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Rügener Kreide bei Kohlekraftwerken begehrt

reidewerk R³gen auf der Insel R³gen bei Sassnitz: R³gener Kreide wird als industrieller Rohstoff immer gefragter. Foto:dpa
reidewerk R³gen auf der Insel R³gen bei Sassnitz: R³gener Kreide wird als industrieller Rohstoff immer gefragter. Foto:dpa © Foto:
20.05.2008, 13:36 Uhr
Stralsund Die Rügener Kreide wird als industrieller Rohstoff immer gefragter. Im vergangenen Jahr baute die Vereinigte Kreidewerke Dammann KG die Rekordmenge von 354 000 Tonnen ab und damit 50 000 Tonnen mehr als 2006, wie der Leiter des Bergamtes, Martin Froben, der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte. Nach Angaben des Stralsunder Amtes hat es solche jährlichen Abbaumengen in der Geschichte des Kreideabbaus auf der Insel, die bis in das Jahr 1720 zurückreicht, noch nicht gegeben.

Die Abbaumengen, die sich bis 2004 auf gleichbleibendem Niveau von rund 200 000 Tonnen pro Jahr bewegten, nahmen vor drei Jahren nach einem Auftrag für den Energiekonzern Vattenfall deutlich zu. Das Unternehmen setzt die Kreide in seinem Kraftwerk Jänschwalde (Brandenburg) für die Rauchgasentschwefelung ein. Damit werden die Schadstoffemissionen bei der Verbrennung von Braunkohle verringert. Den dabei entstehenden Gips nimmt die Bauindustrie ab.

Auch der dänische Energiekonzern Dong Energy, der bis 2012 in Lubmin das umstrittene Steinkohlekraftwerk errichten will, hält den Einsatz von Rügener Kreide für die Rauchgasentschwefelung für möglich. "Es gibt Untersuchungen, die die Kreide von Rügen für das geplante Kraftwerk in Lubmin geeignet erscheinen lassen", sagte Dong-Sprecher Michael Deutschbein. In seinen dänischen Kohlekraftwerken setze Dong Energy bereits dänische und schwedische Kreide für die Entschwefelung ein. Ob in Lubmin Rügener Kreide oder Kalke aus anderen Abbaugebieten zum Einsatz kommen werden, sei letztendlich eine Frage der Kosten und der Qualität, sagte Deutschbein. Eine Entscheidung werde das Unternehmen in rund drei Jahren treffen.

Die Vereinigten Kreidewerke Dammann KG mit Hauptsitz in Söhlde (Niedersachsen) wollen sich zu ihren geschäftlichen Aktivitäten nicht äußern. "Wir sprechen nicht mit der Presse", hielt sich Geschäftsführer Klaus Jäkel bedeckt. Bekannt ist, dass das Unternehmen mit rund 40 Arbeitsplätzen im Rügener Kreidewerk Klementelvitz eine weitere, rund 260 Hektar große Lagerstätte auf der Insel Rügen für den Kreidebabbau erschließen will. Naturschutzverbände wie der Nabu sind strikt dagegen. "Dieses Vorhaben kommt einem Raubbau an der Insel gleich", sagte Rügens Nabu-Chefin Marlies Preller.

Das Planfeststellungsverfahren für die geplante Lagerstätte "Am Goldberg" soll voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, wie Bergamtschef Froben sagte. Danach müsse das Unternehmen einen Hauptbetriebsplan vorlegen, den das Amt dann umfassend prüfen und gegebenenfalls genehmigen werde. Bei einer Abbaumenge von 400 000 Tonnen pro Jahr reichen die Kreidevorkommen auf Rügen nach Expertenschätzungen voraussichtlich noch die nächsten 100 Jahre.

Der Geologie-Professor Martin Meschede von der Universität Greifswald bezeichnet den geplanten Ausbau des Kreideabbaus auf der Insel Rügen als "zweischneidiges Schwert". "Einerseits brauchen wir die Bodenschätze", sagte der Experte. Auch zeige sich, dass sich die einstigen Tagebaue gut renaturieren lassen. "Andererseits verfügt die Insel Rügen aber auch über ein großes touristisches Potenzial, mit dem man behutsam umgehen muss", warnte er.

Rügener Kreide ist nach Auffassung seines inzwischen emeritierten Fachkollegen Karl-Heinz Henning im Vergleich zu anderen Kalken besonders für die Rauchgasentschwefelung in Kohlekraftwerken geeignet. Wie die elektronenmikrosopischen Untersuchungen seiner Arbeitsgruppe vor einigen Jahren ergaben, besteht die Rügener Kreide weitgehend aus Coccolithen, mikoroskopisch kleinen Kalzitplättchen organischer Kalkalgen. Dadurch sei die Rügener Kreide im Vergleich zu anderen Kalken besonders feinkörnig. Wegen dieser Eigenschaft wie auch ihrer gleichmäßigen Körnergröße und der besonderen Oberflächenstruktur sei die Rügener Kreide besonders für die Rauchgasentschwefelung geeignet.

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