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Job-Perspektive für Langzeitarbeitslose

Schubkarre für Schubkarre: Elf Tonnen Sand haben Klaus Wolf (58 Jahre) und die anderen Mitarbeiter der ABS Hennigsdorf in einer Sechs-Stunden-Schicht hin- und herbewegt.
Schubkarre für Schubkarre: Elf Tonnen Sand haben Klaus Wolf (58 Jahre) und die anderen Mitarbeiter der ABS Hennigsdorf in einer Sechs-Stunden-Schicht hin- und herbewegt. © Foto: MZV
Burkhard Keeve / 22.06.2016, 23:59 Uhr
Oberhavel (OGA) Eine Schicht haben sie gebraucht, um elf Tonnen Sand zu bewegen. Schippe um Schippe, Schubkarre für Schubkarre. Nach sechs Stunden ist ihr Arbeitstag zu Ende. Doch die Zeit hat gereicht. Der große Sandkasten der Oranienburger Kita Knirpsenland ist frisch gefüllt und der verdreckte Inhalt ist wieder einmal ausgewechselt worden. Die Katzen aus der Nachbarschaft nutzen ihn gern als ihr Katzenklo. Frischer Sand ist auch unter der Schaukel und Balancierstange verteilt worden. Die vier Männer haben ordentlich reingeklotzt, trotz Regenwetter sind sie gut gelaunt.

Vielleicht liegt das an den beiden Michaels - Michael Neie (44 Jahre) und Michael Heyer (54 Jahre). Sie betreuen die Männer bei der Arbeit an der Kita. Sie loben, machen klare Ansagen, scherzen, Sprüche fallen, wie auf einer richtigen Baustelle. So soll es auch sein. Denn die insgesamt 21 Männer und Frauen, die sie unter ihren Fittichen haben, sind ehemalige Langzeitarbeitslose.

"Von Hartz IV kann man auf Dauer nicht leben", sagt der 58-jährige Klaus Wolf und füllt die nächste Schubkarre. Sechs Stunden am Tag, fünf Tage die Woche stehen sie jetzt auf der Matte. Sie haben einen richtigen Arbeitsvertrag in der Tasche, einen, den viele von ihnen - teils seit Ewigkeiten - nicht in den Händen hielten. Jetzt haben sie - zunächst auf ein Jahr beschränkt- eine Perspektive. So heißt auch die Maßnahme "Perspektive Job". Träger ist die Hennigsdorfer Beschäftigungsgesellschaft ABS.

Wer sich in dem Jahr bewährt, erhält die Chance auf ein weiteres Jahr bei ABS. "Am besten wäre es natürlich, sie erhalten ein festes Jobangebot", sagt Michael Neie. Sie werden geschult, sie können Hecken schneiden, Bänke aufmöbeln, Wege anlegen, Bäume kartieren, Fahrradwege vom Grün befreien, Hausmeister unterstützen. "Arbeit gibt es genug", sagt Neie. Dafür sorgt die AMI-Süd-Familie (siehe Hintergrund). Sie besteht aus sieben Kommunen von Glienicke bis Liebenwalde. Immer wenn Arbeiten anstehen, wie Sand auszutauschen in den Kindergärten der Gemeinden, oder Wege zu pflastern, oder die Oranienburger Pferdeinsel von Unkraut zu befreien, dann werden die Mitarbeiter der beiden Michaels angefordert. "Das läuft prima", sagt Neie. Und die ehemaligen Langzeitarbeitslosen, denen "multiple Vermittlungshemmnisse" attestiert werden, sind zumindest eine Zeit lang raus aus dem Hartz-IV-Bezug. "Diese Arbeit ist eine Chance. Jetzt ist es nur noch ein Schritt vom Sechs-Stunden-Tag bis zu normalen Acht-Stunden-Arbeitstag", sagt Neie.

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