Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Stiftung WaldWelten und HNE testen, welche Arten mit künftiger Trockenheit besser umgehen können

Suche nach dem richtigen Baum

Mensch, Natur und Technik: Die ehrenamtliche Helferin Maria-Theresa Jessen misst mithilfe eines CO2-Porometers, wie viel Kohlenstoff die seltenen einheimischen Pflanzensorten aufnehmen und wie viel Wasserdampf sie abgeben.
Mensch, Natur und Technik: Die ehrenamtliche Helferin Maria-Theresa Jessen misst mithilfe eines CO2-Porometers, wie viel Kohlenstoff die seltenen einheimischen Pflanzensorten aufnehmen und wie viel Wasserdampf sie abgeben. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Simon Rayß / 13.07.2016, 20:15 Uhr - Aktualisiert 14.07.2016, 13:42
Eberswalde (MOZ) Brandenburg wird immer trockener. Deswegen erforschen die Stiftung WaldWelten und die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) gemeinsam, welche einheimischen und fremdländischen Baumarten besser ans künftige Klima angepasst sein könnten.

Einmal in der Woche klingelt bei Maria-Theresa Jessen mitten in der Nacht der Wecker. Dann weiß die 25-Jährige: Jetzt geht's wieder raus in den Wald. Denn dort, im Wald der Stiftung WaldWelten, wartet ein Klimaprojekt auf die Studentin und ehrenamtliche Helferin. "Eigentlich habe ich gerade Semesterferien", berichtet sie. Maria-Theresa Jessen hat ihren Bachelor in Eberswalde gemacht und besucht nun, für den Master, eine Hochschule in Schweden. Da sie im Sommer noch nichts vor hat, hilft sie aus bei einem Projekt, das HNE und Stiftung gemeinsam betreiben.

Gegen zwei Uhr nachts kommt sie im Wald unweit des Forstbotanischen Gartens an eine Stelle, an der 1000 Topfpflanzen unter einem Foliengewächshaus stehen. Allesamt nummeriert und ordentlich in vier Reihen gruppiert. Die meisten von ihnen sind seltene einheimische Gehölze: Holzapfel, Wildbirne, Eibe, Elsbeere, Sandbirke, Vogelkirsche. An ihnen misst Maria-Theresa Jessen das sogenannte Wasserpotential - und das geht am besten bei Einbruch der Dämmerung. Tagsüber ist sie aber auch an den mannshohen Topfpflanzen zugange und misst, wie viel CO2 sie aufnehmen und wie viel Wasserdampf sie abgeben.

Doch wozu der Aufwand? Bernhard Götz, Vize-Präsident der Stiftung, erklärt die zentrale Fragestellung: "Können seltene Baumarten besser mit Trockenheit umgehen als jene, die in der Wirtschaft eine Hauptrolle spielen?" Brandenburg ist gemeinsam mit dem Kaiserstuhl im Oberrhein die trockenste Region Deutschlands. Also gilt: "Wenn der Klimawandel wie prophezeit eintritt, merken wir das hier am frühesten", sagt Götz.

Für Bäume wie die Buche hätte das direkte Folgen: "Sobald die Niederschläge nachhaltig unter 500 Liter pro Quadratmeter und Jahr fallen, wird es problematisch", erklärt Götz, der auch wissenschaftlicher Leiter des Forstbotanischen Gartens ist. Einer Einrichtung, die die Arbeit der WaldWelten unterstützt.

Momentan liegen die Werte noch meist jenseits der kritischen Marke. Tendenz: abnehmend. Laut Stiftungs-Präsident Harald Schill, gibt es zwei Modelle für Brandenburg: das eine sagt einen langfristigen Trend zur Niederschlagsabnahme voraus, das andere zumindest ausgeprägte Trockenphasen im Sommer.

Bis es für gängige einheimische Arten wie die Buche problematisch wird, dauert es noch eine Weile. Die Modelle gehen von einem Zeitfenster zwischen 2050 und 2100 aus. "Das sind natürlich alles grobe Schätzungen," sagt Schill. " Doch eigentlich hätten wir schon vor 20, 25 Jahren anfangen sollen." Das Problem: Wenn Bäume als lebende Messfühler eingesetzt werden sollen, müssen sie ausgewachsen sein.

Tatsächlich haben die WaldWelten bereits vor fünf Jahren ein ähnliches Projekt gestartet, finanziert mithilfe der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung. Auf bisher sieben Hektar des Stiftungswaldes haben die Mitarbeiter und freiwilligen Helfer ein Mediterraneum entstehen lassen, also Bäume gepflanzt, die im Mittelmeerraum vorkommen und dort einem Klima ausgesetzt sind, wie es für Brandenburg prognostiziert ist. Neben der ökologischen Erkenntnis soll das Projekt auch Eberswalder in den Wald locken: "Für die Besucher wollen wir fremdländische Baumformationen nachbilden", sagt Götz.

Um das Projekt auf nordamerikanische und chinesische Gehölze auszuweiten, ist die Stiftung derzeit auf der Suche nach Geldgebern. Was den zweiten Strang des Projekts angeht, der sich mit seltenen einheimischen Gewächsen beschäftigt, ist die Finanzierung für die nächsten drei Jahre gesichert: Am Freitag kam ein Fördermittelbescheid aus dem Weltklimafonds.

Eine gute Nachricht, schließlich geht es dabei um rund 800 000 Euro. Die können Stiftung und HNE auch gut gebrauchen, schließlich haben sie bereits im März, im Rahmen einer "vorzeitigen Maßnahme", mit der Arbeit an den Topfpflanzen begonnen. Denn: "Die Zeit drängt", wie Harald Schill sagt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG