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Fischer lassen Kormorane jagen

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Daniel Dzienian / 03.11.2015, 18:54 Uhr
Alt Ruppin (RA) Die Natur macht nicht immer das, was der Mensch will: 5500 junge Zander und Hechte hat die Fischereigemeinschaft "Rhinsee" erst vorige Woche in den Ruppiner Gewässern ausgesetzt. Die, die sich jetzt darauf stürzen, sind jedenfalls nicht die ortsansässigen Angler.

Kormorane machen sich nach Angaben von Fischer Jürgen Ebert aktuell in Massen über den frischen Fisch her. "Das ist gerade wie ein reich gedecktes Buffet für die", so der zuständige Fischbewirtschafter vom Molchowsee, Teetzensee und Zermützelsee. Die kleinen Zander und Hechte müssen sich erst einmal an das Leben im großen See gewöhnen - und halten sich gern in Ufernähe oder dicht unter der Oberfläche auf. Sie sind leichte Beute.

Weil die Fischereigemeinschaft nicht 20000 Euro (RA berichtete) für Vogelfutter ausgegeben haben will, muss sie nun gegen die unter Naturschutz stehenden Kormorane vorgehen. Jagdrecht für die drei Seen hat Wolfgang Wernicke. Seit kurzem bricht er regelmäßig mit Boot, Flinte und Jagdhund Harras auf, um die gefräßigen Kormorane "zumindest ein bisschen zu verunsichern", wie er sagt. "Die Tiere sind in Gruppen von 20, 30 Tieren unterwegs. Es ist illusorisch, sie zu vertreiben oder gar zu erlegen." Bisher hat es Wernicke auf drei bis vier Abschüsse gebracht. Er schießt mit Schrotkugeln. "Wir können nur erreichen, dass die Tiere ein wenig Jagddruck verspüren und vielleicht flüchten, wenn sie Menschen oder Boote sehen", macht der Jäger klar.

Kormorane haben Schwimmflossen und - ähnlich dem Pelikan - einen Luftsack am Hals, in dem sie den Fisch erst einmal sammeln. Die Tiere jagen in Gruppen und sind hervorragende Taucher. Sie können Fische bis in einer Wassertiefe von 15 Metern wahrnehmen und erreichen. "Es gibt praktisch keine Stellen in diesen Seen, die sie nicht erreichen", so Wernicke.

Die Vogelart gilt allerdings nach wie vor als geschützt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Kormoran in Europa massiv gejagt. In den 1970er Jahren galt er als beinahe ausgerottet. Mittlerweile haben sich die Bestände erholt. Es gilt als belegt, dass die Populationen seit Anfang der 2000er Jahre ein neues, nun nicht weiter anwachsendes Maximum erreicht haben. Zudem gilt als nachgewiesen, dass sich die Kolonien zunehmend aus dem Binnenland an die Küsten verlagern. Seit Jahren klagen jedoch Fischer über den Vogel, da er bis zu 500 Gramm Fisch am Tag frisst. In Brandenburg gilt seit 2013 eine neue Kormoran-Verordnung. Diese erlaubt es, die Tiere in Ausnahmen zu jagen. Zum Abschuss freigegeben sind sie, wenn sie in Fischteichen oder von der Fischerei bewirtschafteten Gewässern schaden anrichten.

Den teuren Fischbesatz hatte die Fischereigemeinschaft "Rhinsee" unter anderem deshalb organisiert, weil hiesige Angler immer wieder über zu geringes Fangglück, also zu wenig Fische klagten. Das Kosten finanziert die Gemeinschaft über die Einnahmen durch Angelkarten.

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