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Piraten-Partei in der Bedeutungslosigkeit: "Nicht mehr auf dem Radar"

Hat das Steuer übernommen: Thomas Bennühr
Hat das Steuer übernommen: Thomas Bennühr © Foto: privat
Burkhard Keeve / 05.07.2016, 06:45 Uhr
Glienicke (MOZ) Der 57-jährige Glienicker Thomas Bennühr ist seit einer Woche neuer Landesvorsitzender der Piraten in Brandenburg. Bislang hat er Piraten-Politik in der Glienicker Gemeindevertretung und seit April 2014 auch im Kreistag Oberhavel gemacht. Redakteur Burkhard Keeve sprach mit dem frisch gewählten Vorsitzenden.

Herr Bennühr, waren Sie vorher schon auf Landesebene aktiv?

Fangen wir vorn an: Ich war mit der Politik insgesamt nicht zufrieden. Es gab keine Partei, die mir passte und die zu mir passte. Nach der Berlinwahl 2011 habe ich mir dann das Grundsatzprogramm der Piraten mal angeguckt und habe gedacht: Okay, es sieht sozial und liberal aus. Das hat gepasst. Dann war ich auch mal im Kreisvorstand der Piraten in Oberhavel. Doch jetzt war es an der Zeit zu sagen, entweder wir gehen den Bach weiter runter oder du schmeißt dich da selber rein und guckst, was du machen kannst.

Die Mitgliederzahlen sinken, die Piraten sind kaum noch sichtbar. Wie soll sich das ändern?

Durch die sinkenden Prozentzahlen sind wir für die Medien nicht mehr interessant. Wer unter drei Prozent rutscht, ist nicht mehr auf dem Radar. Ich habe von vielen gehört, die Piraten sind tot, es lohnt sich nicht mehr, sich für sie einzusetzen. Doch die Grundthematik stimmt immer noch. Die Programmatik ist gut. Wir haben uns in Brandenburg das Ziel gesetzt, uns im nächsten Jahr mit guten Leuten und Themen wieder verstärkt zu Wort zu melden. Unser Vorstand ist so aufgestellt, dass ich glaube, wir können es schaffen, die Piraten wieder in die Öffentlichkeit zu kriegen.

Es gibt aktuell 700 Mitglieder in Brandenburg. Wie viele Piraten gibt es in Oberhavel?

Zwischen 50 und 60.

Was bedeutet es, Landeschef in Brandenburg zu sein. Was machen Sie da?

Eigentlich macht der Vorstand bei den Piraten reine Verwaltungsarbeit wie Mitglieder und Zahlen verwalten und Pressemeldungen verfassen. Mittlerweile ist es aber akzeptiert, dass der Vorstand auch politisch arbeiten soll. Unsere Aufgabe ist es jetzt erst einmal, diejenigen von uns, die sagen: ,Ach!, das bringt nichts mehr', wieder zurück ins Boot zu holen. Wir sind nur ein harter Kern von 66 Aktiven in ganz Brandenburg. Gerade haben wir mit den Karteileichen in der Mitgliederliste aufgeräumt.

Wie viele Leichen haben Sie gefunden?

Vorher waren es noch tausend Mitglieder, jetzt 700. Das ist jetzt eine ehrliche Zahl. Ich will auch ehrliche Politik machen.

Sie haben ein Jahr Zeit, die Piraten zu führen. Was kann da viel geschehen?

Ja jedes Jahr wird der Vorstand neu gewählt. Wir wollen jetzt eine Initiative starten, damit die nächste Wahl erst nach der Bundestagswahl stattfindet und nicht vorher. Das ist ein strategischer Knackpunkt, nicht zwei Monate vor der Wahl plötzlich den Vorstand zu ersetzen. Das funktioniert nicht. Wir wollen die innere Struktur neu aufbauen, um dann in die politische Arbeit zu gehen. Felder haben wir genug. Braunkohle, EEG, Naturschutz und Transparenz um nur einige zu nennen.

Stichwort Transparenz. Ihr Internetauftritt www.thomas.bennühr.eu ist steinalt. Da bewegt sich nichts.

Ja. Der ist superalt, gebe ich zu (lacht). Aber die Gemeindevertretung in Glienicke ist aktiv, das frisst viel Zeit, das habe ich unterschätzt. Dann der Kreistag, da fehlte mir die Zeit, dass alles zu aktualisieren. Wir sind quasi Einzelkämpfer.

Werden Sie irgendwo kürzertreten?

Die Piratenpartei bleibt im Kreistag.

Das heißt?

Mehr dazu sage ich zu einem späteren Zeitpunkt.

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