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WM-Bronzemedaille aus dem Vorjahr versilbert

Jörg Matthies / 03.08.2016, 17:04 Uhr
Minsk (MOZ) Es scheint der perfekte Sommer für den uckermärkischen Kanurennsport zu werden. Noch bevor der absolute Höhepunkt mit dem Olympiastart der Schwedter Sebastian Brendel und Jan Vandrey in Rio ansteht, gab es jetzt großartige Leistungen bei der Nachwuchs-Weltmeisterschaft.

Die weißrussische Hauptstadt Minsk bot den Junioren- und U-23-Kanuten großartige Bedingungen von der Organisation über die bestens präparierten Strecken bis hin zur Sicherheit und zu größtenteils auch sehr fairen Windverhältnissen. Sehr freundliche Gastgeber trugen zu gelungenen vier Tagen bei, bei denen mit Clara Thieme aus Schwedt sowie dem Schönower Geschwisterpaar Saskia und Anton Regorius drei uckermärkische Starter auch mit ihren Leistungen glänzten und letztlich weitgehend sehr zufrieden die Heimreise antraten.

Das herausragende Resultat lieferte Kajak-Juniorin Clara Thieme ab. Vor einem Jahr im bronzenen WM-Vierer dabei, hatte sie sich "in einem Jahr der Sichtungen und Trainingslager ohne große Regatta-Herausforderungen" (so Vater Jens Thieme) als Gesamtbeste des Jahrgangs folgerichtig für das WM-Team qualifiziert. Hier lag der Fokus neben dem Sprint-Einzelstart vor allem auf dem Canadier-Vierer.

Mit ordentlichen Zeiten im Vor- und Halbfinallauf erreichte das deutsche Quartett (unter anderem mit Bundestrainer-Tochter Katinka Hofmann) das Finale - hinter den klar favorisierten Ungarinnen schien zwischen Rang 2 und 6 alles drin zu sein.

Zur Hälfte der 500-m-Strecke lagen Clara und ihre Mitstreiterinnen noch auf dem fünften Platz. "Mit dem absolut härtesten Endspurt ging es Platz um Platz nach vorn - am Ende gab es bei Aktiven und uns eine wahre Explosion an Freude über die Silbermedaillen", erzählt Jens Thieme, dessen Tochter erst wenige Tage zuvor ihren 18. Geburtstag gefeiert hatte.

Auf der Sprintstrecke war Clara Thieme vor zwölf Monaten ins sogenannte C-Finale gefahren. Obwohl erneut im Halbfinale nicht alles wunschgemäß lief, erreichte sie diesmal das B-Finale, gewann dieses und war letztlich Gesamt-Zehnte.

Im Silberboot hätte gern auch Saskia Regorius gesessen - kurz vor der WM gab es noch einmal eine Ausscheidung mit Kim Riedle. "Ich fand, dass ich mit meinen Leistungen den Vierer-Platz verdient hatte, die Entscheidung fiel - ohne echte Begründung - aber leider anders." Die WM-Premiere (nach Platz 1 im Vierer bei den Olympic-Hope-Wettbewerben 2015 in Polen) war für die 18-Jährige dadurch aber nicht vom Tisch. Der Verband setzte sie in den Canadier-Zweier - ausgerechnet zusammen mit ihrer "Rivalin" Riedle.

"Das war wirklich schon ganz schön schwierig für mich", lässt die Schönowerin ihren Emotionen freien Lauf. Nichtsdestotrotz erwies sie sich als großartige Leistungssportlerin. "Kim konnte ich ja nicht böse sein, den Groll hatte ich in Richtung Trainer", erklärt Saskia. Nachdem es Riedle beim Vor- und Halbfinale gesundheitlich nicht ganz so gut ging, kämpfte sich das Duo aber doch ordentlich ins Finale. Saskia: "Platz 6 war unser Ziel." Am Ende war man nach 500 m Vierter mit etwa zwei Sekunden Rückstand auf den Bronzerang.

"Jetzt steht der Wechsel in den U-23-Bereich an - das ist immer schwierig. Aber durch die WM und auch die Verbannung aus dem Vierer bin ich jetzt so richtig motiviert, zunächst Ende des Monats noch die Deutsche Meisterschaft auf dem Beetzsee zu fahren und dann 2017 auch wieder mein Bestes zu geben", lautet das Regorius-Fazit. Clara und Saskia sind durch ihre Ergebnisse in Minsk fortan übrigens als C-Kader feste Bestandteile des deutschen Bundeskaders.

U-23-Kanute ist inzwischen seit einigen Jahren Saskias knapp 21-jähriger Bruder Anton Regorius, der mit Medaillenhoffnungen nach Minsk geflogen war, letztlich aber nach einem denkbar knappen Endlauf mit seinem Canadier-Quartett mit dem fünften Rang vorliebnehmen musste.

"Wir hatten uns mehr erhofft", gibt Regorius unumwunden zu. Weil auch zwei Kanuten, die nicht ganz die Olympiatickets geschafft hatten, mit im Boot saßen, hieß das klare Ziel: Podest. "Im Training war es richtig gut gelaufen, auch im Vergleich zu den Weltbesten aus dem vergangenen Jahr sahen wir uns gut gerüstet. Und wir sind dann auch ein echt gutes Finale gefahren - vielleicht war am Anfang die Schlagzahl etwas zu hoch, meinte hinterher unser Schlagmann. Der Wind begünstigte uns nicht gerade. Schade."

Am Ende war es mega knapp: Russland gewann nach 500 m in 1:36,9 min noch verhältnismäßig deutlich, dahinter trennten die Plätze 2 und 5 insgesamt nur vier Zehntel - Polen 1:37,54 min, Ukraine 1:37,67 min, Weißrussland 1:37,77 min und Deutschland 1:37,95 min. "Es war echt starke Konkurrenz - mit unserer Leistung von diesem Jahr wären wir vor zwölf Monaten noch Weltmeister geworden", meint Anton Regorius. Der absolvierte auch noch die 200-m-Sprintstrecke im Canadier-Einer, hatte in Vorlauf und Halbfinale mit Fehlstarts von Kontrahenten und folglich jeweils Neustarts zu kämpfen und belegte letztlich im B-Finale gegen renommierte Gegner Platz 5 (Gesamt-14.).

Für den fast 21-Jährigen wird es im Hinblick auf die nächste Saison einen durchaus großen Umbruch geben. "Da die 200-Meter-Strecke aus dem olympischen Programm gestrichen wurde, konzentrieren wir uns fortan auf die 1000 Meter. Das erfordert natürlich einen komplett anderen Trainingsplan", sagt der frischgebackene Abiturient, der neben dem Sport gern in Oktober mit einem Psychologie-Studium in Potsdam beginnen würde.

Alle drei Kanuten werden mit vielen Uckermärkern in den nächsten Tagen aber erst einmal ihren Vereinskameraden von Wassersport PCK, Sebastian Brendel und Jan Vandrey, für die Olympia-Rennen in Rio de Janeiro die Daumen drücken - Finals am 16. und 20. August.

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