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In den Bussen und Straßenbahnen der SVF werden immer mehr Passagiere ohne Fahrschein ertappt

3500 Schwarzfahrer erwischt

Erwischt: Ein Fahrscheinkontrolleur bereitet für einen ertappten Schwarzfahrer den Zahlschein vor
Erwischt: Ein Fahrscheinkontrolleur bereitet für einen ertappten Schwarzfahrer den Zahlschein vor © Foto: MOZ
Frank Groneberg / 13.06.2016, 05:33 Uhr - Aktualisiert 13.06.2016, 14:00
Frankfurt (Oder) (MOZ) In den Bussen und Straßenbahnen der SVF werden immer mehr Schwarzfahrer erwischt. Im vergangenen Jahr ertappten die Kontrolleure 3500 Fahrgäste ohne Fahrschein. Die Kosten für die Kontrollen sind allerdings höher als die Einnahmen, die damit letztlich erzielt werden.

Schwarzfahren ist auch in Frankfurt alles andere als ein Kavaliersdelikt. Wer mehrfach beim Erschleichen einer Leistung, wie es im Juristendeutsch heißt, erwischt wird, dem droht auch hier ein gerichtliches Strafverfahren. Denn laut Paragraf 265a Strafgesetzbuch macht sich strafbar, wer "die Beförderung durch ein Verkehrsmittel ... in der Absicht erschleicht, das Entgelt nicht zu entrichten". Und das kann sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Die Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF) hat im vergangenen Jahr 23 Strafanträge wegen Schwarzfahrens gestellt - gegen Gewohnheitstäter, wie Christian Kuke, Geschäftsbereichsleiter Unternehmenssteuerung bei der SVF, betont. Wer erstmals erwischt werde, gegen den werde bislang nicht gerichtlich vorgegangen. "Wir setzen auf die Selbstreflexion bei den Ertappten und werben für den Kauf eines Fahrausweises", sagt er.

Doch ganz ohne Folgen bleibt das Schwarzfahren auch bei Ersttätern nicht. Das Erhöhte Beförderungsentgelt - seit Juli 2015 sind das 60 Euro - muss auf jeden Fall gezahlt werden. Im vergangenen Jahr wurden in Bussen und Straßenbahnen der SVF 3500 Fahrgäste dazu aufgefordert, diese 60 Euro zu zahlen. Weil sie beim Mitfahren ohne gültigen Fahrschein erwischt wurden. Erwischt von den Kontrolleuren der Siba Security Service GmbH, die Im Auftrag der SVF die Kontrollen durchführt. Die Zahl ertappter Schwarzfahrer sei in den vergangenen drei Jahren gestiegen, bestätigt Christian Kuke. Dies liege unter anderem "an der effektiven Einsatzzeit der Kontrolleure und der erfolgreichen Lernkurve auf unserer Seite". Die Kontrolleure sammelten mit jedem Fall Erfahrungen, wann und unter welchen Umständen die Neigung zum Schwarzfahren besonders hoch sei. So könne noch gezielter und effektiver kontrolliert werden.

Der Anstieg der Zahl ertappter Fahrgäste bedeute aber nicht, dass immer mehr Menschen in Frankfurt ohne Fahrschein unterwegs sind, betont der Betriebsleiter Straßenbahn. Nach einem kurzen Hoch sei die Schwarzfahrerquote in den vergangenen Jahren sogar leicht rückläufig, erklärt er. Insgesamt liege diese Quote in Frankfurt seit 2005 immer um die 2 Prozent.

Kontrolliert werde auf allen Linien des Stadtverkehrs und zu allen Zeiten, erläutert Christian Kuke. Eine Ausnahme gibt es aber: die grenzüberschreitende Buslinie 983. Auf dieser Linie werden die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Siba derzeit nur in Frankfurt aktiv, nicht aber in Slubice. Warum? "Unsere Kontrolleure sprechen kein Polnisch", sagt Christian Kuke und verweist gleichzeitig darauf, dass die SVF umfangreich in die Kundeninformation auf polnischer Seite investiert habe.

Zu den erwischten Schwarzfahrern gehören auch in Frankfurt Flüchtlinge. Und auch diese müssen die 60 Euro bezahlen, versichert der Geschäftsbereichsleiter. Die Flüchtlinge zahlten "vergleichsweise schnell und unkompliziert" und hielten auch vereinbarte Ratenzahlungen ein.

Die Einnahmen aus Kontrollen verbleiben zu 100 Prozent bei der SVF. Das heißt aber nicht, dass die SVF damit Gewinne erzielt: Die Kosten für die Kontrollen sind sogar höher als die damit erzielten Einnahmen. Für die SVF sei es ein "schlechtes Geschäft" , so Christian Kuke. "Wir würden uns wünschen, dass jeder Fahrgast im Sinne der anderen Fahrgäste und der SVF den notwendigen Fahrausweis zum vereinbarten Preis erwirbt."

Dafür, dass Schwarzfahren oft als Kavaliersdelikt angesehen wird, hat Christian Kuke kein Verständnis. "Jeder möchte für seine Arbeit angemessen bezahlt werden", betont er. Der Nahverkehr sei ein Zuschussgeschäft, insofern lasse sich das Argument zu hoher Fahrpreise nicht halten. Mit dem Monats-Abo zahlten Fahrgäste pro Tag etwa 1,06 Euro für ihre Mobilität in ganz Frankfurt. "Ich bin davon überzeugt, dass dieser Preis mit einem Pkw bei weitem nicht erreicht werden kann." Zusätzlich tue jeder, der Bus und Bahn fährt, "etwas Gutes für die Umwelt und die Verkehrssicherheit in der Stadt".

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