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Initiative will maroden DDR-Bau beleben

Vor bröckelnder Fassade: Florian Schmidt zeigt vor dem ehemaligen Haus der Statistik sein Nutzungskonzept. Demnach sollen dort unter anderem Künstler, Theaterschaffende, Wohngemeinschaften und Sozialprojekte einziehen.
Vor bröckelnder Fassade: Florian Schmidt zeigt vor dem ehemaligen Haus der Statistik sein Nutzungskonzept. Demnach sollen dort unter anderem Künstler, Theaterschaffende, Wohngemeinschaften und Sozialprojekte einziehen. © Foto: MOZ/Henning Kraudzun
Henning Kraudzun / 06.08.2016, 10:12 Uhr
Berlin (MOZ) Eine Initiative möchte das frühere Haus der Statistik, ein seit acht Jahren leer stehender Gebäudekomplex am Alexanderplatz, zu einem Zentrum für soziale und kreative Projekte umbauen. Unterstützer im Senat gibt es bereits. Doch die Politik ist uneins.

Wenn Florian Schmidt in der umfangreichen Projektbeschreibung blättert, dann zeigt sich, dass schon jeder Winkel eines mittlerweile unansehnlichen DDR-Zweckbaus verplant ist. Wohlfahrtsorganisationen, Betreiber von Behindertenprojekten sowie Wohngemeinschaften für Flüchtlinge, Kulturvereine, Bildungsträger, Theater und Filmstudios - alle wollen dort künftig einziehen. Der Komplex umfasst insgesamt 55000 Quadratmeter.

Den meisten Platz will die "Initiative Haus der Statistik", als deren Sprecher der 40-Jährige fungiert, für Ateliers frei räumen. Dass es hierfür großen Bedarf in Berlin gibt, weiß Schmidt aus eigener Erfahrung: Seit zwei Jahren ist er Atelierbeauftragter des Landes und hat mit dem Senat einen Masterplan entwickelt, durch den mehr kreative Freiräume geschaffen werden sollen. In diesem Programm sind insgesamt 2000 neue Räume für Kunst- und Kulturschaffende vorgesehen. Dafür sind nach den Angaben von Schmidt im neuen Berliner Doppelhaushalt rund 3,5 Millionen Euro eingeplant 8000 bis 10000 professionelle Künstler lebten in der Stadt, denen jedoch nur 1500 "gesicherte" Ateliers zur Verfügung stünden, sagt er. Bei einem Durchschnittsverdienst von 1000 Euro könne sich kaum ein Künstler die Mieten auf dem freien Markt leisten.

"Wir können hier also einen kulturellen Leuchtturm schaffen, der über die Stadt strahlt", sagt der 40-jährige Experte für Liegenschaftspolitik und deutet auf den mächtigen Betonriegel, in dem schon die meisten Fensterscheiben fehlen. "Es wäre nicht die Rettung für die Kreativszene, aber eine große Hilfe." Vor allem aber würden die Wohnviertel rund um den Alexanderplatz aufgewertet. "Neben dem Kommerz muss es einen Ort mit sozialer Wärme geben", meint er.

Dabei hat die Initiative die Kosten des Mammutprojekts schon durchkalkuliert. 40 bis 50 Millionen Euro würde die Sanierung kosten, die sich durch die Mieten refinanzieren könnte, sagt Schmidt. Der Verkehrswert des Hauses der Statistik wird auf 47 Millionen Euro taxiert. Eigentümer ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Die Flachbauten auf der Hofseite gehören indes dem Land Berlin. Um Erwerb und Sanierung zu stemmen, wurde zuletzt mit einer Wohnungsbaugesellschaft verhandelt. Diese würde auf dem Grundstück auch Sozialwohnungen errichten, sagt Schmidt. "In der Summe müsste das Land nichts draufzahlen. Es fehlt noch der politische Wille."

Allerdings ist die Politik noch völlig uneins. Während der Bezirk Mitte die Pläne unterstützt, zeigt sich der Senat abwartend, obwohl es dort bereits Befürworter für das Konzept gibt. Erste Gespräche mit der BIMA seien geführt worden, sagt Eva Henkel, Sprecherin von Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD). Allerdings stellt das Gebäude aus Sicht der Finanzverwaltung einen idealen Behördenstandort dar. "Das Bezirksamt Mitte könnte dort einziehen, wenn das bisherige Rathaus in der Karl-Marx-Allee aufgegeben werden muss", sagt Henkel. Für Wohnungen sei der Standort zu laut.

Der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), kann diesen Umzugsplänen wenig abgewinnen. Das Land sollte das Rathaus kaufen, fordert er. Dieses ist von einem Immobilienkonzern an den Bezirk vermietet, soll aber laut Hanke veräußert werden, wodurch die Kosten für die Verwaltung steigen könnten. Das Haus der Statistik wiederum könnte dem Stadtteil einen Impuls verleihen, meint der Bürgermeister. "Kulturell ist die Gegend unterversorgt." Eigene Ideen bringt er auch mit: Er würde auf dem Areal zusätzlich den Neubau einer Oberschule mit Turnhalle favorisieren. Denn neben bezahlbaren Wohnungen fehlten bald Unterrichtsräume.

Schmidt stellt sich angesichts der unterschiedlichen Positionen darauf ein, Geduld aufbringen zu müssen. "Wir haben ja erst einmal Wahlen", betont er.

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