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Immer mehr Schüler in Brandenburg büffeln in den Ferien

Die Büffeln statt Badespaß - für viele Schüler in Brandenburg ist Schule während der Ferien nicht ungewöhnlich.
Die Büffeln statt Badespaß - für viele Schüler in Brandenburg ist Schule während der Ferien nicht ungewöhnlich. © Foto: dpa
Christian Bark / 23.07.2016, 08:43 Uhr
Potsdam (DPA) Mathematik pauken statt ins Freibad gehen? Für immer mehr Kinder endet das Lernen nicht am ersten Ferientag. Nachhilfeanbieter schaffen mehr Angebote. Der Landeselternrat findet das gut.

Büffeln statt Bräunen: Immer mehr Schüler verbringen in Brandenburg die Sommerferien mit Lernen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Anbietern und Elternvertretern. "Seit 2015 verspüren wir eine vermehrte Nachfrage nach Kursen in den Sommerferien", berichtete die Sprecherin des kommerziellen Nachhilfeanbieters Studienkreis, Friederike Ostwald. Ein großer Teil der Standorte habe daher in diesem Jahr für Kurse in den Ferienmonaten erstmals durchgehend geöffnet.

Am stärksten nachgefragt seien die Fächer Mathematik, Englisch und Deutsch. Laut einer Sprecherin des Nachhilfeanbieters Schülerhilfe kann das Gehirn in den Ferien ohne den Druck des Schulalltags Informationen viel besser aufnehmen. Deshalb halten auch Eltern ihre Kinder dazu an, ihr Wissen in den Ferien aufzufrischen, heißt es vom Landeselternrat.

Tausende der 275 000 Schüler in Brandenburg sind neben der Schule auf Nachhilfeunterricht angewiesen. "Die Nachfrage ist seit einigen Jahren stabil auf hohem Niveau", sagte Studienkreis-Sprecherin Ostwald. Demzufolge nähmen in Brandenburg zirka 13,5 Prozent der Schüler Nachhilfeunterricht. Studienkreis habe sein Filialnetz in der Mark aufgrund der Nachfrage in den vergangenen fünf Jahren von 22 auf 29 Standorte erweitert. Ferienkurse könnten auch als Online-Nachhilfe im Einzelunterricht genommen werden.

Die Online-Kurse stehen bei dem Branchenkonkurrenten Schülerhilfe das ganze Jahr über zur Verfügung, teilte die Sprecherin des Nachhilfeanbieters, Sabine Angelkorte, mit. Einen Trend, dass Feriennachhilfe immer häufiger von Schülern genutzt werde, könne sie zwar nicht erkennen, verweist aber auf die Vorteile des Lernens in der schulfreien Zeit. "Für die Schüler ist es empfehlenswert, im Lerntraining zu bleiben", erklärte sie. Wenn Schüler sechs Wochen lang gar nichts täten, falle es ihnen umso schwerer, im neuen Schuljahr von Anfang an hohe Leistungen zu erzielen.

Studienkreis beruft sich auf Erkenntnisse, dass eine Lücke von sechs Wochen gedächtnis- und lernpsychologisch extrem kontraproduktiv sei - man spreche von "Sommervergessen". Und Angelkorte sieht einen weiteren Vorteil im Ferienbüffeln: "Was man in Ruhe lernt, bleibt länger im Gedächtnis. Ohne den Druck des Schulalltags kann das Gehirn Infos tatsächlich viel besser aufnehmen."

Das sieht auch der Sprecher des Landeselternrats, Wolgang Seelbach, so. Darum schickten Eltern ihre Kinder nicht nur zum Nachhilfeunterricht in den Ferien, sondern animierten sie auch bewusst zum eigenständigen Lernen. "Das ist aber häufig problematisch", erklärte er. Manchmal einige man sich auf ein Pensum wie ein Lehrbuch, das durchgearbeitet werden müsse.

Von Elternvertretern aus den Kreisen Oberhavel und Uckermark habe er erfahren, dass Nachhilfe in den Ferien mitunter nur deshalb stattfinde, um ein hohes Leistungsniveau halten zu können, so Seelbach. Dies sei vor allem bei ehrgeizigen Schülern aus einem sozial gefestigten Umfeld zu erkennen. Demgegenüber hätten Schüler mit Problemen in einzelnen Fächern aus Elternhäusern mit sehr geringem finanziellen Spielraum praktisch keine Möglichkeit, Nachhilfeunterricht in Anspruch zu nehmen.

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