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Glyphosat im Trinkwasser-Schutzgebiet

Ines Rath / 22.06.2016, 06:54 Uhr - Aktualisiert 22.06.2016, 10:16
Seelow (MOZ) Vor den Verwaltungschefs der meisten Mitgliedsgemeinden - Golzows Amtsdirektor Lothar Ebert fehlte erneut - hat der Vorsteher des Wasser- und Abwasserzweckverbandes (WAZ) Seelow, Gerhard Schulze, am Montagabend eine insgesamt positive Bilanz gezogen: 215 000 Euro Gewinn hat der Verband im vorigen Jahr gemacht, 75 000 im Trink- und rund 140 000 Euro im Abwasserbereich. Das Geld wird zum Ausgleich von Verlusten aus Vorjahren verwendet, kommt zum Teil in die Rücklage. Im Grunde ist der Überschuss noch größer, denn 280 000 Euro sind als Rückstellung für dieses Jahr verbucht worden. Damit werden die seit Jahresbeginn wirksamen Gebührensenkungen abgesichert. Insgesamt verfügt der Verband über fast eine halbe Million Euro Rückstellungen, hinzu kommen rund 300 000 Euro liquide Mittel.

Das gute Ergebnisse hat mehrere Ursachen. Eine ist der wieder leicht gestiegene Trinkwasserverbrauch. Er lag 2015 bei 102 Litern je Einwohner und Tag. Im Jahr zuvor waren es nur 95,4 Liter.

Auf eine entsprechende Nachfrage der Amtsdirektorin von Seelow-Land, Roswitha Thiede, bestätigte Gerhard Schulze: Die in der Seelower Region lebenden Flüchtlinge haben zum höheren Wasserverbrauch beigetragen - aber nicht nur sie. Auch deutsche Familien verbrauchen wieder mehr Wasser als noch vor ein paar Jahren. Seelows Bürgermeister Jörg Schröder berichtete, dass einige Wohnungsunternehmen klagen würden, dass sie auf höheren Kosten für den Wasserverbrauch von Flüchtlingen sitzen blieben, der Landkreis nur eine Pauschale zahle.

Der Seelower Wasserverband hat im vorigen Jahr mehr investiert, als geplant war - insgesamt rund 673 000 Euro. Es handelte sich im Wesentlichen um Eigenmittel, so Gerhard Schulze. Das meiste Geld ist in den Trink- und Abwasserleitungsbau in Podelzig geflossen. Eine Folge des Kanal-Anschlusses der Podelziger Kunden: Im Vorjahr sind rund 12 000 Kubikmeter Abwasser mehr entsorgt und in den beiden Kläranlagen des Verbandes in Seelow und Manschnow gereinigt worden.

Diese seien im Durchschnitt zu 62,5 Prozent ausgelastet, berichtete der Verbandsvorsteher. Seit der Pleite des Frenzel-Werkes ist eine "Straße" der Manschnower Kläranlage stillgelegt.

Als ein Problem nannte der Berichterstatter die gestiegene Zahl der Rohrbrüche. Es waren im Vorjahr mehr als 60. Wobei der Zuwachs klar von maroden Hauswasser-Anschlussleitungen her rühre. Es sei oft viel Überzeugungsarbeit nötig, um Grundstückseigentümer zu motivieren, ihre teils mehr als 60 Jahre alten Wasserleitungen auszuwechseln, so Gerhard Schulze.

Auf das abzusehende Verbot der landwirtschaftlichen Nutzung des auf dem Libbenichener Birkenhof getrockneten Klärschlamms des WAZ Seelow ist der Verband nach Aussage des Verbandsvorstehers vorbereitet: Noch mehr getrocknet, könne das Pulver verbrannt werden, legte Schulze dar.

Auf Roswitha Thiede's Frage, ob sich der Einsatz von Glyphosat auf Feldern im Einzugsbereich des Seelower Wasserwerkes aufs Trinkwasser auswirke, sagte der Verbandsvorsteher: Im vorigen Jahr sei an einem der Vorfeldpegel in den Trinkwasser-Schutzzonen ums Wasserwerk ein erhöhter Wert festgestellt worden. "Wir haben die Landwirte und die Wasserbehörde informiert" und er habe "zum Teil böse Töne angeschlagen", erklärte Gerhard Schulze dazu.

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