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Streit um Fußball-Trainingszeiten

Trainingsbesprechung auf dem Fußballacker: Übungsleiterin Michaela Schulz vom 1. FC Schöneiche spricht am Rand des Geländes mit ihren kleinen Fußballern. Die Trainingsbedingungen auf dem Bolzplatz an der Jägerstraße missfallen ihr
Trainingsbesprechung auf dem Fußballacker: Übungsleiterin Michaela Schulz vom 1. FC Schöneiche spricht am Rand des Geländes mit ihren kleinen Fußballern. Die Trainingsbedingungen auf dem Bolzplatz an der Jägerstraße missfallen ihr © Foto: Michel Nowak
Michel Nowak / 06.07.2016, 19:23 Uhr
Schöneiche (MOZ) Die Nachwuchs-fußballer des 1. FC Schöneiche sind unzufrieden mit ihren Trainingsbedingungen. Die Jugend des Vereins muss teilweise auf einem öffentlichen Bolzplatz trainieren, weil sie zu wenige Übungszeiten auf dem angestammten Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportplatz erhält.

Über den holprigen Rasen am östlichen Ortsende von Schöneiche flitzt ein Dutzend Jungs dem Ball hinterher. Trainerin Michaela Schulz gibt Anweisungen, Eltern stehen in Grüppchen zusammen. Eigentlich eine ganz normale Trainingseinheit, nur dass die hier auf dem öffentlichen Bolzplatz Jägerpark stattfindet. Die Tore hat Michaela Schulz zuvor aus dem Kofferraum ihres Autos geholt. Sanitärräume oder Umkleidekabinen gibt es nicht. Und ganz freiwillig sind die Kicker auch nicht hier: "Aber das hier ist unsere einzige Chance, am Montagnachmittag trainieren zu können", sagt Michaela Schulz.

Viel lieber wäre sie auf dem großen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportplatz an der Babickstraße. Dort erhalte der vor gut zwei Jahren gegründete 1. FC Schöneiche mit seinen 50 Mitgliedern von "Platzhirsch" Germania Schöneiche aber nur sehr begrenzt Trainingszeiten: Dienstags kann die D-Jugend dort trainieren, am Freitag teilen sich D- und F-Jugend einen Platz. "Das reicht nicht", sagt Michaela Schulz. "Wir brauchen eine zweite Zeit für die F-Jugend. Immerhin nehmen wir auch am Spielbetrieb teil."

Deshalb kommen ihre Jungs nun montags seit Anfang März auf den Bolzplatz an der Jägerstraße. Zwar hat die Gemeinde den zwischenzeitlich planieren lassen, die Bedingungen hält Michaela Schulz dennoch für unzumutbar. Was sie dabei besonders ärgert: "Ich glaube, dass es am Montagnachmittag sehr wohl Kapazitäten auf dem Sportplatz an der Babickstraße gibt", sagt Michaela Schulz und zeigt dessen Belegungsplan: "Einer der Kunstrasenplätze müsste frei sein." Ihre Anfragen habe Germania Schöneiche aber bisher negativ beschieden. Möglicherweise spiele dabei auch die Konkurrenzsituation beider Vereine eine Rolle. Michaela Schulz hatte Germania vor fast drei Jahren im Streit verlassen und den 1. FC Schöneiche gegründet.

Sogar an Schöneiches Bürgermeister Heinrich Jüttner habe sich ihr Verein gewandt. Doch von ihm gebe es keine Unterstützung. "Es kann nicht sein, dass sich ein Bürgermeister da raushält", so Michaela Schulz.

Heinrich Jüttner bestätigt tatsächlich, dass hier die Vereine selbst gefordert seien. "Germania ist Nutzer des Platzes an der Babickstraße, mit diesem Verein haben wir einen Vertrag", so Jüttner, "dafür müssen sie dort zusätzlich andere Leistungen erbringen." Deshalb sei auch der SV Germania Schöneiche für die Vergabe von Trainingszeiten verantwortlich. Gleichzeitig äußert der Bürgermeister durchaus Verständnis, dass nicht alle Plätze permanent besetzt sein können. "Da müssen auch Leerlaufzeiten geplant werden, eine Spielfläche muss sich erholen." Die Kunstrasenplätze seien so beansprucht, dass sie zehn Jahre vor der eigentlichen Zeit erneuert werden müssten. "Wir brauchen mehr Sportflächen in Schöneiche - aber das dauert eben", so Jüttner.

Bis dahin müssten sich die Vereine zusammensetzen. Es könne auch nicht jeder zur Kernzeit kurz vor 18 Uhr trainieren: "Ich habe schon Schlichtungsgespräche geführt, aber da treten wir auf der Stelle." Übrigens habe er als Kind selbst auf einem Bolzplatz Fußball gespielt und Spaß gehabt: "Es gibt heute sehr hohe Ansprüche. Wir sind aber ein Dorf und nicht der FC Barcelona."

Michaela Schulz sieht sich indes mit dem 1. FC Schöneiche als Verein zweiter Klasse behandelt. "Die Gemeinde hat sich verpflichtet, ihre Vereine zu fördern. Wann werden wir aber gefördert?", fragt sie. Es gehe auch überhaupt nicht darum, Konflikte zu schüren: "Wir wollen nicht Germania ärgern, wir wollen nur dort trainieren, ohne jemanden zu stören."

Enrico Mauthner, neu gewählter Vorstand des SV Germania Schöneiche, teilt auf Nachfrage mit, dass er mit seinem Vorstandskollegen vom 1. FC Schöneiche, Alexander Zabel, in Verbindung stehe. Am Montagnachmittag müsse aber Germania im eigenen Stadion das Training einer Männermannschaft und diverser Jugendteams absichern. "Zudem sind die saisonalen Lichtverhältnisse zu beachten, so dass hier keine Regelung für die gesamte Saison möglich ist", so Enrico Mauthner. Zwei Tage in der Woche trainiere der 1. FC Schöneiche zudem bereits an der Babickstraße: "Hier erwarten wir eine Klärung, in welcher Zeit und mit welchen Mannschaften während dieser Zeit trainiert wird. Danach stehen wir für Gespräche zur Verfügung." Es sei keineswegs so, "dass es unmöglich ist, dem 1. FC Schöneiche eine weitere Trainingszeit einzuräumen", so Enrico Mauthner weiter.

Vorerst bleibt Michaela Schulz und ihrem Fußball-Nachwuchs damit nur der Bolzplatz am Schöneicher Jägerpark. Die Trainerin hofft nun zumindest auf zusätzliche Trainingszeiten auf dem Jahnsportplatz in der nächsten Fußballsaison. Weiter darum kämpfen will sie in dieser Frage in jedem Fall.

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