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Sieg durch Wasserbomben

Nirgends ist man vor Erwachsenen sicher: Hely (Nica, rechts) und Felicia (Klara) haben Biolehrerin Frau P (Anna Siegenthaler) vorsichtshalber gefesselt und geknebelt.
Nirgends ist man vor Erwachsenen sicher: Hely (Nica, rechts) und Felicia (Klara) haben Biolehrerin Frau P (Anna Siegenthaler) vorsichtshalber gefesselt und geknebelt. © Foto: MOZ/Marco Marschall
Marco Marschall / 11.07.2017, 06:40 Uhr
Eberswalde (MOZ) Wie wäre es, wenn ihr alles machen könntet, was ihr wollt? Das wurden 14 Kinder und Jugendliche gefragt. Ergebnis war das Theaterstück "Insel ohne 18+" am Sonnabend und Sonntag im Alternativtreff Exil.

"Du hast den Kuchen gegessen, den wir vorbereitet haben", wettert Cara. Es gibt Ärger im Paradies. "Ich dachte, das war mein Willkommensgeschenk", wehrt sich Hely. Gerade erst ist sie auf der "Insel ohne 18+" angekommen und nun das. "Wer nicht nach meinen Regeln spielt, wird bestraft", legt Petra nach. Doch wie? Sind drei Jahre Knast zu hart für den Neuling in der erwachsenenfreien Zone? Wie wäre es mit zwei Monaten Süßigkeitenentzug? Jedes der Kinder auf der Bühne des Kanaltheaters stimmt in den Zwist mit ein. Alle haben sie eine Meinung. Am Ende wird der Kuchendieb begnadigt. Sein Vergehen scheint vergessen, als die Marshmallow-Maschine fluffige Naschereien für alle ausspuckt.

Marshmallows - so einfach lassen sich Konflikte lösen. Das Ganze erinnert ein bisschen an Herbert Grönemeyers Lied "Kinder an die Macht" und seine Armeen aus Gummibärchen. Plagiat scheint allerdings ausgeschlossen. Kaum einem der Autoren dürfte der Name Grönemeyer viel sagen. Denn die zwölf Kinder auf der Bühne sind diejenigen, die das Stück geschrieben haben. Sie sind zwischen neun und 13 Jahre alt, haben auch die Kostüme entworfen und die Kulissen gebaut. Ein großer Abenteuerspielplatz ist auf diese Weise entstanden. Seit Mai haben sich alle immer wieder getroffen. Angeleitet von Cathy Clift und Anna Siegenthaler vom Kanaltheater haben sie den Text erarbeitet. Im Mittelpunkt die Frage: Wie soll sie aussehen - die Welt ohne Erwachsene?

Nun, sie hätte den jungen Darstellern in jedem Fall weniger Publikum beschert. Denn viele Eltern sind zur ersten Aufführung am Sonnabend gekommen, um ihre Sprößlinge auf der Bühne zu erleben. Das Stück, das auch Tanzeinlagen beinhaltet, erntet viel Beifall.

An Auseinandersetzungen mangelt es auf der Bühne nicht. Streit entbrennt nicht nur um Kuchen, sondern auch um die Frage, ob man das Zuckerwattetierchen essen darf oder als bedrohte Art schützen muss. "Das wollten wir ursprünglich auf einem ferngesteuerten Auto einfahren lassen", verrät Cathy Clift im Anschluss ans Stück. Nun wird die Kreatur mit der süßen Wolle an einer Strippe in die Szene gezogen.

Doch auch dieser Konflikt endet spätestens, als der erste gebieterische Erwachsene auftaucht. Eine Biolehrerin, zu der sich kurze Zeit später noch ein Investor gesellt. Der hat seine eigenen Pläne mit der Insel. Die beiden bilden das perfektes Feinbild, das letztlich für Zusammenhalt unter den Kindern sorgt. Die Erwachsenen werden mit Wasserbomben aus dem Paradies verjagt. Aus dem Off sinnieren die Inselbewohner dann noch einmal darüber, wie eine Welt wäre, in der sie tatsächlich alles machen dürften, wozu sie Lust haben.

Sie scheinen ebenso unentschlossen, wie die drei 13-jährigen Mädchen, die das Stück im Publikum verfolgt haben. "Manchmal wäre es schon schöner ohne Erwachsene. Aber manchmal braucht man auch ihren Rat", sagt Lilly. Ähnlich geht es Lea (11), die selbst im Stück mitgespielt hat. "Schon gut, wenn Mutti nicht sagt, was wir machen sollen. Aber dann würden wir auch in unserer eigenen Wohnung leben, die wir ganz alleine aufräumen müssten". Ganz verzichtbar scheinen Erwachsene also doch nicht.

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