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Der Rollentausch

Probesitzen am Spielort: Astrid Kick hat auf dem roten Sessel Platz genommen. Auf dem Holzmarkt werden die historischen Szenen beim Hansestadtfest Bunter Hering aufgeführt.
Probesitzen am Spielort: Astrid Kick hat auf dem roten Sessel Platz genommen. Auf dem Holzmarkt werden die historischen Szenen beim Hansestadtfest Bunter Hering aufgeführt. © Foto: René Matschkowiak
Tatjana Littig / 09.07.2016, 06:47 Uhr
Frankfurt (ODer) (MOZ) In einer Serie stellt der Stadtbote jede Woche einen Frankfurter des Jahres vor. Das können Menschen sein, die ehrenamtlich aktiv sind oder die auf andere Weise etwas Besonderes vollbracht haben. Für das Foto posieren sie auf einem roten Sessel.

"Ich wollte mich schon immer in die Situation eines Mannes versetzen", sagt Astrid Kick und lacht. Die 57-Jährige verkörpert in diesem Jahr im Rahmen der historischen Szenen beim Hansestadtfest Bunter Hering den Generalgartendirektor Peter Joseph Lenné. Zu ihrer Rolle kam sie eher zufällig. Eigentlich sollte ein anderer den Gartenkünstler, der den Lennépark in Frankfurt im 19. Jahrhundert konzipierte, spielen. Als dieser aber bei den Proben fehlte, sprang sie kurzerhand ein - und überzeugte. "Da habe ich mir gedacht, warum eigentlich nicht", erzählt sie und nimmt einen Schluck von ihrem Milchkaffee.

Seit 25 Jahren arbeitet Astrid Kick in verschiedenen Funktionen bei der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg. Derzeit ist sie als Gleichstellungsbeauftragte eingesetzt. "Es ist witzig, dass ich jetzt einen Mann spiele", merkt sie an. Ob es einen Unterschied macht, einen Mann anstelle einer Frau zu mimen? "Es unterscheidet sich zunächst einmal insofern, als dass man sich eine andere Garderobe aussuchen muss", sagt sie. Statt eines Kleides wird Astrid Kick nun Zylinder und Gehrock beim Hansestadtfest tragen. "Ich versuche, mich in die Rolle einzufinden und auch die Stimme zu steuern", erklärt die 57-Jährige. "Ich möchte schon auch einen Mann darstellen", fügt sie an.

Ihre erste Rolle in den historischen Szenen übernahm sie vor etwa acht Jahren. Über eine Annonce stieß sie auf das Projekt, hinter dem die Vereine Frankfurt (Oder) 2003 und Frey Faehnleyn stecken. Schauspielerische Erfahrungen konnte Astrid Kick beim ersten Treffen nicht vorweisen. "Mich zu verkleiden, hat mir aber schon früher Spaß gemacht", sagt sie. Nun sind es eben keine Kleider und Schuhe der Mutter, sondern Kostüme aus dem Fundus der Backstage GmbH.

In ihrer ersten Rolle spielte Astrid Kick eine Marktfrau. ""Gebt uns Korn', lautete mein Text", erinnert sie sich und lacht. Ihre eindruckvollste Rolle war aber die der Ulrike von Kleist - der Schwester des berühmtesten Sohns der Stadt. "Früher habe ich Schauspielern nie in Erwägung gezogen", erklärt Astrid Kick. Doch während der Arbeit an ihren ersten historischen Szenen findet sie Gefallen daran. Nicht nur an dem Spielen selbst - sondern auch an der Zusammenarbeit mit der "bunten Truppe", wie sie die anderen Beteiligten nennt. "Es ist eine sehr schöne Abwechslung zum Alltag, in historische Kostüme zu schlüpfen und sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen", führt sie aus.

Damit die historischen Szenen beim Hansestadtfest authentisch wirken, erfahren die Beteiligten im Vorfeld viel über den geschichtlichen Rahmen einer Szenerie. So waren Frauen beispielsweise lange Beiwerk und hatten keine tragenden Funktionen, erklärt Astrid Kick. Mit Interesse nimmt sie Informationen über die Stadt und ihre Bewohner auf. "Viele Frankfurter sind nicht positiv auf die Stadt eingestellt", meint sie. "Dabei kann jeder etwas für seine Stadt tun", ist Astrid Kick überzeugt.

Ihren Beitrag leistet sie mit den historischen Szenen. Geboren in Mecklenburg-Vorpommern lebt sie seit bereits 40 Jahren in Frankfurt. "Hier bin ich zu Hause", sagt sie.

Historische Szenen auf dem Holzmarkt: Sonnabend um 12.30 Uhr und um 15.30 Uhr, Sonntag um 11.30 Uhr

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