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UNESCO soll den Himmel über Großmugl schützen

Das Satellitenbild beweist: In und um Großmugl ist es wirklich stockdunkel - vor allem im Vergleich zur "Lichtinsel" Wien.
Das Satellitenbild beweist: In und um Großmugl ist es wirklich stockdunkel - vor allem im Vergleich zur "Lichtinsel" Wien. © Foto: dpa
04.05.2010, 11:14 Uhr
Großmugl (DPA) Großmugl ist ein österreichisches Örtchen, in dem die Bushaltestelle meist von Jugendlichen bevölkert ist, die woanders hinwollen: ländlich, abgelegen und nachts sehr, sehr dunkel. Gerade deshalb sehen die Großmugler ihren Ort aber neben Berühmtheiten wie dem Kölner Dom und der Wiener Innenstadt und wollen auf die Liste des UNESCO-Welterbes. Denn mit veränderter Perspektive bietet die 1600-Einwohner-Gemeinde Spektakuläres: In klaren Nächten funkeln am Himmel über Großmugl bis zu 5000 Sterne - so viele wie wahrscheinlich sonst nirgends in dicht besiedelten Gebieten auf der Welt.

Durch eine besondere geografische Lage schirmen Hügel selbst das Licht des nur 40 Kilometer entfernten Wiens ab. Astronomen pilgern bereits häufig zu einem Feld neben dem großen Mugl, einem keltischen Grabhügel am Ortseingang. Die Gemeinde zeigt sich offen und schaltet zu besonderen Sternenereignissen ihre Beleuchtung komplett ab.

„Wenn es bei uns schon so finster ist, wollen wir das ausnutzen“, sagt der konservative ÖVP-Bürgermeister Karl Lehner. Er sitzt mit dem Entdecker von Großmugls unendlichen Weiten, Hobby-Astronom und Wirt Charly Schillinger, regelmäßig in dessen Gaststube und schmiedet Zukunftspläne: Astronomen kommen bereits, mit dem Welterbe-Status könnte das „Tor zur Milchstraße“ für größere Touristenmassen erschlossen werden. Bald ist ein Sternenfest geplant, Schillinger liebäugelt mit dem Bau eines Astro-Hotels: „Das würde mir schon supergut gefallen.“

Für Experten stehen die Chancen für die UNESCO-Adelung nicht schlecht, da die UN-Organisation momentan überlegt, wie sie den Sternenhimmel vor immer stärker Lichtverschmutzung schützen kann. „Vor 50 Jahren hat man die Milchstraße in Wien gesehen, heute sieht man gerade noch Mond, Venus und an guten Tagen 20 bis 40 weitere Sterne“, sagt der Astronom und Leiter der Kuffner Sternwarte Wien, Günther Wuchterl. Pariser Nächte seien inzwischen so taghell, dass man dort gar nichts mehr erkenne.

Bei „Großmugl an der Milchstraße“ gerät der Wissenschaftler ins Schwärmen: „Dort spürt man diese Unendlichkeit, kann richtig ins All hinaus reichen.“ Gestirne wie der große Wagen seien dort vor lauter Überfluss nur noch für Experten zu erkennen. „Sie ertrinken in lauter Sternen.“ Da viele Kinder heute noch nie einen echten Sternenhimmel gesehen hätten, seien solche leicht erreichbaren „schwarzen Löcher“ in der Zivilisation besonders für den Erhalt des kulturellen Erbes wichtig. „Das Menschenrecht auf die Milchstraße muss erhalten werden“, fordert Wuchterl.

Im Juli soll das Welterbe-Komitee bei einer Konferenz in Brasilia Grundsatzentscheidungen dazu treffen und will sich auch eine Studie aus Großmugl anschauen. „Wir geben unser Bestes, diese Initiative zu unterstützen“, sagt die Vize-Chefin der österreichischen UNESCO-Kommission, Mona Mairitsch. Schärfster Konkurrent der alpenländischen Gemeinde ist das neuseeländische Dorf Tekapo, das seine 850 Bewohner bereits seit längerem im Dunkeln sitzen lässt.

Doch Großmugl holt auf: Die Straßenbeleuchtung ist nach Angaben des Bürgermeisters bereits mit sternenfreundlichem, rötlichem Dämmer-Licht auf den neuesten Stand gebracht worden, die bei Partys beliebten Sky-Beamer sollen verboten werden und selbst bei der Kirche geht im katholischen Dorf um 22 Uhr das Licht aus. Zusätzlich bringen eigens astronomisch geschulte „Licht-Berater“ den Bewohnern bei Hausbesuchen den wirtschaftlichen Umgang mit der Helligkeit bei.

„Es ist wichtig, dass die Leute auch dahinter stehen“, sagt Lehner. Die Maßnahmen bräuchten noch Überzeugungsarbeit, denn für die Großmugler war ihre neue Attraktion Jahrzehnte lang ganz normal. „Die Milchstraße kennt hier jeder“, sagt der Bürgermeister. Besonders Jugendliche seien da eifrig - wenn sie denn mal eine Nacht daheim bleiben und ihre Liebste zum „Sternderl schauen“ auf eine Wiese locken.

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