Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Stadt drückt für Tram aufs Tempo

Annette Herold / 04.05.2010, 08:00 Uhr
Frankfurt (In House) Nach der Entscheidung der Stadtverordneten zum grenzüberschreitenden Nahverkehr soll das Gutachten dazu so schnell wie möglich vergeben werden. Mitte Mai sollen drei Bewerber ihre Konzepte vorstellen, sagte Wirtschaftsdezernent Peter Edelmann (SPD). „Möglicherweise werden wir dann gemeinsam mit Slubice auch gleich eine Entscheidung treffen.“

Er sei „sehr zufrieden“ mit dem Abstimmungsergebnis, sagte der Beigeordnete und sprach von
einem „sehr deutlichen Beschluss“. Die Stadtverordneten von Frankfurt und Slubice hatten sich bei ihrer gemeinsamen Sitzung am Donnerstag mit zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen (Frankfurt) sowie zwei Enthaltungen (Slubice) eine Vereinbarung zur Finanzierung des Gutachtens ausgesprochen und die Studie damit auf den Weg gebracht.

Von dem Gutachten erhoffen sich beide Städte Aufschluss über Chancen und Risiken einer über die Oder führenden Nahverkehrslinie.

Überschrieben ist der Auftrag mit „Strategie des Öffentlichen Personennahverkehrs für die Doppelstadt Frankfurt (Oder)/Slubice“. Erarbeitet werden sollen das Strategiekonzept sowie eine Projektstudie zum grenzüberschreitenden ÖPNV mit dem Schwerpunkt Straßenbahn. Veranschlagt sind Kosten von
180 000 Euro, die zu einem Drittel von Slubice und zu zwei Dritteln von Frankfurt getragen werden sollen. Nach Worten Peter Edelmanns bestehen gute Chancen auf eine Förderung dieser Kosten – allerdings nur dann, wenn später auch tatsächlich eine ÖPNV-Verbindung geschaffen wird. „Wir wollen das Ergebnis nicht vorwegnehmen und haben uns deshalb dafür entschieden, zunächst keine Fördermittel zu beantragen. Ich gehe aber davon aus, dass das Gutachten auch im Nachhinein förderfähig ist“, sagte der Beigeordnete.

Peter Edelmann rechnet damit, dass die Studie drei bis vier Monate nach der Auftragsvergabe vorliegen könnte, das wäre bis zum Herbst. Erstellt werden sollen unter anderem ein technisches Konzept, ein Verkehrskonzept, ein Betriebskonzept und eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung. Die Experten sollen auch juristische Fragen beleuchten. Nach Sichtung der Bewerbungsunterlagen habe er „ein gutes Gefühl, dass wir ein sehr qualifiziertes Ergebnis erhalten“, sagte der Wirtschaftsdezernent.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Roland Totzauer 07.05.2010 - 09:15:38

Kaufkraft-Export nach Slubice

Beim derzeitigen Kaufkraftgefälle zwischen dem Euro-Gebiet Frankfurt (Oder) und dem Zloty-Gebiet Slubice ist ein subventionierter ÖPNV nach Slubice ökonomischer Selbstmord in Raten: Die Kommune Frankfurt (Oder) verstärkt durch einen grenzüberschreitenden ÖPNV den Kaufkraft-Export in Richtung Slubice. Wir Frankfurter werden mit einem grenzüberschreitenden ÖPNV noch mehr Geld als bisher nach Slubice transportieren. Dort wachsen Umsätze und Arbeitsplätze in Handel, Handwerk und Dienstleistung. Der Kaufkraftverlust in Frankfurt wird durch Kunden aus Slubice nicht kompensiert aufgrund des aktuellen Bevölkerungsverhältnisses von 3:1 (60.000 Frankfurter zu 20.000 Slubicer). In der Zeitspanne X, in der ein Slubicer mit dem ÖPNV nach Frankfurt fahren würde, um dort einzukaufen, würden gleichzeitig drei Frankfurter nach Slubice fahren, um dort einzukaufen. Dieses Bilanzdefizit / Kaufkraftgefälle benachteiligt Frankfurt erheblich. Erst wenn 1. in Polen der Euro offiziell eingeführt ist, 2. die Frankfurter und Slubicer Bevölkerungszahlen annähernd gleich groß sind und 3. die Löhne und Preise auf beiden Seiten der Oder sich ungefähr gleichen, ist ein grenzüberschreitender ÖPNV zwischen Frankfurt und Slubice vorstellbar, da erst dann die Kaufkräfte in Frankfurt und Slubice etwa ausgeglichen sind.

