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"Heringstanz" im toten Theater

Auch hier ist der Heringstanz zu sehen. Die Leute, die im Hintergrund unter dem "Folkstheater"-Schriftzug anstehen, warten auf die Begegnung mit dem "Kalten Fisch". Auf Bild 9178 baut ganz im Hintergrund Mathias Lenz gerade eine Orgelpfeife an die "demokr
Auch hier ist der Heringstanz zu sehen. Die Leute, die im Hintergrund unter dem "Folkstheater"-Schriftzug anstehen, warten auf die Begegnung mit dem "Kalten Fisch". Auf Bild 9178 baut ganz im Hintergrund Mathias Lenz gerade eine Orgelpfeife an die "demokr © Foto: Lisa Mahlke
Lisa Mahlke / 18.07.2016, 06:13 Uhr - Aktualisiert 18.07.2016, 06:14
Frankfurt (Oder) (MOZ) Das Künstlerkollektiv Club Real lud am Sonnabend zum "Tag des offenen Tors" in das ehemalige Kleist-Theater. In einer Zukunftswerkstatt wurden Nutzungskonzepte für das Haus diskutiert.

"Folkstheater/Teatr Ludowy" heißt das Projekt, mit dem das Künstlerkollektiv "Club Real" in Frankfurt unterwegs ist. "Folk" wird dabei ganz bewusst nicht mit "V" geschrieben. Zum Einen wird mit dem "F" die Verbindung zu Frankfurt geschaffen, zum Anderen kann es für "frei" stehen und auch dafür, den Begriff Volk neu zu denken.

Während des "Tag des offenen Tors" wurde das Folkstheater-Ensemble, eine Gruppe engagierter Frankfurter, die mit dem Club Real in ihrer Stadt künstlerisch und politisch aktiv werden wollen, gegründet. Entstanden ist auch die "demokratische Orgel". Jeder Besucher konnte eine Orgelpfeife bauen. Angeschlossen wurden diese dann an ein Lüftungssystem im Gebäude des Kleist-Theaters, durch das Luft in die Orgelpfeifen kommt und die demokratische Orgel ertönt. "Das Haus bekommt eine Stimme und bläst in die Orgel", erklärte Mathias Lenz. Der 14-jährige Martin Kendon und seine Schwester Magda, die in der Nähe des ehemaligen Theaters wohnen, halfen beim Bauen der Orgelpfeifen. "Ich finde gut, dass Bewegung ins Viertel kommt. Deswegen unterstütze ich das", sagt Martin Kendon.

Im Keller des Hauses konnte man dem "Kalten Fisch" begegnen, der in einem Kasten mit Glasdeckel lag. Der Künstler mit Fischmaske verkörperte das Vergangene, Gestorbene, Unverdaubare, die "Leiche im Keller", erklärt Marianne Ramsay-Sonneck vom Club Real. Der tote Fisch deute auf das nicht glückliche Ende des Kleist-Theaters und die damalige Abwicklung des Ensembles hin.

Der einzelne Fisch stand in Kontrast zum Kollektiv an Tänzern, die in der Etage darüber fast drei Stunden lang den "Heringstanz" tanzten. Die zum Teil zurückhaltenden Besucher waren eingeladen, mitzutanzen.

Ein bisschen gruselig fand Lucie Elena Dochow die Begegnung mit dem kalten Fisch. Sie ging mit ihrem Papa Robert in den Keller, um den Fisch anzuschauen. Robert Dochow fiel in diesem Teil des Gebäudes vor allem auf, wie alt das Haus ist. "Es ist schade um das Gebäude", sagt er. Er ist Jahrgang 1982, hat allerdings keine Erinnerungen mehr an das Theater. Trotzdem fände er es schön, wenn wieder etwas mit dem Haus passiert. Gewerbeflächen mit einem Bäcker oder Dönerladen könnte er sich dort vorstellen.

Auf großes Interesse stießen die Führungen durch die Gebäude des Theaters. Die Firma "Backstage", ehemalige Theatermitarbeiter, führten die Besucher herum. Einer von ihnen war Heiner Schwarz, der 44 Jahre als Kunstschlosser im Theater tätig war. Als das Theater im Jahr 2000 geschlossen wurde, war der heute 77-Jährige der dienstälteste Mitarbeiter. Er zeigte den Besuchern das unter Denkmalschutz stehende Turmzimmer, den Ballettsaal, den Raum, in dem sich die Maske befand, die Probebühne, die Hauptbühne.

Am 29. April 2000 wurde der "Eiserne Vorhang", der Brandschutzvorhang, der Bühne und Zuschauerraum trennte, das letzte Mal gelüftet. Beim Blick auf den ehemaligen Zuschauerraum stellte Monika Funk fest: "Ich hatte das Theater an sich gar nicht so klein in Erinnerung."

Die Künstler vom Club Real hatten mit 50 Besuchern gerechnet. Es kamen weitaus mehr. "Wir sind total glücklich und überwältigt, dass die Leute das so annehmen", sagt Marianne Ramsay-Sonneck. Um das Gebäude wieder mit Leben zu füllen, betont sie, braucht es vor allem bürgerschaftliches Engagement. Und so wurdeam Sonnabend in einer Zukunftswerkstatt auch diskutiert, wie das Haus und das Areal wieder genutzt werden könnten.

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