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Heinz-Rudolf Kunze zu Gast in Oranienburg

© Foto: dpa-Zentralbild
Hagen Richau / 20.06.2016, 23:00 Uhr
Oranienburg (MOZ) Er ist einer der größten Liedermacher und Rockpoeten Deutschlands, veröffentlichte bisher fast 40 Alben und ist seit nunmehr drei Jahrzehnten fester Bestandteil der deutschen Musikgeschichte, Heinz Rudolf Kunze. Kürzlich erschien sein neues Album "Deutschland", und am 29. Juli gastiert er in Oranienburg. Hagen Richau fragte bei Kunze nach, was er über Fantreue, Deutschland und den Reiz der Muttersprache denkt.

Herr Kunze, freuen Sie sich auf Oranienburg?

Ja, ich freue mich eigentlich auf jedes Konzert, egal wo und wann. Wenn ich in guter körperlicher Verfassung bin und nicht mit irgendwelchen Blessuren oder Krankheiten antreten muss, ist doch jedes Konzert ein Grund zur Freude.

Sie waren einer der wenigen Künstler der Bundesrepublik, die im geteilten Deutschland in den Osten reisen durften. Haben Sie bei dieser Gelegenheit auch den Landkreis Oberhavel kennengelernt?

Das möchte ich bezweifeln. In der Zeit von 1987 bis 1989 haben wir uns nördlich von Berlin überhaupt nicht aufgehalten, sondern nur in Ost-Berlin, Leipzig, Dresden und Chemnitz beziehungsweise Karl-Marx-Stadt, wie es damals noch hieß. Oranienburg und die Gegend habe ich natürlich ab 1990 kennengelernt. Es dürfte kaum einen Flecken geben in der alten DDR, den ich seither nicht bereist habe.

Haben Sie musikalische Vorbilder? Wenn ja, welche?

Das werden wir jetzt in der Kürze der Zeit nicht behandeln können. Das ist etwas schwierig zu beantworten, wenn man 40 000 Platten hat. Aber wer sich ein bisschen mit meinem Werk beschäftigt, der wird natürlich gewisse Vorbilder heraushören.

Wie bereiten Sie sich auf einen Auftritt vor? Speziell für den kommenden in Oranienburg?

Ich ziehe mich eine Stunde vorher um und merke, dass mein Körper zwei Gänge runterschaltet. Ich werde ganz müde und wortkarg. Ich sitze in der Ecke und verfalle in eine Art Schildkrötenmodus, der sich dann eine Minute vor dem Auftritt von allein verabschiedet. Mein Körper macht das, ohne mich zu fragen. Vermutlich, um Kräfte zu sammeln, damit ich voll fokussiert bin, wenn es losgeht und das Adrenalin richtig fließen kann. Das ist eigentlich alles. Ich habe keine besonderen Rituale.

Kann man also von einer gewissen Routine sprechen?

Routine ist immer so eine Sache. Bei Einzelauftritten, wenn ich nicht genau weiß, wer meine Techniker sind, ob das wirklich meine Crew ist, ob ich mit Ersatzleuten arbeiten muss oder wie die technischen Umstände sind, da ist man dann doch etwas nervöser als auf der eigentlichen Tournee. Da hat man es jeden Abend mit den gleichen Leuten und den gleichen Geräten zu tun. Bei Einzelgeschichten ist das etwas stressiger, da ist man doch etwas alarmierter und achtet beim Spielen darauf, was als Nächstes kaputtgehen könnte. Wenn es sich um Stadtfeste handelt, wo nicht nur ich gebucht bin, dann weiß man außerdem, dass im Publikum auch Leute sind, die rein zufällig da sind und nicht meinetwegen. Die kann ich dann natürlich nicht so gut einschätzen in ihrer Reaktion, wie das eigene Publikum.

Herr Kunze, die deutsche Sprache ist in der Musik inzwischen wieder salonfähig geworden. Gerade viele junge Musiker singen heutzutage auf Deutsch. Sie waren dafür sicherlich ein Wegbereiter.

Ich finde, es ist einfach nur logisch, natürlich und zwangsläufig, dass man sich in der Muttersprache am besten ausdrückt. Ich spreche ja sogar Englisch, im Unterschied zu vielen anderen, die so tun, als könnten sie es. Ich singe nicht auf Englisch, weil ich niemals so gut Englisch sprechen werde, wie ich Deutsch kann. Deutsch ist die Sprache, mit der ich aufgewachsen bin, in der ich nachts träume. Insofern finde ich es absolut krank, in einer Sprache zu singen, die nicht die eigene ist.

Sie stehen inzwischen seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Bühne. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Das weiß ich nicht. Darum ist es wohl ein Geheimnis. Ich glaube, wenn man in Deutschland gute Arbeit macht, wenn man sich Mühe gibt und wenn man versucht, den Dialog mit seinem Publikum zu pflegen, dann kann man hier lange Musik machen. Englische und amerikanische Popkarrieren sind oft viel kürzer. Ich habe das Gefühl, das deutsche Publikum kann einen Künstler über einen längeren Zeitraum begleiten, zumindest wenn es der Ansicht ist, dass es ernst genommen und nicht verarscht wird.

Wo steht denn Deutschland Ihrer Meinung nach und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe, Deutschland steht da, wo mein Album es abbildet. Dann hätte ich damit etwas richtig gemacht. Deutschland ist ein sehr spannendes Land, momentan mit noch mehr Konfliktlinien denn je. Ich glaube, wir haben im Moment die größten Probleme zu bewältigen, zumindest seit der Wiedervereinigung, wenn nicht sogar seit Ende des Krieges. Durch die schwierigen Fragen der Integration und der Konfrontation mit anderen Religionen und Weltanschauungen sowie dem Auseinanderdriften von Europa und dem Aufkommen von rechten Parteien bei uns und überall, haben wir es hier mit einer schwierigen Gemengelage zu tun. Aber da kann man als Chronist, der man als Sänger und Liedermacher ist, nur sagen: Es bleibt absolut spannend.

Worauf dürfen sich die Oranienburger im Juli freuen?

Auf die beste Band der Welt, was sonst?

Noch eine abschließende Frage. Herr Kunze, wer wird Europameister?

Ich bin ein geübter Pessimist. Ich habe Deutschland oft wenig zugetraut. Es kam dann manchmal mehr dabei heraus, dann habe ich mich auch gefreut. Ich denke, dass Deutschland sicherlich zum Favoritenkreis gehört, aber alleiniger Favorit ist Deutschland nicht. Ich tippe auf das wieder erstarkte Spanien.

Wir verlosen für das Konzert auf dem Oranienburger Schlosshof am 29. Juli ab 21 Uhr, Einlass 19 Uhr, dreimal zwei Freikarten heute um Punkt 11 Uhr unter der Redaktions-Rufnummer 03301 596363.


■ Heinz Rudolf Kunze wurde am 30. November 1956 geboren. Sein Debütalbum "Reine Nervensache" erschien 1981, "Lola" (1984) war ein Riesenerfolg und mit seinem 1985 aufgenommenen Hit "Dein ist mein ganzes Herz" gelang ihm der internationale Durchbruch.
■ Im Februar veröffentlichte er sein neues Album "Deutschland". Am 29. Juli um 21 Uhr gibt Heinz Rudolf Kunze ein Konzert im Oranienburger Schlosshof.

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