Neufrankfurterin 06.05.2010 - 10:53:13

Keine typisch Frankfurter Probleme

Die "Spannungen zwischen Uni und Bevölkerung", von denen der "Exilfrankfurter" schreibt, sind nach meinen Erkenntnissen überhaupt nicht typisch für Frankfurt/Oder und auch nicht typisch für Ostdeutschland, sondern eher typisch für alle kleinen und mittelgroßen Universitätsstädte weltweit. Auch ich lebte mal in einer kleinen Stadt als Student und habe dort erlebt, dass es unterschiedliche Lebensgefühle zwischen Bewohnern und Studenten gab. Na und? Als Student studiert man, feiert man und lebt so etwas außerhalb der alltäglichen Normalexistenzen - weltweit. Wer den Ansprcuh als Student hat, das dieses Spannungsverhältnis zwischen Studentenschaft und Bevölkerung abgebaut wird, muss sich als Student der Bevölkerung nähern, anpassen etc. In Frankfurt gab es historisch nie besonders viele und attraktive Arbeitsplätze. Die Stadt schrumpft seit der Wende und damit auch die Zahl der Arbeitsplätze. Aber das ist typisch für ganz Ostdeutschland und nicht nur für Frankfurt. Letztendlich ist die Entwicklung zu "normalen Verhältnissen" eine Frage der Zeit und der nächsten Generation. Eine Straßenbahn nach Slubice ist keine Lösung der vom "Exilfrankfurter" geschilderten Probleme. Das deutsch-polnische Verhältnis wird nicht durch eine Straßenbahn entspannt. Eine Straßenbahn über die Oder ist kein Zeichen von "Innovation" und Veränderung, sondern eher das Gegenteil. Immerhin gab es eine Tram bereits vor 1945, nur gab es damals auch links und rechts der Oder ein einheitliches Steuer- und Währungsgebiet. Die hilflosen Argumente des "Exilanten" und eine Straßenbahn über die Oder helfen der Statd Frankfurt und uns Frankfurtern also nicht weiter. Wir leben trotzdem hier weiter.

Martina Patzeld 06.05.2010 - 07:37:19

Denkfehler eines Exilanten

Eine Straßenbahn nach Slubice löst somit also alle Probleme? Damit kann Frankfurt (Oder) zum Tor in Richtung Osten werden? Dadurch wird der Graben zwischen der Bevölkerung und den Studenten zugeschüttet? Wenn doch alles nur so einfach wäre! Eine Straßenbahnlinie nach Polen schafft noch keine Einheit per se. Die Probleme in Frankfurt liegen viel tiefer. Die Chance, als "Tor zum Osten" aufgefasst zu werden, hängt nicht an einer kleinen infrastrukturellen Maßnahme, die lediglich dazu beitragen wird, dass die Stadt Frankfurt von den "Berliner Hauptzigaretteneinkäufern" und anderen Touristen nur noch als "Transitgebiet" zwischen Bahnhof und dem "Einkaufsparadies" Slubice wahrgenommen wird. Welche Vorteile eine gemeinsame Straßenbahnlinie konkret für die Stadt brächte, verschließt sich völlig. Ich will nicht verkennen, dass ein gemeinsames Projekt das "Wir-Gefühl" der Slubfurter symbolisch unterstützen könnte. Primär muss es aber wohl darum gehen, die Einheit beiderseits der Oder dadurch zu stärken, dass man Vorbehalte abbaut und Gemeinsamkeiten gerade im Umgang miteinander schafft. Dieses ist durch eine Straßenbahnlinie nicht zu schaffen.

I.H. 06.05.2010 - 01:20:10

Keine Straßenbahn

Laßt es so wie es ist ohne Straßenbahn nach Polen. Man ersparrt sich viel Ärger und Geld

Renaux 05.05.2010 - 22:58:27

Maximale Zielstellung statt Schritt für Schritt

Wegen der Gefahr des wirtschaftlichen Ruins geht jeder wirtschaftlich handelnde Bürger vorsichtig mit seinem Geld um. Das ist beim grenzüberschreitenden öffentlichen Personennahverkehr leider nicht der Fall. Pendelbus als Test, Klarheit über Betreibung der Slubicer Trasse, Übernahme der Betriebskosten und des Unterhalts der Strecke in Slubice, Zustimmung der polnischen Regierung mit grundsätzlichem Einverständnis zum Geldtransfer - alles Fehlanzeige! Dafür bezahlt Ffo zwei Drittel der Kosten der neuen Studie, obwohl die Trasse kaum 500 m auf Frankfurter Gebiet zu bauen ist. In der gemeinsamen Stadtverordnetenversammlung stellte die Stellvertreterin des Slubicer Bürgermeisters fest, dass auch der Betreiber der Slubicer Tram noch nicht feststehe. Unter befreundeten Nachbarn sollte Offenheit Grundlage für gute Beziehungen sein.

