhalb Monaten. "Ich finde die Stadt sehr schön", sagt Ahmad Bakat. "Hier ist es wunderbar ruhig." Vielleicht aber etwas zu ruhig. Wenn es nach ihm ginge, würde er sofort loslegen. Doch bisher muss er warten. "Ich möchte so schnell wie möglich Deutsch lernen", sagt er. Seine dritte Fremdsprache. Bisher spricht er schon fließend Englisch und Russisch, das er während des Pharmaziestudiums in Moldawien gelernt hat. "Ich wünsche mir, hier als Apotheker arbeiten zu können", sagt er. Er wolle nicht von staatlichen Leistungen abhängig sein, sondern auf eigenen Beinen stehen und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Zudem hofft er, bald in eine eigene Wohnung zu ziehen. Dann kann auch Ramadan wieder richtig zelebriert werden.

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