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Geschichten aus dem Niemandsland

Mit der Klebepistole ans Werk: Johanna (l.) trägt schon den gelben Überwurf für ihr Pikachu-Kostüm. Leny unterstützt sie bei einem weiteren Gewand für das gemeinsame Stück.
Mit der Klebepistole ans Werk: Johanna (l.) trägt schon den gelben Überwurf für ihr Pikachu-Kostüm. Leny unterstützt sie bei einem weiteren Gewand für das gemeinsame Stück. © Foto: MOZ
Josephin Hartwig / 25.07.2016, 06:45 Uhr
Lietzen (MOZ) Seit zwei Jahren bietet der Verein Social Art an der Kulturmühle Lietzen das Niemandsland-Projekt ganzjährig an. Einer der Höhepunkte des Jahres ist der Workshop im Sommer, der am Sonntag mit einer Vorführung zu Ende ging.

Das Niemandsland - ein Ort an dem sich Kinder wohl fühlen, sich kreativ ausleben können und ihre eigenen Vorstellungen umsetzen können. Das Projekt des Vereins Social Art der Kulturmühle Lietzen trägt diesen Namen nicht ohne Grund.

Johanna und Leny aus Lietzen hantieren mit der Klebepistole und bekleben ein zusammengenähtes Laken mit Steinen in allen Farben des Regenbogens. Kreise und andere Formen sind mit Textilstiften aufgemalt worden. Die beiden Mädchen bereiten zwei der Kostüme vor, die sie als Requisiten für ihr Stück brauchen. Es heißt "Pikachu und sein Zwilling". Johanna trägt schon den gelben Überwurf. Sie spielt die beliebte Pokemonfigur Pikachu.

An sieben Stationen rund um die Kulturmühle präsentieren die 16 Kinder, die sich an dem viertägigen Projekt beteiligt hatten, ihre selbst ausgedachten Geschichten. Sie haben nicht nur Kulissen gestaltet, sondern auch Geräusche und eingesprochene Texte auf Tonband aufgenommen. Zudem gibt es eine Geocaching-Route durch das Areal. "Jede Gruppe plant seine Station ganz selbstständig. Wir sind als Unterstützer dabei", sagt Inga Brandt, Vereinsmitglied und Projektleiterin. Die Kinder sind zwischen neun und zwölf Jahre alt und mit großer Freude dabei.

So wie der zehnjährige Julian aus Dolgelin. Er und seine Freunde denken sich eine Erzählung aus, die ihren Ursprung an einem umgestürzten Baum am See hat. "Die Geschichte heißt "Die Legende des heiligen Baumes' und da bekämpfen sich Wasserwesen und Zwerge", erzählt er. Julian schreibt auf, aber es sind insgesamt fünf Jungs, die ihre Kreativität in der Geschichte spielen lassen. "Die einen wollen in das Reich der Anderen, es gibt auch einen Spion und am Ende wird der böse Anführer Darkos durch den umgestürzten Baum getötet", erklärt der zehnjährige Kilian aus Dolgelin.

Gefördert wird das Programm durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" und der Bundesvereinigung kultureller Jugendbildung "Künste öffnen Welten". "Was sich die Kinder allerdings sehr wünschen, ist eine Seilbahn", verrät Inga Brandt. Nur dafür fehlen dem Verein 800 Euro. Gefördert werden eher kleine Beträge, für Material und Ähnliches. "Das ist der größte Wunsch für das Niemandsland 2017."

Dass die Kulturmühle über die Grenzen Brandenburgs hinaus bekannt ist, zeigt auch die Teilnahme einiger Berliner Kinder. Marvin nimmt auch an Ferienprogrammen in der Großstadt teil, ist aber von der Lietzener Einrichtung begeistert. Er baut mit einer kleinen Gruppe Jungs eine neue Hängebrücke. "Es ist toll, hier mit zu helfen. Ich habe ja den Vergleich und hier können wir Kinder richtig mitmachen. Das finde ich klasse", sagt der Zehnjährige.

Nachdem die Kinder, mit Unterstützung von Tristan Pundt und Jörg Oehley, die 155 Streben für die Brücke abgemessen und zurecht gesägt haben, geht es ans Auffädeln. Marvin und Marius halten das Seil straff, Corvin aus Lietzen hatte die Löcher gestanzt und zieht die einzelnen Hölzer nach vorn. Acht Meter lang ist die Brücke, die vom legendären umgestürzten Baum zum Baumhaus führt.

"Die Jungs stellen sich sehr gut an, aber bei dem Wetter darf der Spaß nicht fehlen", sagt Jörg Oehley. Deshalb wird eine Stunde vor Schluss schnell aufgeräumt und im See gebadet. Dankbar sind die Projektleiter auch für die Hilfe der Eltern und Großeltern. Einige haben Kuchen gebacken, andere Holz für die Brücke vorbei gebracht.

Johanna und Leny sind mit ihren Kostümen fast fertig. Auf die gruselige Geschichte um den Comic-Helden Pikachu sind sie durch die Jungs gekommen. "Die haben die ganze Zeit über das neue Spiel "Pokemon Go' geredet, da ist Johanna die Geschichte eingefallen", erzählt Leny. Lara aus Lietzen bastelt ein Einhorn-Kostüm. Ihre Geschichte ist märchenhafter - passt aber genauso gut ins Niemandsland.

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