Exilfrankfurter 05.05.2010 - 14:39:15

Gift und Galle gegen die Demokratie?

Eines vorweg: Ich bin definitiv der letzte, der "Gift und Galle" gegen demokratische Entscheidungsprozesse spuckt! Mit der damals von den Frankfurtern Bürgern getroffenen Entscheidung muss man leider leben. Ich gewinne nur zunehmend den Eindruck, dass die Einwohner meiner Heimat- und Studienstadt sich selbst und der langfristigen Entwicklung von Frankfurt im Wege stehen. Es hat nun einmal Gründe, warum der größte Teil der gut ausgebildeten Jugend die Stadt verlässt! Von meinem gesamten Abiturjahrgang haben fast ALLE Frankfurt nicht nur zum Studium sondern dauerhaft den Rücken gekehrt und werden wohl auch nicht mehr zurückziehen. Und an der Universität bietet sich dasselbe Bild. Schon zum Studium war ein großer Teil meiner Kommilitonen nicht bereit nach Frankfurt zu ziehen. Fragt man all diese Menschen nun nach den Gründen, so bietet sich immer wieder das selbe Bild: Weder die Stadtverwaltung noch die Bürger vermitteln den Eindruck, dass Veränderungen, die nun einmal die Basis für Weiterentwicklung bilden, gewünscht sind, bzw. Visionen für die Stadt und die Region entwickelt werden. Anstatt sich als TOR zum Osten zu begreifen und gemeinsam mit Slubice sich als internationaler Knotenpunkt zu etablieren beschränkt sich der Fokus grundsätzlich nur auf die Verwaltung der Misere. Ich kann also durchaus mit dem Ergebnis des Bürgerentscheides leben, auch wenn ich es persönlich grundlegend falsch finde, lasse mir aber andererseits nicht mein demokratisches Recht auf Kritik nehmen! OK, im Ausdruck mag diese etwas überspitzt rüberkommen, aber glauben Sie mir, es nervt gewaltig, egal wo man hinkommt nur auf zwei Punkte angesprochen zu werden: Die Spannungen zwischen Uni und Bevölkerung und die Frage warum um alles in der Welt die Tram nicht als einmalige Chance begriffen wird diese Stadt an der Grenze voranzubringen! Und irgendwann ist man die Erklärungsversuche einfach leid und es fällt immer schwerer seine Heimat zu verteidigen.

Kurt Borchert 04.05.2010 - 19:21:06

Demokratiefeindliche Äußerung eines "Exilfrankfurters"

In die Bürgerbefragung vom 22. Januar 2006 hat die Stadt Frankfurt (Oder) viel Geld, Zeit und Kraft investiert. Viele Frankfurter haben an diesem Tag in den Abstimmungslokalen viele Stunden verbracht und anschließend die Stimmen ausgezählt. Das Ergebnis war eindeutig und durch einen demokratischen Abstimmungsprozess zustande gekommen. Eine verschwindend geringe extreme Minderheit, die hier oder anderswo diese Bürgerbefragung herablassend denunziert, zeigt, dass ihr Demokratie nichts bedeutet. Die demokratisch gesinnte Mehrheits-Karawane zieht weiter, auch wenn gewisse "Exilfrankfurter" Gift und Galle spucken gegen demokratische Entscheidungsprozesse. Für Demokratie und Freiheit sind wir u.a. 1989/90 auf die Straße gegangen. Die so errungenen Wahlfreiheiten werden wir uns nicht nehmen lassen. Weder von unfreundlichen Exilanten noch von einheimischen Ignoranten!

Exilfrankfurter 04.05.2010 - 13:44:06

Hier könnte Ihre Werbung stehen

Meinen Sie diesen ominösen Bürgerentscheid, auf den man außerhalb Frankfurts immer wieder angesprochen wurde und über den sich der Rest der Republik drüber kaputtgelacht hat?! Da hat diese Stadt mal die Chance so ein Projekt anzuschieben, das die EU in weiten Teilen finanzieren würde, aber da sind ja glücklicher Weise die Einwohner davor... Kein Wunder das der Braindrain immer weiter geht!

