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30 Jaworte in 15 Jahren

Anna Fastabend / 02.08.2016, 06:55 Uhr
Eberswalde (MOZ) Seit 15 Jahren dürfen sich homosexuelle Paare als Lebenspartner eintragen lassen. Damit sind sie zwar bessergestellt als früher. Dennoch haben sie - anders als in anderen Ländern - nicht dieselben Rechte wie Eheleute. In Eberswalde gaben sich seither 30 Pärchen das Jawort.

Homosexuelle und heterosexuelle Paare, die auf dem Standesamt den Bund fürs Leben schließen, werden in Deutschland nicht gleichbehandelt. Dies wird anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Lebenspartnerschaftsgesetzes am Montag deutlich. Schon bei der Wahl der rechtlich korrekten Begriffe für die Verbindung zwei sich liebender Menschen wird es kompliziert.

In Deutschland gibt es hierfür zwei unterschiedliche Institutionen: "Wir müssen bei gleichgeschlechtlichen Paaren von Lebenspartnerschaft und Verpartnerung statt von Ehe und Trauung sprechen", erklärt Iris Spiegelberg, eine von vier Standesbeamtinnen der Eberswalder Märchenvilla. "Wir hoffen, dass sich das bald vereinfacht", betont sie.

Wenn es ums Heiraten geht, sind homosexuelle Paare lediglich in 16 Staaten gleichgestellt. Darunter im Vorreiterland Niederlande. "Sogar das katholische Spanien ist weiter als Deutschland", berichtet Jörg Steinert, Pressesprecher des Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg. Hierzulande würden Lebenspartner bei der Adoption nach wie vor ungleich behandelt, zählt er auf. "Sie dürfen bis heute das Kind nicht gemeinsam adoptieren. Dies ist nur nacheinander möglich."

Zudem würden die Kosten einer künstlichen Befruchtung bei lesbischen Lebenspartnern anders als bei Eheleuten nicht übernommen, weiß er. Ein weiterer Fall, der zeigt, dass homosexuelle Paare benachteiligt werden, habe sich in der Gemeinde Schönefeld in Dahme-Spreewald zugetragen, sagt Steinert. Dort sei einem lesbischen Paar und ihren Kindern die Familienkarte und damit der vergünstigte Eintritt verwehrt worden. "Bis heute wird dies dort noch so praktiziert."

Die Zeremonie bei einer Verpartnerung sei hingegen haargenau so wie bei einer Eheschließung, erklärt Standesbeamtin Spiegelberg. Diese dauere 20 bis 30 Minuten lang. Neben der Standesbeamtin seien Redner aus dem Freundes- und Familienkreis sowie mitgebrachte Musiker zugelassen - damit alles so persönlich wie möglich abläuft.

Bis 2009 blieb gleichgeschlechtlichen Paaren zumindest in Bayern das feierliche Ambiente eines Standesamtes verwehrt, erinnert sie sich. "Die Lebenspartnerschaft wurde als behördliche Angelegenheit betrachtet. Die Paare mussten zum Notar."

Seit dem 1. August 2001 haben sich in der Märchenvilla lediglich 30 gleichgeschlechtliche Paare das Jawort gegeben. Darunter sind ungefähr gleich viele lesbische wie schwule Paare. Die Zahl ist gering im Gegensatz zu den bis zu 230 dort stattfindenden Hochzeiten heterosexueller Paare pro Jahr. Auch für das Land Brandenburg fällt die Zahl eingetragener Lebenspartnerschaften niedrig aus. So ließen sich 2015 rund 13 300 heterosexuelle Paare standesamtlich trauen, gleichzeitig gaben sich lediglich 217 homosexuelle Paare das Jawort.

"Wir freuen uns über jedes Paar, das zu uns kommt", sagt Iris Spiegelberg. Wer Interesse hat, sich im schönsten Standesamt Deutschlands trauen zu lassen, sollte sich aber früh melden. Am besten im September des Vorjahres.

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