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Jungbauern kämpfen ums Land

"Wir müssen enger zusammenrücken": Barnims Kreisbauernchef Holger Lampe (l.) fordert die jungen Landwirte auf, sich gemeinsam mit den älteren Bauern stark zu machen für "eine vielfältige Landwirtschaft, die die Bevölkerung gut ernähren kann".
"Wir müssen enger zusammenrücken": Barnims Kreisbauernchef Holger Lampe (l.) fordert die jungen Landwirte auf, sich gemeinsam mit den älteren Bauern stark zu machen für "eine vielfältige Landwirtschaft, die die Bevölkerung gut ernähren kann". © Foto: MOZ/Sabine Rakitin
Sabine Rakitin / 24.07.2016, 19:55 Uhr
Trampe (MOZ) Es geht um die Dörfer, um den Erhalt landwirtschaftlicher Strukturen, um das soziale Leben auf dem Land überhaupt: Am Sonnabend trafen sich etwa 80 junge Leute auf einem Feld bei Trampe zum "Tanz ums Land". Sie fordern eine nachhaltige und zukunftsfähige Agrar- und Bodenpolitik in Deutschland und Brandenburg.

Anlass für die Protestaktion ist die Insolvenz von KTG-Agrar. Der Konzern bewirtschaftete bis vor kurzem rund 45000 Hektar und soll in den vergangenen Jahren etwa 100 Millionen Euro EU-Direktzahlungen bekommen haben. Auch neben dem Feld der Tramper Agrargenossenschaft, auf dem sich die jungen Landwirte, Agrar-Studenten und Sympathisanten zum Protest versammelt haben, hat die KTG-Agrar "gewirtschaftet" - auf einem Acker, der ihr von einheimischen Bauern verpachtet wurde. "Zweimal im Jahr sind irgendwelche Dienstleister angerückt. Die haben eine halbe Stunde auf dem Feld gearbeitet und dann waren sie wieder weg", erzählt Barnims Kreisbauernchef Holger Lampe. "Mit Landwirtschaft hat das nichts zu tun, und unsere Dörfer interessieren die auch nicht", ist ihm klar. Dass immer mehr landwirtschaftliche Flächen an solche Spekulanten gehen, "ist nicht gut und auch nicht vernünftig", sagt Lampe. "Wir aber wollen vernünftige Dörfer!"

Dass die Wirtschaftsweise solcher Betriebe wie der KTG Agrar negative Auswirkungen auf die ländlichen Regionen hat, darin sind sich alle in Trampe einig. Die staatliche Bodenpolitik bringe kleine bäuerliche Betriebe um ihre Existenz. Dass die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), einer der größten Flächenbesitzer in Ostdeutschland, das Land im Auftrage des Staates nach wie vor zu Höchstpreisen an Finanzdienstleister und Spekulanten verkaufe und verpachte, sei ein Unding. Kleine bäuerliche Betriebe hätten bei dieser Bodenpolitik keine Chance. "Wir wollen einen ländlichen Raum, der nachhaltig durch die Menschen aus der Region gestaltet wird!", heißt es vom Bündnis Junge Landwirtschaft, das zum Protest gerufen hat.

"Sich über die BVVG auszulassen, würde Monate dauern", sagt Holger Lampe. "Viel wichtiger ist eine vielfältige Landwirtschaft, die die Bevölkerung gut ernähren kann", findet er. Und um sich damit durchzusetzen, sollten sich alle Landwirte zusammenschließen - ob sie nun nach konventioneller Art wirtschaften oder ökologisch. "Wir müssen enger zusammenrücken und härter kämpfen um die Dinge, die uns wichtig sind", ruft der Kreisbauernchef aus.

Julia Bar-Tal, die den "Hof Bienenwerder" bei Müncheberg (Märkisch-Oderland) bewirtschaftet, hat drei Jahre lang mit der BVVG gekämpft, um schließlich 50 Hektar Land zu bekommen. "Wir müssen uns das Mitbestimmungsrecht bei der Landvergabe wieder erkämpfen", ist sie überzeugt. "Boden ist Gemeingut und das muss auch so bleiben!"

Anja Hradetzky, Milchbäuerin aus Stolzenhagen im Oberbarnim, ist überzeugt: "Wenn es weitergehen soll mit der Landwirtschaft, dann müssen junge Landwirte eine Chance bekommen und Land zu verträglichen Preisen erhalten. Mit uns geht es in die Zukunft!"

Ludwig Seeger vom Bürgergut Börnicke erzählt, wie der Verein bei der BVVG mitgeboten habe, Meistbietender war und das Land dann doch nicht bekommen sollte, weil es einem Investor versprochen war. Mit offensichtlichen Lügen habe die BVVG versucht, sie zu vertreiben, schildert der Landwirt. Letzten Endes hätte das Bürgergut das Land in Börnicke dann doch bekommen. "Man darf nicht locker lassen, man darf sich nicht einschüchtern lassen", mahnt Ludwig Seeger.

Eine Arbeitsgruppe in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg/Schlesische Oberlausitz habe darüber beraten, was mit dem kirchlichen Ackerland - immerhin einige Tausend Hektar - geschehen soll, erzählt er."Wenn Ihr Land sucht, müsst Ihr Euch an die Kirchengemeinden vor Ort wenden", sagt Ludwig Seeger. Diesen sei nämlich in einer Handreichung von der Kirchenleitung empfohlen worden, bei Neuverpachtungen Kriterien wie Regionalität, Nachhaltigkeit, Ökologie und soziale Strukturen zu berücksichtigen sowie jungen Bewerben den Einstieg in die Landwirtschaft zu erleichtern. "Natürlich müsst Ihr ein schlüssiges Betriebskonzept vorlegen. Aber das habt Ihr ja sowieso", weiß der Börnicker.

Der Bündnisgrüne Jan Sommer aus Märkisch-Oderland bringt es auf den Punkt: "Das Land braucht junge Menschen", sagt er. "Und was wir jetzt brauchen sind Politiker, die Mumm zu einer aktiven Bodenpolitik haben."

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