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Wo ein Rindvieh noch Rindvieh sein darf

Streicheleinheiten gehören dazu: Ökobauerin Anja Hradetzky aus Lunow mit einer ihrer Kühe. Das Tier ist ein Allgäuer Braunvieh und hört auf den schönen Namen Wanda. Von der Weide aus kann man den Stolper Turm sehen.
Streicheleinheiten gehören dazu: Ökobauerin Anja Hradetzky aus Lunow mit einer ihrer Kühe. Das Tier ist ein Allgäuer Braunvieh und hört auf den schönen Namen Wanda. Von der Weide aus kann man den Stolper Turm sehen. © Foto: Stefan Csevi
Anja Rütenik / 21.06.2016, 07:15 Uhr
Lunow-Stolzenhagen (MOZ) Wesensgemäße Tierhaltung, handwerkliche Milchverarbeitung und solidarische Landwirtschaft haben sich Anja und Janusz Hradetzky vom Ökohof "Stolze Kuh" auf die Fahne geschrieben. Dafür wurden die Jungbauern kürzlich mit dem Existenzgründerpreis Barnim-Uckermark ausgezeichnet.

"Wir haben gedacht, wir fangen mit allen Idealen an", sagt Anja Hradetzky über den noch jungen Ökohof "Stolze Kuh" in Lunow-Stolzenhagen am nördlichen Rand des Barnim. Hier hat sich die 29-Jährige zusammen mit ihrem Mann Janusz einen Traum erfüllt.

Studiert haben beide an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde (Barnim). In das alte Gutshaus in dem knapp 1200 Seelen zählenden Dorf eingezogen sind Anja und Janusz Hradetzky im September 2014, kurz vor der Geburt ihres Sohnes. Die erste Kuh kam im April 2015 dazu. Aktuell grasen auf den Weiden 45 Rinder, darunter 15 Jungtiere: Allgäuer Braunvieh, Deutsches schwarz-buntes Niederungsrind, Angler Rotvieh und Tiroler Grauvieh.

Finanziert haben die Hradetzkys ihre Herde via Crowdfunding. Bei dieser Art der Finanzierung beteiligen sich viele Menschen als Kapitalgeber. Man könnte auch von Kuh-Anteilsscheinen sprechen. "Innerhalb eines Monats hatten wir das Geld zusammen", erzählt Anja Hradetzky. Vor allem Freunde haben Geld beigesteuert, um die Anschaffung der Kühe zu ermöglichen. Als Gegenleistung gab es Genussgutscheine für Fleisch und Milch von den Tieren.

Insgesamt 100 Hektar Land an der Grenze zwischen Uckermark und Barnim hat das Paar gepachtet. Die Weide, auf der die Kühe grasen, befindet sich im Naturpark Unteres Odertal. Zweimal am Tag wird auf der Weide gemolken, die Rohmilch an die Gläserne Molkerei in Münchehofe (Märkisch-Oderland) verkauft. Bei ihrer demeter-zertifizierten Heumilch setzen die Hradetzkys auf Qualität statt Quantität. "Wir sind mit 4500 Litern pro Kuh jährlich zufrieden", sagt Anja Hradetzky. Zum Vergleich: konventionell gehaltene Hochleistungskühe geben jährlich bis zu 10000 Liter Milch. Eine weitere Besonderheit: Die Kälber werden ammengebunden aufgezogen, das heißt, eine Kuh säugt jeweils noch ein fremdes Kalb mit und die Kälber bleiben bei der Herde. Das gibt es sonst nur bei einem weiteren Betrieb in ganz Brandenburg.

"Etwas romantischer habe ich es mir schon vorgestellt", räumt die junge Frau ein. Doch jetzt, in der Anfangsphase, gibt es viel Papierkram zu erledigen, und die Vereinbarung von Kind und Karriere ist auch für die Landwirtin nicht einfach. Zu tun gibt es bei der "Stolzen Kuh" genug: Neben dem täglichen Melken, dem Warten der Maschinen und der Büroarbeit baut das Paar noch den Stall um. Hier entstehen der Hofladen und ein Büro, "damit wir Arbeit und Privates besser trennen können". Für den kommenden Herbst ist zudem eine neue Crowdfunding-Aktion geplant. Damit wollen die Jungbauern das nächste Projekt verwirklichen: Eine eigene Käserei. Dafür muss ein Pasteur angeschafft werden. "Dann können wir selbst Trinkmilch herstellen."

Die Ideale und die innovative Herangehensweise an die Landwirtschaft hat auch das Netzwerk für Existenzgründer Barnim-Uckermark überzeugt. Auf der diesjährigen Inkontakt in Schwedt bekam die "Stolze Kuh" den Gründerpreis überreicht. Außerdem ist Anja Hradetzky für den Titel der Biolandwirtin des Jahres nominiert.

Ganz neu ist der Jungbauernmarkt, den die Hofgemeinschaft ab sofort jeden Sonnabend von 10 bis 12 Uhr vor dem Stall abhält. "Wochenmarkt statt Weltmarkt", lautet das Motto. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, hat am Sonnabend die Gelegenheit dazu. Dann lädt die "Stolze Kuh" zum Weidefest mit Schaumelken, Kuhflüstern und Kuhfladen-Bingo ein. Los geht's um 15 Uhr, Treffpunkt ist die Kanalbrücke in Lunow.

Mehr Informationen auf https://stolzekuh.wordpress.com/

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