Kerstin Hönow 04.05.2010 - 13:29:58

Slubicer können maximal polnische Bustarife zahlen!

Der ÖPNV Frankfurt arbeitet seit langem mit flexibel einsetzbaren umweltfreundlichen Bussen. Warum verhindert die Slubicer Stadtverwaltung, dass Testbusse über die Oderbrücke fahren? Frankfurt hat seit dem Jahr 2002 eine neue Oderbrücke nach Slubice, die für eine Strassenbahnlinie nicht konzipiert und gebaut wurde. Die meisten Slubicer können aufgrund ihres aktuellen Einkommens keine deutschen ÖPNV-Fahrpreise bezahlen, sondern maximal polnische Bustarife. Das Pro-Bahn-Argument "Es sei viel bequemer, als zu Fuß zu gehen" ist entlarvend. Bewegungsfaulheit (Bequemlichkeit) darf nicht gefördert werden: Bewegungsmangel fördert Bluthochdruck, Übergewichtigkeit und Diabetes. Fussgänger/Radfahrer bewegen ihren Körper selber, leben dadurch gesünder, entlasten das Gesundheitssystem und die Subventionskassen. Die Entschleunigung durch einen Spaziergang über die Grenzbrücke wirkt positiv auf Touristen, Studenten, Frankfurter und Slubicer. Bei der offiziellen Bürgerbefragung am 22. Januar 2006 richteten sich ca. 83% der abgegebenen Stimmen gegen eine Straßenbahn nach Slubice. Dieses demokratische Ergebnis muss in der Frankfurter Stadtpolitik zu Konsequenzen führen!

Thomas Kraft 04.05.2010 - 13:21:52

Frankfurt (Oder) macht sich erpressbar

Frankfurt (Oder) macht sich politisch und ökonomisch erpressbar: Sollte tatsächlich eine Straßenbahn nach Slubice gebaut werden und die Frankfurter Politiker stellen nach einigen Monaten ernüchtert fest, dass diese Strecke nicht nur ein riesiges Subventionsloch bleibt aufgrund geringer Einnahmen, sondern auch ein permanentes Transportmittel von Kaufkraft in Richtung Slubice, so wäre Frankfurt (Oder) dazu verdammt, diese kostspielige Strecke trotzdem weiter zu betreiben. Bei einer späteren Streckeneinstellung müsste Frankfurt alle Fördergelder an die Geldgeber und alle Slubicer Investitionen an Slubice zurückzahlen! Eine erste vorhersehbare Entwicklung: Parallel mit dem Bau einer grenzüberschreitenden Straßenbahn wird jemand in Slubice einen polnischen Straßenbahnbetrieb gründen, der auch Frankfurter Straßenbahnen und Gleise preiswerter als deutsche Wettbewerber repariert: Beim Frankfurter Stadtverkehrsbetrieb werden daraufhin erste Mitarbeiter entlassen. Es wird nicht lange dauern und die ersten Frankfurter Straßenbahnfahrer werden durch polnische Straßenbahnfahrer mit polnischem Lohnniveau ersetzt. Die arbeitslosen Frankfurter Straßenbahnfahrer und Bahnmonteure fahren danach nach Slubice zum Einkaufen. Dieses Phänomen nennt man heute: Globalisierung. Eine zweite vorhersehbare Entwicklung: Ein grenzüberschreitender ÖPNV nach Slubice würde bewirken, dass in Slubice entlang der Fahrstrecke weitere Studentenunterkünfte entstehen, weil noch mehr Studenten vom teureren Frankfurt ins preiswertere Slubice umziehen und von dort mit dem ÖPNV bequem zur Uni pendeln. Dies widerspricht den Frankfurter Bemühungen, auswärtige Studenten davon zu überzeugen, in Frankfurt ihren Hauptwohnsitz anzumelden. Die Einwohnerzahl der Stadt Frankfurt schrumpft. Logischerweise müssen sich auch Stadtverwaltung und stadteigene Unternehmen diesem Prozess anpassen. Warum soll es eine teure Ausnahme für ÖPNV-Manager geben?

MH 04.05.2010 - 08:43:11

Nanu

Kam es nicht schon vor einigen Jahren zu einer Befragung der Frankfurter zum Grenzüberschreitenden Verkehr per Tram? Wurde nicht dort eine eindeutige Aussage getätigt? Wollte man nicht schon damals feststellen ob sich der ein Buseinsatz für die Studenten rechnet? Anerkennung der Meinung der Bürger Frankfurt`s? Demokratie und Mitbestimmung?

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG