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Ein Ergebnis wie geplant

Die Wahl hat er angenommen: Der Kreistagsvizepräsident Holger Schiebold überreichte Roger Lewandowski die Ernennungsurkunde. Acht Jahre lang ist er nun gewählter Landrat im Havelland - nach 25 Jahren SPD-Herrschaft.
Die Wahl hat er angenommen: Der Kreistagsvizepräsident Holger Schiebold überreichte Roger Lewandowski die Ernennungsurkunde. Acht Jahre lang ist er nun gewählter Landrat im Havelland - nach 25 Jahren SPD-Herrschaft. © Foto: Rachner
Patrik Rachner / 21.06.2016, 22:30 Uhr
Havelland (MOZ) Es ist vollbracht. Roger Lewandowski (CDU) ist Havellands neuer Landrat. Der Falkenseer hat sich ohne großes Probleme im Kandidatenwirrwarr durchgesetzt und das sogleich im ersten Wahlgang. Zuvor gab es ein zuweilen ernstes und mit Abstrichen auch lustiges Schauspiel während der Vorstellungsrunde der zehn Bewerber. Chancenlos waren bis auf Lewandowski jedoch alle.

Eigentlich waren die Messen längst gelesen, nachdem in der vergangenen Woche die Fortschreibung der Zählgemeinschaft bestehend aus SPD, CDU, sowie FDP, Bauern und Familienpartei vertraglich besiegelt wurde. Ihr gemeinsamer Kandidat Roger Lewandowski setzte sich deshalb auch erwartungsgemäß und keinesfalls überraschend durch, verfügen die Vertragspartner politisch doch über eine komfortable Mehrheit im Kreistag. Entsprechend desillusioniert waren zumindest die Bewerber, die kein Parteibuch haben. Das kam in ihren Redebeiträgen deutlich zum Ausdruck. Ihre Appelle, die Wahl ernst zu nehmen und sie als Chance zu verstehen, weil sich der Bewerber der Zählgemeinschaft ja eigentlich in Haupt- und Stichwahl nicht durchgesetzt hatte, nutzten am Ende rein gar nichts. Vergebene Mühen.

