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Polens Nationaltorhüter stammt aus Slubice

Dietrich Schröder / 29.06.2016, 19:04 Uhr
Slubice (MOZ) Seit er durch seine Glanzparaden Polen gegen die Schweiz den Weg ins heutige Viertelfinale bei der Europameisterschaft ebnete, ist Lukasz Fabianski östlich der Oder ein gefeierter Held. Seine Laufbahn als Torhüter begann bei Polonia Slubice.

Dass Polens Elf in der Verlängerung des Achtelfinalspiels gegen die Schweiz die Kräfte ausgingen, war unübersehbar. Ein Spieler aber hielt das Unentschieden fest - Lukasz Fabianski. Der Mann mit der Nummer 22 wehrte nicht nur die Schüsse von Eren Derdiyok und Haris Seferovic ab, nach einem schmerzhaften Kopfstoß mit Breel Embolo stand er auf, als sei nichts geschehen. "Auch wenn Lukasz beim Elfmeterschießen keinen Ball mehr hielt, hat er uns doch erst dorthin gebracht." Das betonte nicht nur Polens Kapitän Robert Lewandowski, sondern haben auch Millionen Fans so empfunden.

In Slubice war die Freude besonders groß. Denn hier ist der heute 31-Jährige aufgewachsen, nachdem er im April 1985 in Küstrin (Kostrzyn) das Licht der Welt erblickt hatte. Seine Eltern leben nach wie vor in dem Nachbarort von Frankfurt (Oder).

"Sie sind fleißige und ganz bescheidende Leute, das haben sie auch Lukasz mitgegeben", sagt Andrzej Martynski. Der Vorsitzende des Vereins Polonia Slubice zeigt ein Foto, auf dem Fabianski als 13-Jähriger zu sehen ist. " fand hier bei uns eine Autogrammstunde mit den früheren Nationalspielern Andrzej Szarmach und Stanislaw Oslizlo statt. Vielleicht ist da ja seine Begeisterung am Fußball entstanden", spekuliert Martynski.

Jedenfalls fing Lukasz 1999 bei der Jugend von Polonia an und stand von Beginn an im Tor. "Er war schon damals ein großes Talent, weshalb ihn seine Eltern drei Jahre später auf eine Fußballschule bei Posen schickten, in der besonders Torhüter trainiert wurden", berichtet sein erster Trainer Jerzy Grabowski.

"Wir alle sind mächtig stolz auf Lukasz", sagt auch Piotr Dmuchowski. Er hat nicht nur in der Jugend mit Fabianski gespielt, sondern ist wie dieser Torwart. Allerdings mit einem kleinen Klassenunterschied: Dmuchowski, der Deutschlehrer in Slubice geworden ist, steht bei Blau-Weiß Markendorf zwischen den Pfosten, dem Team aus einem Ortsteil von Frankfurt (Oder), das in der Brandenburger Landesklasse Ost spielt. "Lukasz hat mir schon öfters ausgediente Handschuhe vermacht, denn von seinem Ausrüster Adidas bekommt er ja mehr als ein Dutzend neue pro Jahr", berichtet er. Das Gleiche trifft übrigens auf Rafal Lopusiewicz zu, dem polnischen Torhüter von Victoria Seelow. Dieser ist mit seinem Team in der NOFV-Oberliga Nord zu Hause.

Bei so vielen Verbindungen über die Grenze ist es kein Wunder, dass beim Public-Viewing des Spiels beider Mannschaften in der Vorrunde unter der Frankfurter Oderbrücke immer wieder der Name "Lukasz Fabianski" gerufen wurde. Dessen Karriere glich bisher einer Sinuskurve. Nachdem er 2006 mit Legia Warschau polnischer Meister geworden war, wurde er auch für die WM in Deutschland ins Nationalteam berufen. Das Turnier verbrachte er jedoch genauso auf der Reservebank wie die EM zwei Jahre später. Als 2012 dann die Europameisterschaft in Polen ausgetragen wurde, musste er wegen einer Verletzung passen.

Auch in diesem Jahr war Fabianski nur als Nummer 2 hinter Wojciech Szczesny nominiert, dem gleichen Kollegen, der ihn vor zwei Jahren als Stammtorhüter bei FC Arsenal verdrängt hatte. Seither spielt Fabianski bei Swansea City, einem Waliser Verein, der der Premier League angehört.

Doch als sich Szczesny im ersten Spiel gegen Nordirland verletzte, rückte Fabianski in die Startelf. "Dass einer von uns jetzt im Viertelfinale der EM steht, ist der größte Erfolg in der Geschichte von Polonia Slubice", sagt Andrzej Martynski. Natürlich hofft er heute auf einen Sieg auch gegen Portugal.

Fabianskis Eltern haben trotz der Erfolge ihres Sohns bisher noch keinem Medium ein Interview gegeben. "Sein Vater Jan ist Taxifahrer bei uns in Slubice. Vielleicht haben Sie ja Glück und treffen ihn da einmal", rät Andrzej Martynski.

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