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Der Drachenboot-City-Cup in Grünau ist eine feucht-fröhliche Party mit viel Schweiß und Herzblut

Finale im Achtersaufen

Berliner Drachenboot-City-Cup
Berliner Drachenboot-City-Cup © Foto: MOZ/Sandra Jütte
Sandra Jütte / 26.06.2016, 21:40 Uhr - Aktualisiert 26.06.2016, 21:42
Berlin (MOZ) Wenn 20 Menschen in einem langgestreckten Boot im Takt einer Trommel um ihr Leben paddeln, dass das Wasser bis weit über die Bordkante spritzt, ist das Drachenboot fahren. Zum 19. Mal wurde am Wochenende auf der Regattastrecke in Grünau der Berliner City-Cup ausgetragen.

Als die Tram 68 am Sonnabendmorgen vor den Regattatribünen in Grünau hält, entsteigen ihr ein Dutzend Menschen, bewaffnet mit Picknicktaschen. Vom Eingang des Geländes schwappt ein Gemisch aus Popmusik, Stimmengewirr und leisem Trommeln herüber. An diesem Tag, an dem die Röcke kurz sind und die Sonne vom Himmel brennt, ist die Olympia-Regattastrecke von 1936 erneut Austragungsort des Berliner Drachenboot-City-Cups. Bei der Sportart, die eine jahrhundertealte Tradition in China hat, legen sich 20 Paddler im Gleichtakt in die Riemen, gelenkt vom Steuermann, angefeuert von einem Trommler. 80 Teams - Amateure bis Profis - messen sich an diesem Tag in verschiedenen Leistungsstufen.

Begrüßt wird jeder Besucher vom Duft von Waffeln und gebratenen Nudeln. Die Wiese vor der Uferkante ist dicht besiedelt mit Imbissbuden und Partyzelten, in denen die aus ganz Deutschland und sogar Polen angereisten Mannschaften in roten, blauen oder weißen T-Shirts Einheiten bilden. Sie tragen Namen wie "Speedzicken", "Freakshow" und "The Swimming Stones". Weil "zu einer asiatischen Sportart auch asiatische Teams gehören", ist auch Kien Ly mit den "Taiwan Dragons" da, deren Mitglieder allerdings neben taiwanesischen auch chinesische und deutsche Wurzeln haben. Die Mannschaft hat Spezialitäten wie etwa in Sojasoße eingelegte Eier im Gepäck. Überhaupt wirkt die ganze Veranstaltung wie ein großes Picknick, bei dem sich jeder gerne mit einem Sprung ins kühle Nass vom Anleger gegenüber den schattenspendenden Regattatribünen den Schweiß von der Haut wäscht.

Neben dem Siegerwillen wird auch der Spaß beim Drachenbootrennen ganz groß geschrieben. So dürfen sich die Teilnehmer ebenso im Drachenboot-Tauziehen messen, bei dem ein Team das andere im selben Boot über eine Linie paddeln muss. Oder in Spaßwettbewerben gegen die "Wann Sea's", die Männermannschaft der veranstaltenden Berliner Dragonboat Company, antreten. Dass Drachenboot fahren ein echter Teamsport ist, beweist der Verein an diesem Tag wieder als alljährlicher Gastgeber. Routiniert übernehmen die mehr als 70 Frauen und Männer von der Rennorganisation bis zum Stellen der Steuermänner alles. Die roten T-Shirts einiger Helfer mit den Aufschriften "Mädchen für alles" oder "Junge für nichts" entlocken so manchem Besucher ein Schmunzeln. Seit 7 Uhr in der Früh sind alle im Einsatz, obwohl am Abend zuvor schon vorgeglüht wurde. "Das gehört bei uns dazu und trotzdem können wir noch gut paddeln", lacht Elke Linke. Damit spielt sie darauf an, dass der Verein einen großen Teil der Drachenboot-Nationalmannschaft stellt. Die 53-Jährige ist in der "Kommandozentrale", vor dessen Eingang ein vier Meter hoher, mit Luft gefüllter Drache thront, Ansprechpartner für alle Fragen.

Je weiter der Tag voranschreitet, desto schneller fließt, trotz der Temperaturen, auch das Bier aus den Zapfhähnen. Sobald aber das "Are you ready? Attention! Go!" am Start ertönt, sind alle wieder hochkonzentriert und gewillt, den Pokal - eine Winkekatze auf einem Holzfuß - nach Hause zu holen. Dann schießen die Boote wie Pfeile Richtung Ziel über die Regattastrecke während der tiefe Sound der Trommeln über das Wasser schwappt. Belohnt wird die Mühe bei der Siegerehrung von Betty Ho, die vom Moderator nur liebevoll "Miss Ho" genannt wird. Die Leiterin des Wirtschafts- und Handelsbüro in Hongkong, das die Veranstaltung sponsert, übergibt am Ende die Trophäen. Die Uckerdrachen aus Prenzlau sind im A-Finale nur auf Platz Fünf gelandet, aber dennoch zufrieden. Die 40- bis 60-Jährigen trainieren "mindestens viermal pro Woche. Den Uckersee rauf und runter", erklärt Teamkäpt'n Mike Förster.

Am Abend, als die Dahme wieder ruhig daliegt, gibt es noch einen Klassiker: im Achtersaufen müssen die Teams möglichst schnell acht Gläser Bier leeren, ganz stilecht oben ohne. Danach wird in dem im DDR-Stil belassenen Olympiacafé gefeiert, bis die Sonne über den Müggelbergen aufgeht. Ein zufriedenes Lächeln liegt auf den Gesichtern. Claudia Tschirch vom Verein bringt es auf den Punkt: "Schöner kann man Sport, Arbeit und Freizeit nicht verbinden."

Ergebnisse


■ 100 Meter Open:1. Wann Sea's (Berlin), 2. All Sports (Hannover), 3. NT 50 (Berlin)
■ 100 Meter Mixed:1. Speedform Dragons (Wolfsburg), 2. Freakshow (Cottbus), 3. SVB Blue Bulls (Rostock)
■ 200 Meter Open:1. Wann Sea's (Berlin), 2. Steel Dragon (Brandenburg), 3. All Sports (Hannover)
■ 200 Meter RhönSprudel-Cup:1. CC Sharks (Berlin), 2. ABC Schützen (Berlin), 3. Grünpunktjolle (Berlin)
■ 200 Meter Hongkong-Cup:1. Dok'n'Roll (Wolfsburg), 2. Sunshine Dragons (Schwerin), 3. Torpedo Rot-Weiß (Berlin)
■ 200m Meter Berliner Pilsener Cup:1. Bloody Hedgehogs (Berlin), 2. w.i.r. (Berlin), 3. Speedform Dragons (Wolfsburg)
■ 500 Meter Open:1. Wann Sea's (Berlin), 2. All Sports (Hannover), 3. NT 50 (Berlin)
■ 1000 Meter Open:1. NT 50 (Berlin), 2. Wann Sea's (Berlin), 3. Steel Dragon (Brandenburg)
■ 1000 Meter Mixed:1. All Sports (Hannover), 2. NT 50 (Berlin), 3. w.i.r. (Berlin)

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