Dennoch haben sie, bis auf Bewerber Rolf Kicinski, ihr fünfminütiges Rederecht vollends ausgeschöpft. Seine "Hoffnung, der Kreistag würde einen Neuanfang wagen" und eine "freie Gewissensentscheidung" fällen, sollte am Ende jedoch verpuffen. Markus W. Göbler aus Falkensee, der vor "innovativer Schaffenskraft" sprühe und frei von "parteipolitischen Zwängen" sei, sagte, er könne mit seiner Erfahrung als Unternehmer "sehr viel erreichen" und das Ost-West-Gefälle im Landkreis mit einem erfolgreicherem Krisenmanagement durch eine starke Wirtschaftspolitik bekämpfen, wie er sehr ernsthaft betonte. Doch auch er wurde nicht erhört. Manfred Grube, Ingenieur aus dem Milower Land, zeigte sich mit Blick auf die Absprachen der Zählgemeinschaft gleichfalls ernüchtert. Mit Verweis auf Haupt- und Stichwahl sah er den Volkeswillen nicht vertreten, so dass er sich selbst als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Verwaltung ins Spiel gebracht hatte. "Die freiheitliche demokratische Grundordnung wird mit Füßen getreten", sagte er. Bewerber Robert Heller, ehemaliger Kreistagsabgeordneter aus Nauen, der für gleichen Lohn für gleiche Arbeit kämpfen wolle, sprach mit Blick auf die Vereinbarung der Zählgemeinschaft von einem "Theater", das "auf keine Kuhhaut" gehe. Silvio Molkentien aus Schönwalde, der als Wirtschaftsingenieur am Bau des BER mitwirkt und dessen Herz als Sozialdemokrat links schlage, wartete während der Vorstellungsrunde mit zahlreichen Expertisen auf. Sein Tenor: Der Kreisverwaltung habe mit Blick auf die Finanzen Einsparpotenziale. "Wenn es heute nicht klappt, dann sehen wir uns in acht Jahren wieder", sagte er am Ende seiner Rede forsch und selbstbewusst. Heiko Weinaug aus Berlin mahnte an, dass keiner der Spitzenkandidaten bei den vorherigen Wahlen die Bevölkerung überzeugen konnte. Insofern sei das demokratische Ergebnis zu respektieren und er als überparteilicher Kandidat, der mit allen zusammenarbeiten wolle, ein geeigneter Landrat - alles andere wäre ein verheerendes Signal a la der Kreistag mache eh, was er wolle, meinte auch er mit Blick auf die Zählgemeinschaft. Die Bewerbungsreden von Roger Lewandowski (CDU) und Harald Petzold (Die LINKE) offenbarten nichts Neues. Letzterer appellierte erneut an den Kreistag, die politische Kultur möge sich zum Positiven verändern. Lewandowski hatte etwa zuletzt dahingehend betont, dass er künftig mit weitestgehend allen Akteuren im Kreistag im Vorfeld von Entscheidungen einvernehmliche Lösungen erzielen wolle. Indes sorgten Thomas Fuhl, der Christdemokrat trat ohne Rückendeckung seiner Partei auf eigenem Ticket an, und Lars Krause (Die PARTEI) wenigstens für einige Lacher - mal mit Fremdschämen verbunden, mal irrsinnig komisch. Fuhl jedenfalls, der keine Befindlichkeiten, Animositäten, Sorgen oder Ängste habe, zeigte sich auf Konfrontationskurs zu seiner Partei. Er sei erst jetzt angetreten, weil er im Januar als seine Parteifreunde Lewandowski per Wahl nominiert hatten, keine Chance gehabt hätte. Weil die Haupt- und Stichwahl allerdings kein Ergebnis offenbart hatte, habe er sich entschieden, in seinem Havelland Landrat zu werden. Er sei jemand, der ein neues Miteinander wagen möchte - abseits von Parteipolitik. Doch auch er scheiterte. Lars Krause, der die "Volksverdreher" im Kreistag umgarnte und zugleich mit Blick auf die Wahlversammlung im Kreistag von einem "reinen Zirkus" sprach, da die Entscheidung schon im Vorfeld festgestanden habe. Er warb für eine "Monarchie" unter seiner Regentschaft. "Mögen die Damen und Herren Gebietsreformer des Woidke-Regimes andere Gebiete reformieren. Ich werde diesen Irrsinn zu verhindern wissen und den Regierungssitz notfalls auf die Cayman-Inseln outsourcen, damit endlich auch uns Havelländern möglichst günstige Steuersätze zuteil werden", gab er unter anderem zum Besten. Für weiter Utopien erntete er Lacher, jedoch keine Stimmen.

Die eigentliche Wahl selbst verlief wie letztlich erwartet unspektakulär. Die Ausnahme: Auf Antrag des Fraktionsvorsitzenden der AfD, Kai Gersch, mussten, "um die Demokratie zu retten", alle Bewerber für den Wahlvorgang zugelassen werden - "explizit auch der, der Linken". Andrea Johlige, Fraktionschefin der Linken, ließ sich auf das Scharmützel ein und sagte: "Wir brauchen die AfD nicht, um die Demokratie zu retten. Wir hätten es auch alleine hinbekommen, Harald Petzold vorzuschlagen." Um 18.30 Uhr war es dann soweit: Nachdem die 50 wahlberechtigten Abgeordneten ihre Stimmen abgegeben hatten und die Auszählung erfolgt war, brandete zugunsten von Roger Lewandowski Jubel aus. Vor Glückwünschen und Blumensträußen konnte er sich kaum retten, ehe er Interviews gab und sich weiter "riesig" freute und sich feiern ließ.

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