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Gartenprojekt für Langzeitarbeitslose in Oranienburg / Ernte geht an die Tafel

Grüne Hoffnung für Langzeitarbeitslose in Oberhavel

Hat den Überblick: Michael Heyer von der Hennigsdorfer Beschäftigungsgesellschaft ABS ist fachlicher Anleiter des Projekts "Garten Vita". In Oranienburg betreut er Langzeitarbeitslose, die drei Gärten - hier am Fischerweg - in der Stadt bewirtschaften.
Hat den Überblick: Michael Heyer von der Hennigsdorfer Beschäftigungsgesellschaft ABS ist fachlicher Anleiter des Projekts "Garten Vita". In Oranienburg betreut er Langzeitarbeitslose, die drei Gärten - hier am Fischerweg - in der Stadt bewirtschaften. © Foto: MZV
Burkhard Keeve / 16.06.2016, 06:21 Uhr
Oberhavel (OGA) Für ein halbes Dutzend Menschen ist die Hoffnung derzeit grün. Grün wie ein frischer Salat oder die Blätter der Radieschen. "Garten Vita" heißt das Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose. Deren Aufgabe ist es, drei Gärten in Oranienburg von April bis Oktober zu bewirtschaften.

Im besten Fall - wenn es fruchtet - haben alle etwas davon. Die Ein-Euro-Jobber einen Job über die Projektphase hinaus und eine andere Gruppe von Benachteiligten frisches Obst und Gemüse.

Jetzt beginnt langsam die Erntezeit. Elke Gutenschwager, Kurt Lindemann und ihre Kollegen haben alle Hände voll zu tun. Sie stört auch der einsetzende Regen nicht. Vor ihnen steht bereits eine Kiste mit selbst gezogenen Rettich und Radieschen. Sie riechen nach Gartenerde. Die Kiste ist für die Oranienburger Tafel gepackt worden. "Die freuen sich immer schon darauf", sagt Elke Gutenschwager.

Noch ist die Ausbeute begrenzt, doch zur Haupterntezeit ist der Wagen voll gepackt. Gleich schubkarrenweise gingen vergangene Saison Bohnen zweimal in der Woche an die Ausgabestelle der Tafel. Dort erhalten arme Menschen Lebensmittel, die beispielsweise im Discounter nicht mehr verkauft werden können, oder eben aus Oranienburger Gärten stammen.

Angefangen hat das Vita-Projekt der Hennigsdorfer Beschäftigungsgesellschaft ABS 2010. Die erste Saison im Garten Am Wiesengrund war erfolgreich. Die Hälfte der Beteiligten wurden dadurch vermittelt. Das Projekt wurde daher weitergeführt. Mittlerweile hat die Stadt Oranienburg der ABS nach dem Garten am Fischerweg, ein drittes Grundstück - am Veilchenweg - zur Verfügung gestellt. Insgesamt kann jetzt eine Fläche von mehr als 2 000 Quadratmetern bewirtschaftet werden.Gesät und gepflanzt wird, was die märkische Scholle hergibt: Möhren, Salat, Mangold, Spinat, Brokkoli, Schnittlauch, Basilikum und zum ersten Mal auch Kartoffeln. Die Hege und Pflege übernehmen die Ein-Euro-Gärtner. Für Elke Gutenschwager ein Traumjob. Sie ist immer schon gerne draußen, an der frischen Luft. Sie steht dafür schon um sieben Uhr auf dem Grundstück. Sie kann auch den Wagen fahren, um die Ernte einzusammeln und zur Tafel zu bringen. Nicht zum ersten Mal ist sie dabei. Zum Dauerjob ist es für die Oranienburgerin dennoch nicht gekommen.

Projektleiter Michael Heyer bescheinigt ihr mehr als nur Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. "Sie kann alles, was im Garten anfällt." Im Oktober ist für sie aber Schluss mit Arbeitsmaßnahmen wie dem Ein-Euro-Job. Elke Gutenschwager fällt dann aus dem Förderungssystem heraus. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass innerhalb von fünf Jahren nur 24 Monate gefördert werden dürfen. "Das ist wirklich schade", sagt Michael Heyer. "Ich komme trotzdem her, wenn ich nächstes Jahr nichts kriege", sagt Elke Gutenschwager. Trotzdem hofft sie auf einen richtigen Job.

Die Oranienburgerin muss niemand motivieren, die vier Stunden täglich Einsatz zu zeigen. Das trifft nicht auf alle in der Maßnahme zu. Geht es doch in erster Linie darum, die Teilnehmer aus ihrer Langzeitarbeitslosigkeits-Lethargie zu holen. Sie dazu zu bringen, überhaupt morgens und dann noch rechtzeitig aufzustehen, um pünktlich zu erscheinen. Schließlich jätet sich das Unkraut nicht allein. Motivationshelfer sind neben Projektleiter Heyer die anderen "Gärtner", die in der selben Situation stecken und wissen, wie schwer es ist, wieder Fuß in der Arbeitswelt zu fassen, mit Kollegen zu reden, Absprachen zu treffen, etwas mit den Händen zu tun, Erfolge zu sehen.

Die Freude über das sprießende Grün in ihrem Garten ist ihnen jedenfalls deutlich anzusehen. Sie sind guter Laune und morgen um 7 Uhr wieder an Ort und Stelle. Ihnen muss niemand mehr hinterher telefonieren, um sie aus dem Bett zu holen.

Die Gesellschaft für Arbeitsförderung, Beschäftigung und Strukturentwicklung mbH, kurz ABS, hat ihren Hauptsitz in Hennigsdorf, Fabrikstraße 10, Geschäftsführerin ist Kerstin Thiele, Telefon: 03302 49980404.

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